Bruck und seine Straßenamen

Ein Lehrer mit Passion für Krieg und Kunst

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Er dirigierte den Männergesangsverein, schrieb Theaterstücke und lehrte unzählige Brucker Kinder. Ferdinand Feldigl machte sich um die Stadt verdient – und um die Festspiele in Oberammergau. Auch wenn ihm Bruck eine Straße widmete, ist er nicht über alle Kritik erhaben.

Fürstenfeldbruck – Er war Dichter, Komponist, Theaterkritiker, Lehrer und Chronist. Die Gene hat Ferdinand Feldigl, der am 5. April 1861 in Landsberg das Licht der Welt erblickte, wohl vom Vater geerbt. Denn Johann Georg Feldigl war Stadtschreiber – erst in Fürstenfeldbruck und dann in Landsberg, und begeisterter Musiker. Seinen Namen hat Ferdinand Feldigl von einem berühmten Brucker – seine Mutter war die Schwester des Erzgießers Ferdinand von Miller. Feldigl schlug die Laufbahn als Lehrer ein, arbeitete zunächst in der Jachenau, dann in Oberammergau und seit 1891 in Fürstenfeldbruck.

Seine Leidenschaft fürs Dichten und Komponieren lebte Feldigl auch im Unterricht aus. Robert Weinzierl, der Ehrenvorsitzende des Historischen Vereins, schreibt in einem Aufsatz über die Erinnerungen eines verstorbenen Bruckers an seinen Lehrer, der plötzlich im Unterricht ein Gedicht deklamierte und es niederschrieb, oder eine Melodie summte, sie gleich am Klavier spielte und ins Notenblatt eintrug. „Georg Kachelriß, der verstorbene Brucker Rektor, meint, das wäre für sie als Schüler erlebte Heimat gewesen, aber es stand halt nicht im Lehrplan.“

Feldigl schrieb aber nicht nur Lieder und Gedichte. Unter anderem verfasste er eine Biographie über seinen Onkel mit dem Titel „Ein deutscher Meister“. Bekannte Bücher sind „Ikarus“, „Maria Magdalena“ oder der preisgekrönte „Weg übers Meer“. Er gab eine Sammlung von Kinder- und Volksreimen und Volkssprüchen heraus. Seine Gedichte sind überwiegend in Vergessenheit geraten – bis auf das Lied von der Jachenau, das ihn dort unsterblich macht.

In Fürstenfeldbruck war Feldigl unter anderem Mitglied im Männergesangsverein. Von 1904 bis 1905 und 1913 bis 1914 war er Dirigent, von 1916 bis 1917 Vorstand. Er gründete den Literaturkreis, und hielt Dichterlesungen im Hotel Post. Seine Theaterstücke wurden im Jungbräu vom Gesellenverein – der heutigen Kolpingsfamilie – uraufgeführt. Darunter war auch sein musikalisch umfangreichstes Werk, „Die frommen Schwestern von St. Marie“, das der Männergesangsverein 1912 erstmals aufführte.

Leitung bei den Passionsspielen

Während seiner Zeit in Oberammergau engagierte sich Feldigl bei den Passionsspielen. Er übernahm im Jahr 1900 die musikalischen Leitung und dirigierte bei den Aufführungen. Er verfasste Fremdenführer und sammelte Texte und Musik der verschiedenen Passionsspiele. Jahrelang forschte er nach dem verschollenen Urtext des ehemaligen Benediktierpaters Othmar Weiß, der zuletzt Pfarrer in Jesenwang war. Und wie es der Zufall wollte, war Feldigl im Winter 1920 krank und bekam als Lektüre zwei Handschriften aus der Pfarrbücherei St. Magdalena gebracht – darunter der vollständige Passionstext von 1811.

Er forschte in Jesenwang weiter. „Mein Freund und Kollege, Oberlehrer Pielmaier von Jesenwang, machte mich darauf aufmerksam, dass der Wirt Walch von dort noch einen Text habe, und siehe, es stellte sich heraus, dass dessen Text die Originalhandschrift von Othmar Weis und das Originalregiebuch vom Oberammergauer Spiel 1815 ist“, schrieb Feldigl in seinem Buch „Oberammergau. Bilder und Gestalten.“ So konnte er eine vollständige Geschichte der Passionstexte verfassen.

Ferdinand Feldigl lebte bis zu seiner Pensionierung mit seiner Familie im Schulhaus am heutigen Niederbronner Weg. Dann zog er ins Haus des Sailermeisters Schwalber an der Pruggmayrstraße, wo er bis zu seinem Tod am 9. April 1928 wohnte. Sein Wirken würdigten die Brucker mit der Straßenwidmung – noch aus einem weiteren Grund, wie Robert Weinzierl berichtet. „Er hat eine Chronik des Ersten Weltkrieges verfasst.“ Die losen Zettel, die mit unzähligen Ausschnitten aus Zeitungen, Schriftstücken und Fotografien beklebt und mit Anmerkungen versehen wurden, liegen in Sammelmappen im Stadtarchiv.

Seine lokalpatriotische Leidenschaft für den Krieg brachte Feldigl aber in jüngerer Vergangenheit auch in die Kritik. So gehörte die Ferdinand-Feldigl-Straße zu denen, die der Arbeitskreis Straßennamen ursprünglich umbenennen wollte. Allerdings wurde sie noch vor der endgültigen Abstimmung wieder von der Liste gestrichen.

Die Serie

Viele Straßen in Fürstenfeldbruck sind nach verdienten Bürgern, nach Künstlern und nach Äbten benannt. Die Tagblatt-Serie stellt die Namensgeber vor. Auch interessant: Der letzte Abt von Fürstenfeld

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