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Neue Bühne: Drei Schwestern sinnieren über das Leben

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Von: Ulrike Osman

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Spielen drei Schwestern im aktuellen Stück: (v.l.) Judith Gebele, Lena Handschke und Sabine Ostermeier.
Spielen drei Schwestern im aktuellen Stück: (v.l.) Judith Gebele, Lena Handschke und Sabine Ostermeier. © PETER WEBER

Sie sitzen herum, beklagen sich über ihr Leben und träumen von einem anderen. Leider fehlt es an der wesentlichsten Voraussetzung, dieses Leben Wirklichkeit werden zu lassen – der Bereitschaft zur Veränderung.

Fürstenfeldbruck – Lethargie liegt wie eine bleierne Decke über dem Alltag der „Drei Schwestern“. Die Neue Bühne Bruck zeigt das über 120 Jahre alte Drama von Anton Tschechow in einer modernen Bearbeitung von Ian de Toffoli.

Der Luxemburger Autor hat das Stück in die Gegenwart und in hiesige Gefilde geholt. Statt zurück nach Moskau zieht es Olga (Sabine Ostermeier), Mascha (Lena Handschke) und Irina (Judith Gebele) zurück nach Berlin, wo alles so viel besser war.

Nun sitzen sie in einem Haus in einer Kleinstadt, in die sie mit ihrem inzwischen verstorbenen Vater ziehen mussten. Das Leben spielt sich draußen vor den Fenstern ab. Mal sind es Frühlingsfarben, die milchig hereinleuchten, mal der Feuerschein eines brennenden Flüchtlingsheims. Doch drinnen zwischen weißem Sofa und weißer Kücheneinrichtung steht das Leben still wie ein Tümpel, in dem das Wasser mehr und mehr umkippt.

Die älteste Schwester Olga, herb und herrisch mit einem Schuss Mütterlichkeit, hat die Rolle des Haushaltsvorstands inne und bringt als Lehrerin das Geld ins Haus. Mascha, die ihre Verletzlichkeit hinter Zynismus und Macho-Gehabe verbirgt, sitzt fest in einer unglücklichen Ehe. Und die träumerische Irina weiß rein gar nichts mit sich anzufangen.

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Nach der Pause sind zwei Jahre vergangen. Olga hat widerwillig den Posten der Schulleiterin übernommen, Mascha wird von ihrem Geliebten verlassen und Irina will halbherzig einen Aufbruch wagen, der nur scheitern kann. Alle drei fühlen sich zunehmend vom mit im Haus lebenden Bruder und seiner Familie an den Rand gedrängt und ausgebootet.

Waren es zu Tschechows Zeiten gesellschaftliche Zwänge und Konventionen, die Menschen – Frauen zumal – am Ausbruch hinderten, so haben die modernen Figuren eigentlich keine Ausrede für ihre Lebensverschwendung. De Toffoli lässt die Ursachen offen, deutet psychische Nöte nur an. „Meine Seele ist wie ein abgesperrtes Zimmer, zu dem der Schlüssel fehlt“, klagt Irina.

Unter der Regie von Ernst Matthias Friedrich liefern die drei Frauen bravouröse Leistungen ab, schlüpfen neben den eigenen noch in die Rollen von Bruder, Schwägerin und Liebhaber und zelebrieren die kostbaren komischen Momente inmitten der Tristesse. Dass Friedrich das Stück auf zwei Ebenen ansiedelt, sorgt für einen geradezu erlösenden Schluss und nimmt dem Stoff etwas Schwere. Das Premierenpublikum war zurecht begeistert.

Die nächste Vorstellung

ist am Samstag, 26. November, um 20 Uhr. Weitere Informationen online auf www.buehne-bruck.de.

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