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Seelenschmerz und andere Pein: Bachchor- und Orchester entführten die Zuhörer in eine Welt der Gefühle. Gerd Guglhör dirigierte. 

Konzert des Bach-chors und -Orchesters

Ein Abend der extremen Gefühle

Fürstenfeldbruck - Eine einsame Wanderung, Todesängste auf hoher See und der Existenzkampf zwischen Heiden und Christen: Menschliche Grenzerfahrungen standen beim Konzert des Bachchors- und orchester im Mittelpunkt. Es war ein Abend der Extreme.

Dargeboten wurden Goethe-Gedichte,die im 19. Jahrhundert von Johannes Brahms, Ludwig van Beethoven und Felix Mendelssohn Bartholdy vertont wurden. Bach-Chor und -Orchester Fürstenfeldbruck machten daraus unter der Leitung von Gerd Guglhör einen grandiosen Konzertabend, der – beabsichtigt oder nicht – einen erfrischenden Kontrapunkt zur allgegenwärtigen weihnachtlichen Süße setzte.

Der Chor hatte seinen großen Auftritt erst im zweiten Teil des Programms. Den Anfang bestritt das Orchester allein und maßstab-setzend mit der Symphonie D-Moll von César Franck. Dunkel und kraftvoll, stürmisch und extrem modulierend packte die einzige Symphonie des französischen Komponisten die Zuhörer und ließ sie nicht mehr los – dank eines Ensembles, das unter dem gewohnt präzisen Dirigat Guglhörs das anspruchsvolle Turnen durch die Tonarten mit Bravour meisterte.

Nach der Pause nahmen zunächst nur die Sänger des Bach-Chors ihre Plätze ein – ein Grüppchen aus nicht mehr als 25 Männerstimmen, die sich als kongeniale Ergänzung der Alt-Stimme von Anna Haase erweisen sollten.

Die Solistin ließ mit Inbrunst den Seelenschmerz des einsamen Harz-Wanderers lebendig werden. Brahms verwendete das Goethe-Gedicht als Text für seine Alt-Rhapsodie, die er der Schumann-Tochter Julie nachträglich zur Hochzeit schenkte – nachdem er zuvor über seine Liebe zu der jungen Frau offenbar nie ein Wort verloren hatte.

Das nächste Gefühlsextrem führte aufs Meer, wo zu Goethes Zeit nicht nur die Sturmflut, sondern auch die Flaute gefährlich werden konnte. Der Dichterfürst stand Todesängste aus, als sein Schiff auf der Überfahrt von Messina nach Sizilien eine Weile richtungslos dahin dümpelte. Getragene Streicher und Stimmen ließen die „Meeresstille“ fühlbar werden, bevor die Bläser mit frischem Wind die „Glückliche Fahrt“ in Gang brachten und der Chor die „nahende Ferne“ bejubelte.

Das Sahnestück des Abends hatten sich die Akteure jedoch bis zum Schluss aufgehoben: „Die erste Walpurgisnacht“ von Felix Mendelssohn Bartholdy, die – man beachte die Aktualität – religiöse Intoleranz zum Thema hat. Hier zelebrierten Chor und Orchester mit allen Mitteln, die die Romantik hergibt, eine gewittrige Frühlingsnacht, ließen die von „dumpfen Pfarrenchristen“ bedrohten Druiden sich ein letztes Mal aufbäumen und ihr Opferfest feiern.

Bildhaft wie Filmmusik interpretierten Stimmen und Instrumente Mendelssohn Bartholdys nuancierte Klangfarben, die spannungsgeladene Rhythmik und Harmonik. Dazu trugen vier vortreffliche Solisten – neben Anna Haase der Tenor Christian Zenker, Bariton Alban Lenzen und Alexander Kiechle (Bass) – das Ihre bei.

Ausdauernder Beifall im nicht ganz gefüllten Stadtsaal beschloss diesen außergewöhnlichen Abend.

von Ulrike Osman

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