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Ist nach wie vor mit Begeisterung Mesnerin: Elke Winterer.

Die Mesnerin

Ein Vierteljahrhundert im Dienst der Kirche

Fürstenfeldbruck – Jedes Wochenende arbeiten, an den Feiertagen auch und an Weihnachten sowieso – jedermanns Sache ist das nicht. Aber für Elke Winterer ging damit ein Traum in Erfüllung. 

Seit 25 Jahren sorgt sie dafür, dass bei den Gottesdiensten in der Kirche St. Bernhard im Brucker Westen die Kerzen brennen, die Gesangbücher bereitliegen und der Pfarrer zu jedem Anlass ins richtige Messgewand schlüpfen kann. „Ich mache das sehr, sehr gerne“, sagt die 71-Jährige schlicht.

Bevor sie 1991 von der Pfarrei angestellt wurde, ging sie oft dem damaligen Mesner zur Hand. Nie hätte sie gedacht, dass sie einmal seine Nachfolgerin werden würde, denn er war noch jung. Doch dem Mann erging es anders als ihr – arbeiten, wenn alle anderen feiern, taugte ihm nicht wirklich, und zu Hause gab es deswegen auch Ärger. „Er hat sich dann einen anderen Beruf gesucht“, erzählt Elke Winterer. Sie bewarb sich um die Stelle und es klappte. „Ich war selig.“

Schon als Kind im nordrhein-westfälischen Remscheid ging sie gern in die Kirche. Später in München, wo sie in der Buchhaltung eines Zeitungsverlages arbeitete, ließ die Gottesdienst-Besuchsfrequenz ein bisschen nach, zumal ihr Mann mit dem Thema wenig am Hut hatte. Doch als ihre Tochter Kommunionkind wurde, stieg Elke Winterer mit Leib und Seele ins kirchliche Leben ein.

Damals wohnte die Familie schon in Bruck, in der alten Buchenau. Die engagierte Frau betreute Kommunion- und Firmgruppen, fuhr auf Ministrantenfreizeiten mit und kochte für die ganze Kompanie. „Das hat mir unheimlich Spaß gemacht.“

Elke Winterer sang viele Jahre in der Chorgemeinschaft St. Bernhard, sitzt seit 1998 im Pfarrgemeinderat, ist Lektorin und Mitarbeiterin im Seniorenbesuchsdienst der Pfarrei. Das alles, wohlgemerkt, ehrenamtlich neben ihrer Mesnertätigkeit. Und auch die beschränkt sich inzwischen nicht mehr nur auf eine Kirche. Seit der Einrichtung des Pfarrverbands Fürstenfeld trifft man Elke Winterer häufig auch in der Klosterkirche und in St. Magdalena an.

Es sind tausend Kleinigkeiten, die bei der Vorbereitung der Gottesdienste wichtig sind, und manchmal muss alles ganz schnell gehen. Zum Beispiel an Heilig Abend, wenn auf die Senioren- gleich die Kindermette folgt. Anschließend wird aufgeräumt und alles hergerichtet für die spätabendliche Christmette. Für die eigene Bescherung zu Hause blieb da in all den Jahren kaum Zeit, aber das Schenken stellte die Familie ohnehin irgendwann einvernehmlich ein.

An den Ostersonntagen ist Elke Winterer schon früh um vier in ihrer Kirche und zündet die ersten Kerzen an, während draußen das Osterfeuer vorbereitet wird. Ihren vor kurzem verstorbenen Mann störten ihre Arbeitszeiten nie – er war dann eben auf seinem Rennrad unterwegs.

„Abwechslungsreiche Pfarrer“ hat Elke Winterer in dem Vierteljahrhundert ihrer Mesnertätigkeit miterlebt. Besonders gern denkt sie an den beliebten Herbert Ziegenaus zurück, dessen Tod 2009 die ganze Gemeinde erschütterte. Und „ein Goldgriff“ sei auch ihr jetziger Chef, der derzeit erkrankte Dekan Albert Bauernfeind.

Sie selbst möchte noch lange weiterarbeiten („Am liebsten die nächsten 25 Jahre, aber das werde ich wohl nicht ganz schaffen“) und ist froh, dass sie nicht in Rente gehen muss. „Es ist so schön, gebraucht zu werden.“ In der Kirche fühlt sie sich immer gut aufgehoben. „Sie ist meine Ersatzfamilie.“ Tochter Angelika, promovierte Theologin, ist Pastoralreferentin in Oberammergau. Mutter Elke hofft bereits auf eine Eintrittskarte zu den Passionsspielen 2020. (os)

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