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Im Kurfürstensaal

Ein Festakt für Freistaat und Verfassung

Vor 200 Jahren erhielt Bayern eine neue Verfassung. Der Freistaat feiert heuer sein 100-jähriges Bestehen. In Fürstenfeldbruck erinnerte der Landkreistag daran mit einem Festakt im Kurfürstensaal auf dem Klostergelände.

Fürstenfeldbruck – 1818 erließ der bayerische König Maximilian I. eine Verfassung für Bayern und verfestigte damit den Übergang zu einer konstitutionellen Monarchie. 100 Jahre später rief der Sozialist Kurt Eisner den Freistaat Bayern aus. Nun gedachte der Bezirksverband Oberbayern des Bayerischen Landkreistages mit einem Festakt im Kurfürstensaal unter dem Titel „Wir feiern Bayern“ diesen beiden historischen Daten.

Landrat Thomas Karmasin hob in seinen Grußworten die Bedeutung von breitem politischen Engagement – vor allem im Kreis – heraus und warnte davor, Politikverdrossenheit Berufspolitikern in die Schuhe zu schieben. Das sei in etwa so, wie Profisportlern die Schuld an der Bewegungsfaulheit der Bevölkerung zu geben, erläuterte Karmasin. Außerdem verwehrte er sich gegen die Wahrnehmung von Politikern als Dienstleister.

Martin Burgi

Auch Gastredner Martin Burgi, Professor für Öffentliches Recht an der LMU in München, betonte die Bedeutung von bürgerlicher Teilhabe in der regionalen Politik und die wichtige Funktion von Kreis- und Landtagen für den Föderalismus. Karmasin bekundete später, er habe sich einen frenetischen Zwischenapplaus verkneifen müssen.

Für den emotionalen Höhepunkt sorgten allerdings andere, deutlich jüngere Akteure: Fünf Schüler der Dachauer Nikolaus-Lehner-Berufsschule spielten das eigens geschriebene Stück „Schwimmen“, das die Situation von jungen Geflüchteten in Deutschland einzufangen versuchte. Die Jugendlichen waren selbst aus Afghanistan und Syrien nach Deutschland gekommen.

An diesem Abend gaben sie auf der Bühne umringt von Mauern aus Umzugskartons einen Einblick in ihr Leben im neuen Land. Ihr Stück erzählt von den behördlichen Fragen nach Herkunft und Name. Und von ihrer Angst um die Hinterbliebenen in ihrer Heimat. Die zentrale Frage lautete: Wird der Passus der Verfassung „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ auch auf sie angewendet? Am Ende forderten sie den Landrat und die erste Reihe aus der Politik dazu auf, mit ihnen die Kartonmauer einzureißen, um so symbolisch für mehr Akzeptanz zu werben. Ihre Schlussworte waren versöhnlich: Sie dankten Deutschland für die Aufnahme und die Hilfe.

Der Adelshofener Liedermacher Sepp Raith, der den Abend musikalisch begleitete, stimmte spontan ein Gedicht über einen „armen Hund“ an, das ebenfalls von Ausgrenzung handelt. Er lobte das bewegende Theaterstück und endete dann mit seinem Lied vom „Haberfeldtreiber“. (Gabriel Kroher)

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