Lärm bei Eishockeyspielen des EV Fürstenfeldbruck sorgt immer wieder für Ärger bei den Anwohnern – so auch Anfang des Jahres, als Gästefans aus Burgau illegal Feuerwerkskörper im Brucker Eisstadion zündeten.
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Lärm bei Eishockeyspielen des EV Fürstenfeldbruck sorgt immer wieder für Ärger bei den Anwohnern – so auch Anfang des Jahres, als Gästefans aus Burgau illegal Feuerwerkskörper im Brucker Eisstadion zündeten.

Nachbarstreit

Eishockey in Bruck: Anwohner wollen Saisonstart verhindern

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  • Andreas Daschner
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  • Ingrid Zeilinger
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Übernächstes Wochenende startet die neue Eishockey-Saison. Doch für den EV Fürstenfeldbruck bringt sie viele Unwägbarkeiten. Denn Anwohner wollen den Saisonstart verhindern. Klar ist: Der EVF muss sich im Trainingsbetrieb einschränken.

Fürstenfeldbruck – „Bis vor vier Wochen dachten wir, dass Corona unser größtes Problem in der bevorstehenden Saison ist“, sagte EVF-Vizepräsident Manuel Vilgertshofer auf der Jahreshauptversammlung. Doch es kam noch schlimmer. „Der Verein macht derzeit die schwierigste Situation in seiner Geschichte durch. Es geht um unsere Existenz.“

Mitte September gab es ein Gespräch mit der Stadt und den Stadtwerken. „Wir dachten, vielleicht müssen wir am Abend eine Viertelstunde früher vom Eis.“ Aber die Stadt teilte dem Verein mit, dass sie einen Brief vom Anwalt der Anwohner aus der Holzhofstraße erhalten habe, aus dem hervorgeht, dass die Eröffnung des Eisstadions für die Saison 20/21 verhindert werden soll. „Wir waren geschockt, denn wir haben um die Existenz unseres Vereins gebangt“, berichtet der Vize.

Bezug auf das Lärmgutachten

Ewald Zachmann, Anwalt der Anwohner, bezieht sich auf eine über ein Jahr alte Schallverträglichkeitsstudie: Die Grenzwerte würden teils weit überschritten, besonders bei lautem Getrommel und Gejohle bei den Spielen. „Ich habe Stadt und Stadtwerke aufgefordert, für einen ordnungsgemäßen Zustand zu sorgen“, so Zachmann. Die Botschaft: „Wir wollen, dass kein Betrieb stattfindet, der die Grenzwerte nicht einhält.“

Warum ausgerechnet ein Lärmgutachten erstellt wurde, als zwei bekanntermaßen lärmende Fangruppen aus Passau und Schweinfurt in Bruck aufliefen, entzieht sich Vilgertshofers Kenntnis. Aber er zweifelt die Seriosität des Gutachtens an, das seines Wissens „im Winter bei geöffneten Fenstern“ erstellt worden sein soll. „Der Normalzustand sieht definitiv in unserem Stadion anders aus.“

Fanfaren und Trommeln verbannt

Trotzdem hatte der Verein rasch reagiert: Trommeln und Fanfaren wurden aus dem Stadion verbannt. „Und auch die Musik und Durchsagen wurden runtergefahren.“ Zudem starten die Spiele am Freitagabend eine halbe Stunde früher um 19.30 Uhr. Zudem suchte man in einem Gespräch mit zwei Anwohner-Vertretern nach einer Lösung. Dabei sei immer wieder betont worden, dass es den Anwohnern nicht nur um das Eisstadion gehe, sondern auch um den Verkehrslärm der Schöngeisinger Straße, berichtete Vilgertshofer.

Nach dem jüngsten Gespräch hat der Vorstand in Abstimmung mit den Stadtwerken nochmal einen neuen Trainings- und Spielplan erarbeitet, der exakt den Vorgaben der 18. Sportanlagen-Lärmschutzverordnung entspricht. „Ich hoffe, er wird uns den Betrieb im Eisstadion sichern“, so Vilgertshofer. Aber er bringe erhebliche Kürzungen mit sich. „Es werden uns sechs Stunden pro Woche fehlen.“

Vereinschef Manuel Vilgertshofer musste den schockierten Mitgliedern bei der Jahreshaupstversammlung mitteilen, dass Anwohner den Saisonstart für die Landesliga-Truppe mit einer Klage verhindern wollen.

Es werden sechs Stunden Trainingszeit fehlen

Was die Anwohner machen, ist noch offen. Die Stadt sieht sich beim Betrieb des Eisstadions auf der sicheren Seite. „Es gibt ein neues Lärmschutzgutachten, das feste Nutzungszeiten für das Eisstadion definiert, innerhalb derer der Eishockeybetrieb – Training und Spiele –, der Betrieb des ERCF sowie der Publikumslauf möglich sind“, sagt Rathaus-Sprecherin Susanna Reichlmaier. Werden diese Nutzungszeiten eingehalten, so seien damit auch die Lärmschutzbestimmungen entsprechend diesem Gutachten eingehalten. Dies bedeute, dass sowohl Eishockeytraining und -spiele sowie der Publikumslauf innerhalb dieser Zeiten stattfinden können.

Allein aus moralischer Sicht findet Vilgertshofer das Vorgehen der Anwohner äußerst fragwürdig. „Die Corona-Pandemie setzt uns sowieso schon vor die schwierigsten Aufgaben, und jetzt will man auch noch den Kindern, den Jugendlichen und auch den Erwachsenen ihr Hobby wegnehmen. Der EVF, aber auch der ERCF, die 250 Kindern und Jugendlichen sowie eislaufbegeisterten Bürgern einen bezahlbaren Wintersport bieten, bitten die Stadt, die Stadträte und die Stadtwerke um ihre Hilfe. „Dazu gehört auch, dass Thema Eishalle endlich mutig anzugehen.“  dm/imu/ad

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