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Die Demo vor dem Rathaus: Mit Plakaten Trikots, Ratschen und Schlittschuhen stellten sich über 100 Bürger im Innenhof auf. Sie klapperten mit dem Schlittschuhstiefeln und skandierten laut „Eishalle“. 

Dafür wird beim Sportzentrum III gespart

Eishallen-Demo: Stadt gibt mehr Geld für Planung aus

Über 100 Menschen haben vor dem Rathaus für den Bau einer Eishalle demonstriert – und das nicht ganz erfolglos. Denn entgegen der ursprünglichen Planung wird nun mehr Geld in den Haushalt eingestellt. Dafür will man beim Sportzentrum III sparen.

Fürstenfeldbruck – Wer mit dem Auto zum Parkplatz hinter dem Sitzungssaal fahren wollte, musste durch ein Spalier der Schlittschuhläufer und Eishockeyspieler. Über 100 waren gekommen, um sich mit Schlittschuhen und Ratschen Gehör zu verschaffen. „Eishalle“ skandierten sie laut, als die Stadträte zu den Haushaltsberatungen liefen. Hinterher verfolgten sie im Sitzungssaal den Showdown im Kampf um die Sportstätten der Kreisstadt.

Eishalle oder Sportzentrum?

Klar ist: An der Cerveteristraße soll das Sportzentrum III entstehen, mit Fußballplätzen, einem Heim für Schützen und Keglern und einer Turnhalle, die der TuS betreibt. Das will sich die Stadt 7,6 Millionen Euro kosten lassen. Klar ist auch: Viele wollen die Eishalle, da die Witterung Ligaspiele, Training und den Publikumslauf im Freiluftstadion oft nahezu unmöglich machen.

Der Tenor von OB Erich Raff: Erst wird das Sportzentrum gebaut, dann die Eishalle. Doch das wollten einige Stadträte nicht mitgehen. Finanzreferent Walter Schwarz wägte ab: Der TuS braucht die Halle, um den Mitgliedern weiter Kurse anzubieten. Die Wintersportler brauchen die Eishalle, um weiter in der Landesliga spielen zu können – hier hat der Verband neue Richtlinien erlassen, für die knapp vier Monate Eiszeit zu kurz sind. „In fünf Jahren kann es passieren, dass der EVF in der niedrigsten Klasse spielen muss“, unkte Schwarz. Daher forderte er: „Eishalle vor Sporthalle.“

Eishalle vor Turnhalle

Schwarz forderte unter dem Beifall der Zuhörer, die Mittel für das Sportzentrum auf 4,5 Millionen Euro zu kürzen, dafür 7,5 Millionen Euro für die Eishalle bereitzustellen. Unterstützung erhielt er von Klaus Quinten. Seine BBV kämpft ebenfalls seit Jahren um die Eishalle. „Ich verstehe nicht, warum die größte Fraktion das wie eine heiße Kartoffel anfasst.“ Andreas Lohde (CSU) fühlte sich gleich angesprochen. Er verwies darauf, dass schon im vergangenen Jahr 50 000 Euro für Untersuchungen im Haushalt standen. Es sei aber nichts passiert. Schwarz warf er unlauterers Spiel vor. „Es ist bedauerlich, dass zwei Vereine gegeneinander ausgespielt werden.“ Man wolle eines nach dem anderen angehen.

OB Raff verteidigte seine Haltung. Die Kommunalaufsicht im Landratsamt mahne zu sparen, und Schwarz wolle noch mehr Geld für den Sport. Die Turnhalle sei nicht für den TuS, sondern für die Bürger. „Auch der EVF kann als Bauherr auftreten.“ Der Verein solle sich ein Konzept überlegen und schauen, was er zum Bau beisteuern könne, forderte Dritte Bürgermeisterin Karin Geißler (Grüne). Auch sie war dafür, für 2019 Geld für die Planung einzustellen.

Die Halle am Fliegerhorst

Und die muss noch gemacht werden. Die Eishalle könnte auf dem Bolzplatz beim SCF gebaut werden. Hier müssen aber Emissionswerte eingehalten werden. Im Gespräch auch wieder eine Halle am Fliegerhorst. Die Halle 4 wäre von der Höhe und Größe für eine Eisfläche geeignet, berichtete Raff dem Tagblatt. Allerdings gehört sie der Bundeswehr. Statische Probleme, weswegen man die Idee einst verwarf, ließen sich lösen. „Auch die Zufahrt über Gernlinden und BMW wäre möglich“. Erst einmal muss die Stadt aber mit der Bundeswehr verhandeln, ob sie die Halle auch vorzeitig frei gibt.

Kompromiss gefunden

Nach einer Beratungspause wurde abgestimmt. Der Antrag von Schwarz über nur 4,5 Millionen Euro wurde gegen die zwei SPD-Stimmen abgelehnt. Raffs Vorstoß, das Sportzentrum auf 4,75 Millionen Euro zu deckeln, nahmen die Räte gegen die SPD-Stimmen an. Einstimmig fiel dann der Beschluss aus, für 2018 50 000 Euro und für 2019 300 000 Euro fürs Eisstadion bereitzustellen. Die Zuhörer waren zufrieden. (Ingrid Zeilinger)

So viel bezahlt Germering jährlich für das Polariom

Die Nachbarstadt Germering hat es vorgemacht: Seit Ende der 70er-Jahre steht dort schon eine Eishalle, in der die Kinder Schlittschuh laufen und die Wanderers dem Puck nachjagen. Das Polariom ist mit dem Freibad verknüpft, ähnlich wie in Bruck beim Eisstadion und der Amperoase. Wirtschaftlich ist der Betrieb freilich nicht, wie Germerings Kämmerer René Mroncz erklärt. Dann müsste man viel höhere Preise verlangen. Das Defizit der Eishalle liegt jährlich bei rund 600 000 Euro. Das Geld schießt die Stadt Germering zu, erklärt Mroncz. Dazu kommen noch jährliche Investitionskosten von 200 000 bs 220 000 Euro. Nicht mit eingerechnet sind größere Sanierungen, wie die Erneuerung des Hallendachs vor einigen Jahren. (imu)

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