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Er geht im Fliegerhorst auf die Jagd

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Von: Max-Joseph Kronenbitter

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Der Ansitzjagd zieht Rufin Mellentin eigentlich die Pirschjagd vor.
Der Ansitzjagd zieht Rufin Mellentin eigentlich die Pirschjagd vor. © mjk

Es ist wohl das ungewöhnlichste Jagdrevier im ganzen Landkreis: der ehemalige Fliegerhorst Bruck. Wer jedoch meint, dass das innerhalb des Kasernenzauns eingesperrte Wild leichter zu erlegen ist, irrt. Zwei Jäger und der Revierleiter des zuständigen Forstreviers Deuringen kümmern sich dort um den Wildbestand.

Fürstenfeldbruck – War das ein Rehkitz dort im dichten Unterholz oder nur ein mit allerlei Grünzeug getarnter Lehrgangsteilnehmer beim Ausbildungsabschnitt „Tarnen und Täuschen im Gelände“? Schwer zu sagen, zumal die Soldaten ja nicht immer nur von 9 bis 17 Uhr unterwegs sind, sondern gern auch mal eine nächtliche Alarmübung veranstalten.

Dass nur dann geschossen wird, wenn das Ziel zweifelsfrei „angesprochen“ werden kann, wie der Fachmann sagt, gehört zum Ehrenkodex der Jäger. Um auf Nummer sicher zu gehen, jagt Rufin Mellentin am liebsten am Wochenende, wenn der Dienstbetrieb im Fliegerhorst auf ein Minimum zurückgefahren ist. „Sicherheit ist oberstes Gebot – bei der Bundeswehr und beim Jagen sowieso“, sagt der Oberstleutnant, der hauptberuflich Fachdozent, unter anderem für politische Bildung an der Offizierschule der Luftwaffe, ist.

Vor über 35 Jahren, zu Beginn seiner Bundeswehrzeit bei der Fernspähschule Weingarten, „die Elite des deutschen Heeres“ (Mellentin), war er dienstgradmäßig Jäger, heute ist er waidmännischer Jäger und Jagdbeauftragter des Standortältesten. „Als uniformierter Jäger mit Expertise bei der Bundeswehr und im Jagdwesen sehe ich mich als Vermittler zwischen den beiden Welten“, so Rufin Mellentin, der bei seinen Lehrgangsteilnehmern wegen seiner legendären didaktischen Methoden geschätzt ist.

Der der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) unterstehende Bundesforst kümmert sich um die Fursty-Flächen. Zuständiger Revierförster ist Martin Dawid, der dort auch das Jagdrecht hat. Weil sich sein Revier von Erding bis nach Neu-Ulm erstreckt, hat Dawid dem Jäger Franz Müller einen sogenannten Begehungsschein ausgestellt, der ihn und mit ihm auch Mellentin zur Jagd berechtigt. „Wir bejagen den Fliegerhorst eher zurückhaltend“, berichtet Müller, einst selbst Zeitsoldat und langjähriger Betriebsstoffmeister im Tanklager.

Nach dem Ende des militärischen Flugbetriebs vor 18 Jahren und des zivilen Flugbetriebs vor sechs Jahren entfiel auch die Notwendigkeit, durch einen geringen Wildbestand Flugunfälle zu vermeiden. Durch den hermetisch dichten Zaun um das Fliegerhorst-Gelände gebe es keine Durchmischung der Population und – so Müller – trotzdem kein Problem mit der Inzucht.

Schätzungen zum Wildbestand im Fliegerhorst wollen alle drei Jäger keine abgeben, regelmäßige Kasernen-Nutzer berichten von einem subjektiv stark zurückgegangenen Rehwild-Bestand in den vergangenen Jahren. Schwarzwild, also Wildschweine oder Dachs und Waschbär, wurden noch nicht gesichtet, dafür aber Hasen, Kaninchen, Fasane, Rebhühner oder anderes Niederwild, das zahlreich vorhandene Füchse dezimieren.

Für den Revierförster Dawid gilt im Fliegerhorst dasselbe wie außerhalb: Der Abschuss muss sich am Vegetationszustand orientieren. Deswegen gibt es auch im Fliegerhorst ein Vegetationsgutachten, das den Wildverbiss an jungen Bäumen erfasst. „Ohne Wuchshüllen als Verbissschutz kommt die Neupflanzung derzeit nicht in die Höhe“, sagt Dawid. Bei Mellentin muss das Wild aber trotz der notwendigen Jagd noch „eine Chance kriegen“. Das Jagen mit Nachtsichtgeräten lehnt er ab, und zu seiner Jagdethik gehört, dass das, was er geschossen hat, auch gegessen wird.

Dass die Jagd im Fliegerhorst nicht einfach ist, bestätigen alle drei Jäger. Zu der hohen Störung des Wildes –im östlichen, heimeligen Bereich um die Offizierschule herum mehr als im eher natürlichen Westen – kommt die regelmäßige Bestreifung des Geländes durch die Wache, die mit neun Diensthunden im Gelände unterwegs ist. Auf die trifft der jagende Oberstleutnant auch gelegentlich, denn die aktive Pirschjagd bevorzugt er vor der abwartenden Ansitzjagd von den acht neuen Jägerständen, die der zuständige BImA-Bundesforstbetrieb Hohenfels vor einiger Zeit aufgestellt hat.

Nicht immer kommt das Wild durch die Kugel des Jägers um. „Immer wieder gibt es auch im Fliegerhorst Wildunfälle, zu denen wir dann gerufen werden, um dem Tier den Gnadenschuss zu geben“, berichtet Rufin Mellentin. Die Wache hat deswegen die Telefonnummern von Müller und Mellentin immer zur Hand. Auch für Jäger nicht unbedingt eine angenehme Aufgabe.

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