Serie: Brucker Strassen und ihre Namenspatrone

Hans Erich Blaich: Ein Lungenarzt mit Hang zur Satire

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Er schrieb unter Ludwig Thoma für den Simplicissimus und war befreundet mit Kurt Tucholsky. Seine finanzielle Unabhängigkeit aber sicherte sich Hans Erich Blaich als Lungenarzt.

Fürstenfeldbruck – Das Leben von Hans Erich Blaich war gekennzeichnet von Widersprüchen. Er war Lungenarzt und trotzdem Kettenraucher. Er schrieb für den nationalkonservativen Ludwig Thoma und pflegte gleichzeitig Freundschaften mit linken Schriftstellern wie Kurt Tucholsky. So empfand er Fürstenfeldbruck als weltabgeschiedenes Nest und lebte trotzdem gerne dort. Die Stadt, die 34 Jahre lang seine Heimat war, würdigte den Mediziner und Journalisten mit der Widmung einer Straße.

Der gebürtige Schwabe, der 1873 in Leutkirch zur Welt kam, war Sohn des Leutkirchner Stadtschultheißen. Seine Schuljahre waren, der Zeit entsprechend, von Strenge geprägt, machten ihn aber, wie er selbst über sich schrieb, zu einem „Freidenker und Feind des konfessionellen Kirchenwesens“. Es folgten das Studium der Medizin in Tübingen, der Philosophie in München und noch einmal Medizin in Heidelberg. Blaich erkannte früh seine Leidenschaft für das Schreiben, aber auch, dass er ein solides Standbein benötigen würde, um finanziell unabhängig zu sein. Das sollte ihm die Medizin geben. Zunächst in Stuttgart und dann in Pasing arbeitete er als Arzt.

Als er dann 1911 mit seiner Frau nach Fürstenfeldbruck zog, wo er ab 1913 ebenfalls praktizierte, schrieb er schon einige Zeit für den Simplicissimus. Fünf Gedichte im Monat waren das vereinbarte Soll, doch meist schrieb er mehr. Zeitweise fuhr er sogar täglich mit dem Zug nach München, um als Redakteur mitzuarbeiten.

Ironie und Zwiespältigkeit prägten Blaichs journalistische Arbeit. Während seiner Zeit beim Simplicissimus entstanden auch die zwei Pseudonyme, die seine Arbeit prägten und seine Zwiespältigkeit widerspiegeln. Einmal gab er sich als Dr. Owlglass-Eulenspiegel aus und nutze diese Identität, um der Welt in sanften, fast lyrischen Tönen einen Spiegel vorzuhalten. Für sein anderes Alter Ego suchte er sich eine mythische Vorlage. Als Ratatöskr – ein Eichhörnchen aus der nordischen Sagenwelt der Edda – nahm er kein Blatt vor den Mund, schrieb grob und derb und benutzte schon mal Kraftausdrücke.

Während des Ersten Weltkriegs arbeite er dann in München für das Rote Kreuz in einem Lazarett. Aber als der dortige Kommandant die Lektüre des Simplicissimus verbot, beendete Blaich seinen Dienst. Seine Liebe zum „Simpl“ war auch der Grund für die Auflösung einer engen Freundschaft.

Bereits vor dem Krieg freundete sich Blaich mit dem bekannten Journalisten Kurt Tucholsky an. Sie schrieben sich viele Briefe und hatten eine ähnliche politische Einstellung – eher sozialistisch, linksgerichtet. So übten beide auch Kritik an der nationalkonservativen Einstellung Ludwig Thomas, der Herausgeber des Simplicissimus war. Als Tucholsky Thoma jedoch öffentlich anging und auch die Wochenzeitschrift nicht außen vor ließ, beendete Blaich die Freundschaft.

1925 zogen er und seine Frau in ihr eigenes Haus in der Dachauer Straße, wo er von seinem Arbeitszimmer aus einen schönen Blick auf das Emmeringer Hölzl hatte. Obwohl er sehr zurückgezogen lebte, unterhielt er einige enge Freundschaften mit damals bekannten Brucker Persönlichkeiten. So waren der Kunstmaler Henrik Moor, das Malerehepaar Selma und Adolf Des Coudres und auch Michael Kohlhaas regelmäßig Gäste in seinem Haus.

Bis zur Einstellung des Simplicissimus 1944 schrieb er weiter regelmäßig seine Gedichte. Doch gab er seine Redakteurstätigkeit 1935 auf, weil er die Bevormundung der Nazis nicht ertrug.

Als 1945 die Amerikaner Fürstenfeldbruck befreiten, freute er sich sehr darüber, auch wenn GIs sein Haus in Beschlag nahmen und es verwüsteten. Lange konnte er aber das Ende des Krieges nicht mehr genießen. Im Oktober 1945 starb er in Folge einer im Jahr zuvor erlittenen Lungenentzündung an einem Hirnschlag. Ganz in der Nähe der Klinik und seiner früheren Wohnung befindet sich heute die ihm gewidmete Dr.-Blaich-Straße.

Die Serie

Viele Straßen in Fürstenfeldbruck sind nach verdienten Bürgern, Künstlern und Äbten benannt. In der Tagblatt- Serie werden diese Persönlichkeiten vorgestellt. Auch interessant: Johann Baptist Stiglmaier: Der Macher der Münchner Monumente

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