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„Ich habe mich daran gewöhnt“, sagt Karl Schmidt. Seine Haustür befindet sich direkt neben dem Ausgang des Freibads.

Letzte Folge der Serie: Die beste Straße der Welt 

Er lebt Tür an Tür mit dem Freibad

Direkt neben seiner Haustür beginnt das Freibad. Nachbarn hat er fast keine: Karl Schmidt (82) ist einer der wenigen Bewohner der Klosterstraße. Im Herzen der Stadt wohnt er zwischen AmperOase, Eisstadion, Pavillon und SCF-Gelände.

Fürstenfeldbruck – Für Karl Schmidt ist sein Haus an der Klosterstraße 4 eine „Wohlfühl-Oase“. Direkt am Freibad gelegen, hat er das Wasser vor der Nase, wie er sagt, ist in wenigen Minuten in der Natur, wo er früher als Sportler gerne einen Waldlauf einlegte und ist zudem aber auch in fußläufiger Entfernung zur Innenstadt. Neben Schmidt, der mit Frau Ute und Sohn Michael wohnt, gibt es in der Klosterstraße nur noch ein einziges anderes bewohntes Gebäude, schräg gegenüber. Der Mangel an Nachbarn hat Karl Schmidt nie gestört: „Freunde und Bekannte kann ich doch einladen, die kommen her.“ Er ist sich sicher: „Ich könnte nie in einem Wohnblock leben.“

Die Klosterstraße hieß früher Badstraße

Dass Karl Schmidt in der Klosterstraße wohnt, ist kein reiner Zufall, sondern hat einiges mit der Historie dieser Straße zu tun, welche früher noch die Badstraße war. So hieß sie vor dem Bau des Sportzentrums mit Hallenbad und SCF-Gelände erzählt Schmidt. Damals floß ein Bacherl von der Schöngeisinger Straße in Richtung jetziger AmperOase, über drei Stege kam man in das Amper-Flußbad, welches nun schon längst Geschichte ist. Ein wunderschönes Fleckcken Natur, doch leider wurde dies alles Anfang der 70er im Zuge der Bauarbeiten zubetoniert, bedauert Schmidt.

Er selbst war ein paar Jahre früher Angestellter bei der Stadt geworden, zuerst noch als Hilf-Schwimmmeister im Amperbad, damals ein gesellschaftlicher Dreh- und Angelpunkt, bei dem die Leute am Sonntagfrüh Schlange standen. „Das Amperbad war eines der beliebtesten Flußbäder in Bayern. Wenn Sie jemanden treffen wollten – Amperbad“, erinnert sich Schmidt.

Nach stetigen Fortbildungen wuchs Schmidt mehr und mehr in die Rolle hinein, die er schließlich von 1973 bis 1980 ausübte: Betriebsleiter des gesamten Sportzentrums, bestehend aus Hallenbad (damals noch ohne Freibad), Eisstadion und SCF-Gelände. 1972 bezog er auch sein heutiges Domizil, das früher die Dienstwohnung für den Bademeister des Amperbades war. Der Chef des Sportzentrums war damit direkt vor Ort, der Arbeitsplatz vor der Haustür.

Eine bewusste Entscheidung, die er mit Hinblick auf den Arbeitsweg traf, sagt Schmidt. Zuvor arbeitete er beispielsweise für Dornier, und fuhr mit dem Fahrrad nach Oberpfaffenhofen. „Lieber weniger verdienen und ich spare mir das Fahren“, war sein damaliger Gedankengang.

Als die Stadt das andere Gebäude in der Klosterstraße baute, hätte er sich dort eine Wohnung aussuchen können. Doch er wollte lieber in dem Haus aus den 50ern bleiben, das er mit viel Eigenarbeit renovierte. Für seine Kinder natürlich ein großer Spaß, konnten sie doch alle möglichen Sportarten direkt vor der Haustür betreiben: Fußball, Tennis, Schlittschuhlaufen oder Schwimmen.

Dabei hatte der Wohnort in der Klosterstraße aber auch seine Nachteile. Weil er als Betriebsleiter eben vor Ort war, stand auch am Wochenende das Telefon nicht still. Als er schließlich innerhalb der Stadtverwaltung in das Kulturreferat wechselte, waren seine Söhne erstaunt, dass beim Sonntagsfrühstück nicht mehr das Telefon klingelte, erzählt Schmidt schmunzelnd.

Nun sitzt Schmidt an einem schönen Augustnachmittag in seinem Garten und das Freibad zum Beispiel ist immer noch präsent. Direkt neben seiner Haustür ist der Ausgang mit Drehtür, auf den Treppenstufen zu seinem Hauseingang sieht man direkt auf das Becken.

Ist der ständige Betrieb nicht ein wenig lästig? „Ich habe mich daran gewöhnt, mich stört es nicht“, sagt Schmidt. Und wenn man in seinem Garten sitzt, dann hört man zwar immer noch Fetzen des Freibad-Lärms, doch wirklich laut wird es nie.

Von Fabian Dilger

Ende der Serie: Die beste Straße der Welt

Damit endet unsere Serie „Die beste Straße der Welt“. Hier finden Sie alle Teile:

Kapuzinerstraße, Abt-Anselm-Straße, Münchner Straße, Schöngeisinger Straße, Pucher Straße, Westendstraße.

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