Es war eine besondere Ehre: Lorenz Narku Laing sprach auf dem One Young World-Treffen in München über gerechte Wirtschaftssysteme.
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Es war eine besondere Ehre: Lorenz Narku Laing sprach auf dem One Young World-Treffen in München über gerechte Wirtschaftssysteme.

„One Young World“-Treffen

Ein Brucker Botschafter spricht gegen Diskriminierung

  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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„One Young World“ (OYW) heißt ein Netzwerk junger Talente und Führungskräfte aus der ganzen Welt. Bei jährlichen Konferenzen geht es um Themen wie die Klimakrise, um Freiheit und Bürgerrechte. Und auch ein Brucker hielt dort eine Rede.

Fürstenfeldbruck – Kürzlich war die Münchner Olympiahalle Schauplatz eines OYW-Treffens mit 700 Teilnehmer aus über 190 Ländern – teils zugeschaltet. Lorenz Narku Laing (29) gehörte zum handverlesenen Kreis der Referenten. Sein Thema: gerechtere und vielfältigere Wirtschaftssysteme. „Unser Wirtschaftssystem schafft Ungerechtigkeiten bei der Verteilung von Zugängen und Chancen“, sagt der Politikwissenschaftler. „Zu häufig ist schulischer und beruflicher Erfolg abhängig vom Erfolg der Eltern.“

Laing weiß, wovon er spricht. Als Sohn eines Jamaikaners und einer Ghanaerin kam er in Mainz zur Welt. Sein Vater hatte ein Unternehmen, das jedoch insolvent ging und die Familie zu Hartz-IV-Empfängern machte. Dass Laing in Frankfurt Soziologie und im Nebenfach Jura sowie am Londoner King’s College Geschichte Religionswissenschaften, Politik und Internationale Beziehungen studierte, dass er an der LMU München wissenschaftlicher Mitarbeiter war und seine Doktorarbeit schrieb – das verdanke er vor allem der Jugendarbeit in einem Sportverein. Bei den Wiesbaden Phantoms spielte Laing als Schüler American Football. „Meine Trainer haben mich ermutigt und mir dabei geholfen, den Weg an die Uni zu finden. Ohne diese Unterstützung wäre meine Bildungsbiografie so nicht möglich gewesen.“

Ein zentrales Thema in Laings wissenschaftlicher Arbeit ist Rassismus. Als Deutscher mit schwarzer Hautfarbe machte er schon als Kind üble Erfahrungen damit, bis hin zu tätlichen Angriffen. Inzwischen tritt ihm niemand mehr zu nahe, doch Ressentiments begegnen ihm immer noch täglich. Mit seiner in Bruck ansässigen Beratungsfirma „Vielfaltsprojekte“ kämpft Laing mit 15 Mitarbeitern für eine inklusive, offene Gesellschaft. Zu seinen Kunden gehören große Unternehmen bis hin zur Deutschen Bank. Seine Workshops, Seminare, Fortbildungen und Podiumsdiskussionen behandeln alle Formen von Diskriminierung – Rassismus, Sexismus, Homophobie. Es macht Sinn, das Thema vollumfänglich anzugehen, weiß der Vater eines kleinen Sohnes. „Die Freiheit des Einen ist die Freiheit des Anderen.“

Bei One Young World war man aufgrund von Laings Doktorarbeit auf ihn aufmerksam geworden. „Schwarze Menschen erleben noch immer viel Diskriminierung im Bildungssystem“, sagt der 29-Jährige. „Daher ist es leider noch ungewöhnlich für einen schwarzen Menschen in Deutschland, eine Promotion abzuschließen.“ Die Einladung, auf der Konferenz zu sprechen, hat der Brucker als besondere Ehre empfunden, zählten doch bereits Persönlichkeiten wie der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan, Schauspielerin Emma Watson und Kanadas Premierminister Justin Trudeau zu den Referenten.

Das Wochenende in der Olympiahalle hat Laing tief berührt. „Man trifft Menschen aus allen Teilen der Welt, die für eine gute Sache kämpfen.“ Er hat eine syrische Schwimmerin kennengelernt, die Menschen vor dem Ertrinken rettete, und eine Namibianerin, die – wie er – leidenschaftlich gegen Rassismus kämpft. „Die Konferenz hat erneut deutlich gemacht, dass der Kampf für eine gerechte Welt eine einende Kraft über Grenzen hinweg ist.“ os

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