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Die Gewächshäuser sind voller Pflanzen, doch Gärtner Karl-Heinz Henninger darf sie nicht verk aufen. Er fürchtet, dadurch Pleite zu gehen. 

Fürstenfeldbruck

Drive-In-Schalter für Gärtnerei verboten - jetzt Versuch mit Lieferservice

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Gärtnereien dürfen wegen der Corona-Krise derzeit nicht öffnen. Und das ausgerechnet zu Beginn der Pflanzsaison. Gärtner Karl-Heinz Henninger aus Fürstenfeldbruck wollte daher einen Drive-In-Stand einrichten – um die Kunden im Frühling mit Pflanzen zu versorgen. Doch er darf nicht – obwohl Supermärkte ungehindert Pflanzen verkaufen können.

FürstenfeldbruckDie Sonne lockt die Menschen in die Gärten. Viele wollen jetzt Salat, Tomaten, Gurken und mehr anpflanzen. Die Pflänzchen stehen in den Gärtnereien bereit – auch im Betrieb von Karl-Heinz Henninger. Doch er darf sie aufgrund der Corona-Pandemie derzeit nicht verkaufen.

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Für den 55-Jährigen ist das eine Katastrophe. „Wir sind ein landwirtschaftlicher Betrieb, unser Geschäftsjahr läuft hauptsächlich von März bis Mai.“ Im Gegensatz zu Gartencentern sei der Umsatz im restlichen Jahr gering. Er sei in finanzielle Vorleistung getreten, habe all die Pflänzchen nun in seiner Gärtnerei. Bleiben die Kunden aus, hilft nur eines: „Ich muss alles wegwerfen.“

Verkauf ohne Kundenkontakt

Daher hatte Henninger die Idee, den Verkauf fast ganz ohne Kundenkontakt zu regeln. Er hat einen Drive-In-Schalter aufgebaut. „Der Kunde braucht nicht aussteigen, wir stellen die Pflanzen in den Kofferraum oder auf einen separaten Parkplatz“, erklärt Henninger. Die Bezahlung könne man genauso sicher wie in einem Supermarkt regeln.

Doch das Landratsamt sagt Nein und verweist auf die Anordnungen des Freistaats in der Krise. Man habe da nicht weiter nachgehakt und Möglichkeiten gesucht, eine Ausnahme zu ermöglichen, kritisiert Henninger. Das versteht er nicht. „In solchen Zeiten darf man Kreativität nicht untergraben.“ Vielmehr solle man solche Vorschläge zur Regierung tragen und gute Ideen zulassen.

Was den 55-Jährigen besonders wurmt: Supermärkte dürften Pflanzen verkaufen. „Wir hätten sogar Gemüsepflanzen kontaktlos an die Bürger gebracht.“ Wer im Garten anpflanze, brauche auch weniger einkaufen. „So geht es nicht.“

Keine Lebensmittel

Das Landratsamt begründet die Schließung damit, dass die Gärtnerei keine „fertigen Lebensmittel“ – also ausgewachsenes Gemüse zum sofortigen Verzehr verkauft. Somit diene sie nicht der Versorgung mit Gegenständen des täglichen Bedarfs. „Bürger dürfen also diese gemäß den geltenden Ausgangsbeschränkungen nicht aufsuchen“, erklärt ein Sprecher. Die Gärtnerei dürfte nur an Landwirte und Gewerbetreibende Saatgut, Dünger und mehr verkaufen.

Die Schließung der Gärtnerei, so das Landratsamt, ergebe sich direkt aus den geltenden Verordnungen, nicht etwa aus einer Untersagung durch das Landratsamt. „Der Inhaber der Gärtnerei wurde lediglich über die Rechtslage aufgeklärt.“ Eine Betriebsmöglichkeit sei als Landhandel für Saatgut ausschließlich an gewerbliche Kunden zu verkaufen. Es habe eine kurzfristige Beratung durch das Landratsamt stattgefunden.

Henninger sieht seinen Betrieb coronabedingt in der Existenz bedroht. Denn die Rechnungen überschreiten seine Reserven – nicht unüblich in dieser Zeit. Doch in normalen Jahren kommt im Frühling auch wieder viel Geld herein. Heuer, so fürchtet Henninger, werde er das entgangene Geschäft nicht mehr kompensieren können. „Die Lieferanten treiben mich in die Insolvenz.“ Er sei auf finanzielle Unterstützung angewiesen – sofort. Denn einen großen Kredit könne er nicht mehr zurückzahlen. Eine Insolvenz treffe nicht nur ihn, sondern auch seine sieben Mitarbeiter, von denen einige älter als 50 Jahre sind.

Hilfe des Freistaats

Das Landratsamt verweist auf die Soforthilfe des Freistaates, die schnell und unkompliziert abrufbar sei. Anträge zur Soforthilfe des Bundes würden in Kürze bereitgestellt. Zudem könnten sich Unternehmen die Sozialversicherungsbeiträge für März und April stunden lassen. Die Soforthilfe habe er bereits beantragt, sagt Henninger. „Die reicht genau eine Woche.“

Aufgeben will der 55-Jährige noch nicht. Er versucht es jetzt mit einem Online-Handel. Die Kunden können von 9 bis 12 Uhr telefonisch bestellen, am Nachmittag werden die Pflanzen ausgeliefert. „Es ist ein Versuch, ob die Leute darauf anspringen“, sagt Henninger. Zu große Erwartungen hat er aber nicht: „Es wird nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein.“

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