Völlig zugestapelt ist derzeit das Haus mit Zeitungen, Büchern und Broschüren. Eine Entfernung muss die Stadtverwaltung erst genehmigen.

Behörden und Nachbarn ratlos

Ehepaar gerät völlig aus der Bahn

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Ein völlig aus der Bahn geratenes Ehepaar beschäftigt Gerichte, Polizei und den gesetzlichen Betreuer. Die Situation droht zu eskalieren. Bei den Nachbarn liegen die Nerven blank. Doch wirklich einschreiten kann derzeit niemand. Die gesetzlichen Vorgaben sind streng.

FürstenfeldbruckDer Mann sammelt Zeitungen. So viele Zeitungen, dass sein Haus mittlerweile nicht mehr betretbar ist. Papier stapelt sich bis knapp unter die Decke – und mittlerweile auch vor dem Haus. Jeden Tag sammelt er weiter tütenweise Papier, immer wieder. Er und seine Frau stehen unter gerichtlicher Betreuung. Doch das ändert nicht viel.

Die Frau müsste dringend Medikamente gegen eine Psychose nehmen. Doch sie lehnt Psychopharmaka ab. Auch Alkohol spielt wohl eine Rolle. Diese Gemengelage hat in der Vergangenheit öfter zu Streitereien geführt. Als die beiden noch in dem Haus in Fürstenfeldbruck leben konnten, verwies der Mann die Frau des öfteren nach draußen, was stundenlange lautstarke Aggressionen zur Folge hatten.

Nachbarn halten die Situation für untragbar

Nachbarn halten die Situation für untragbar. Die Polizei berichtet auf Nachfrage von diversen Einsätzen. Meist handele es sich um Hausfriedensbrüche oder Beleidigungen, hieß es. Auch die Feuerwehr musste schon helfend eingreifen.

Die beiden Eheleute leben aktuell in einer öffentlichen Toilette, da das Haus zumindest über die Haupttüre nicht mehr zugänglich ist. Hilfe lehnen sie ab – und dem vom Gericht bestellten Betreuer sind von Gesetzeswegen die Hände gebunden, wie er gegenüber dem Tagblatt beteuert. Er sei ständig mit dem Thema befasst, betont er und weist Untätigkeitsvorwürfe, die in der Nachbarschaft laut werden, zurück. Er habe das Haus schon öfter räumen lassen. Das sei aber sinnlos, da es nur eine Frage der Zeit sei, bis die Vermüllung – immer geht es um Zeitungen respektive Bücher oder Broschüren – wieder fortschreitet.

Die verfahrene Situation durch Zwangseinweisungen der Betroffenen in die Psychiatrie zu ändern, sei nicht möglich. Dafür seien die psychischen Erkrankungen der beiden nicht schlimm genug. „Man kann sie nicht festhalten.“ Eine Zwangsmedikamentation der Frau anzuordnen komme ebenfall nicht in Frage. Es bestehe ja keine Lebensgefahr.

Hoffnung auf Anweisung der Stadt

„Ich habe größtes Verständnis dafür, dass die Nachbarn das nicht schön finden. Aber wie soll ich dem Einhalt gebieten?“, sagt der Betreuer. Er bestätigt, dass die Situation derzeit sehr heiß laufe. Er selbst arbeite in diesem Fall mittlerweile unter Mindestlohnniveau, so groß sei der Aufwand. Anwohner dagegen fordern vehement, dass etwas unternommen wird. Die Situation sei so nicht mehr haltbar.

Im Falle der Zeitungen vor dem Haus hofft der Betreuer nun auf eine Entfernungs-Anweisung durch die Stadtverwaltung – zumindest dieses Problem könnte also in Kürze gelöst sein.

Für den Betreuer wäre es das Wichtigste, wenn die zwei das Haus wieder betreten könnten. Wie das gelingen soll, ist noch unklar. Insgesamt herrsche bei den Verantwortlichen die Ansicht, dass die Gesellschaft solches von der Norm abweichende Verhalten aushalten müsse.    

Bis zu 15 Messie-Fälle pro Jahr

Von zehn bis 15 Messie-Fällen im Jahr erfahren im Landkreis Fürstenfeldbruck die Behörden. Das berichtet ein Sprecher des Gesundheitsamts auf Anfrage. Eingreifen könne man aber nur, wenn wirklich hygienische Probleme auftreten, am Verhalten der Menschen sei allerdings erfahrungsgemäß wenig zu ändern. Theoretisch relevant sein könnten Fragen des Brandschutzes oder auch die Frage, ob eine Wohnung wirklich noch eine Wohnung ist oder zum Lagerraum wurde.

 Eine zwangsweise Unterbringung sei nur denkbar bei einer sehr konkreten Gefahr der Selbstgefährdung oder der Allgemeingefährdung. Insgesamt, so heißt es in diesem Zusammenhang aus verschiedenen Quellen immer wieder, habe der Fall Mollath die Vorgehensweise von Behörden im Falle von Menschen mit psychischer Erkrankungen stark verändert

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