Mammutaufgabe

Endgültiges Aus für alte Führerscheine

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Es heißt Abschied nehmen von den alten Lappen. Unbefristete Führerscheine – darunter die kultigen grauen und rosafarbenen – müssen in den kommenden Jahren zurückgegeben und umgetauscht werden. Auf die Landratsämter kommt eine Mammutaufgabe zu.

Fürstenfeldbruck – Nach § 24a Abs. 2 der Fahrerlaubnis-Verordnung müssen Führerscheine, die vor dem 19. Januar 2013 ausgestellt wurden, bis spätestens 18. Januar 2033 in befristete Dokumente umgetauscht werden. Was im Behördendeutsch nach einem simplen Vorgang klingt, ist in der Praxis eine gewaltige Verwaltungsaufgabe.

100 000 Scheine

Über 100 000 Führerscheine müssen im Landkreis Fürstenfeldbruck umgetauscht werden. Wie viele es genau sind, kann aber niemand sagen. Das Zahlenwerk, auf dem die Schätzungen beruhen ist veraltet. Wegzüge, Zuzüge und Todesfälle sind nicht eingerechnet. Die Zahlen der einzelnen Abgabestaffeln schwanken deshalb zwischen 9000 und 16 000, zwölf dieser Staffeln gibt es.

Davon betroffen sind nicht nur die alten Papierlappen, sondern auch neuere Führerscheine im Scheckkartenformat. Die Bearbeitungszeit pro Umtausch kann dabei stark variieren. Von 20 Minuten bei den neuen Kartenführerscheinen bis zu 60 Minuten bei den grauen Papierscheinen dauert der Umtausch. Der Grund dafür: Bei den alten Scheinen sind die Daten noch nicht im Zentralen Fahrerlaubnisregister (ZFER) gespeichert. „Zur Verifizierung der Daten sind häufig analoge Abfragen bei anderen Fahrerlaubnisbehörden mit entsprechender Nachbearbeitung notwendig“, erklärt eine Sprecherin des Landratsamts.

Personal aufstocken

Um dem gewaltigen Berg an Arbeit Herr zu werden, plant die Behörde das Personal gestaffelt aufzustocken. Genaue Bedarfszahlen können erst im Lauf der Jahre anhand der Erfahrungen ermittelt werden, so das Landratsamt. „Die tatsächlichen Kundenströme sind derzeit nicht abschätzbar.“ Mit dem zusätzlichen Personalbedarf ist das Brucker Landratsamt aber nicht alleine. Auch die umliegenden Ämter müssen die Führerscheinproblematik in den Griff bekommen.

So plant München bis zu zwölf zusätzliche Stellen ein, der Landkreis Dachau stockt in einem ersten Schritt um drei Stellen auf. Das Problem: Der Stellenmarkt in diesem Bereich ist nahezu leer gefegt. So sucht das Kreisverwaltungsreferat München seit Jahren händeringend nach neuen Mitarbeitern – ohne Erfolg. Der Konkurrenzkampf um die wenigen geeigneten Bewerber wird durch die neue Verordnung nur zunehmen.

Rechtzeitig kommen

Das Landratsamt rät deshalb, sich frühzeitig um den Umtausch zu bemühen und nicht bis zum Fristende zu warten. Die Erfahrung habe allerdings gezeigt, dass dies eher hehrer Wunsch als Amtsrealität sei. Um die Bürger dennoch zu einem frühzeitigen Umtausch zu bewegen, will das Landratsamt eine Informationskampagne starten. Auf der Internetseite der Behörde sind die Informationen und Fristen bereits zu finden, zum Jahreswechsel soll eine Pressemitteilung folgen und zu den jeweiligen Fristen soll es verstärkt Öffentlichkeitsmaßnahmen geben. Tauschverweigerern droht ein Bußgeld von zehn Euro, der Umtausch des Führerscheins kostet zwischen 20 und 25 Euro.

Keine Online-Lösung

Den Gang zur Behörde werden sich die Bürger aber nicht sparen können. Eine Online-Lösung ist nicht in Sicht. Aber: „Sobald ein Softwareanbieter eine reelle Lösung anbietet, treten wir der Angelegenheit gerne näher“, erklärt die Sprecherin des Landratsamtes. Allzu viel Hoffnung auf eine entsprechende Lösung hat sie aber nicht.

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