Sebastian Best füttert seine Lämmchen.
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Mit 17 Jahren bekam Sebastian Best sein erstes Schaf geschenkt. Mittlerweile umfasst seine Herde 36 Mutterschafe, 24 Lämmer und einen Bock.

Er liebt besonders die schwarzen Schafe

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Sie sind flauschig, haben weiches Fell und gehören zum Osterfest wie der Osterhase. Doch Sebastian Best begleiten die Schafe das ganze Jahr über. Besonders zu seinen Lämmern, die er teils mit der Flasche aufzieht, hat er eine enge Beziehung. Ein Besuch beim Züchter und seinen schwarzen Juraschafen.

Fürstenfeldbruck – Fredi ist ein Flaschenkind. Und fast ein Christkind. Zwei Tage vor Weihnachten auf die Welt gekommen, verbrachte das kleine Lamm seine ersten Lebenstage unter dem Weihnachtsbaum seines Besitzers Sebastian Best und ließ sich alle paar Stunden von Hand mit Milch füttern. Jetzt, an Ostern, ist aus Fredi längst ein munteres Mitglied der Schafherde geworden, die der Brucker Züchter in einem Stall bei Biburg hält.

„Wir lieben Tiere“, sagen Sebastian Best (28) und seine Lebensgefährtin Teresa Heid (24). Als sie feststellten, dass Fredis Mutter keine Milch geben konnte, war es für die beiden keine Frage, das Lämmchen mit nach Hause zu nehmen und ihm alle paar Stunden die Flasche zu geben – auch nachts. Fredi dankt es den beiden mit besonderer Zutraulichkeit. Nicht mal, wenn man ihn aus dem Pferch herausnimmt und auf die Wiese stellt, läuft er davon.

Pepe wird ein richtiger Hütehund

Dagegen würde vermutlich auch Pepe einschreiten – noch so ein Jungspund. Der vier Monate alte Welpe der Rasse Harzer Fuchs wird Sebastian Best später helfen, die Schafe von einer Weide auf die nächste zu treiben. Als Spross einer altdeutschen Hütehunderasse hat er den Instinkt, die Herde zusammenzuhalten. Vorläufig aber sind es vor allem seine beiden Menschen, die Pepe nicht aus den Augen lässt und die mit aufgeregtem Winseln zurückgerufen werden, wenn sie sich zu weit entfernen.

Hütehund in spe: Welpe Pepe wird von Theresa Heid umsorgt, genauso wie Lämmchen Fredi.

Mit Schafen kam Landwirtschaftsmeister Sebastian Best schon auf seinem Ausbildungsbetrieb in Eichenau in Berührung. „Mit 17 hat mir mein Ausbilder damals mein erstes Schaf geschenkt“, erinnert sich der Brucker. Über die Jahre kaufte er weitere Tiere dazu. Inzwischen besitzt er 36 Mutterschafe mit aktuell 24 Lämmern. Auch ein Bock gehört zur Herde. Weil das so ist, kommt das ganze Jahr über Nachwuchs zur Welt, meistens in Form von Zwillingen.

Die Wolle wird am Bauernmarkt verkauft

Weil Best am liebsten schwarze Schafe mag, hat er sich auf eine dunkle Rasse spezialisiert – das Juraschaf, ein schwarz- bis rötlich-braunes Bergschaft aus der Schweiz mit besonders guter, feiner Wolle. Die Herde des 28-Jährigen ist für dieses Jahr bereits geschoren. Die Wolle wird er bald neben Obst, Saft und Schnäpsen auf dem Brucker Bauernmarkt anbieten.

Der Marktstand ist eines der Standbeine des Landwirtschaftsmeisters, der sich vor kurzem selbstständig gemacht hat. Außerdem baut er gemeinsam mit Kollegen Gemüse für die Direktvermarktung an und arbeitet einmal die Woche im Brucker Schlachthof. Hier endet auch das Leben der meisten seiner Schafe.

Das Schlachten gehört dazu, auch wenn Best jedem Tier einen Namen gibt und zu jedem eine Beziehung hat. „Schön ist das nicht“, räumt der 28-Jährige ein. „Aber wenn man Fleisch essen will, muss man damit klarkommen.“ Damit sich die Schafzucht auch nur ansatzweise lohnt, müssen die Tiere komplett verwertet werden, nicht nur die Wolle. Außerdem legt Best Wert auf die regionale Herkunft von Lebensmitteln – ob als Erzeuger oder als Verbraucher. Dass er jedes Lamm buchstäblich bis zur Schlachtbank begleitet, ist für ihn selbstverständlich. „Die Tiere vertrauen mir. Das bin ich ihnen schuldig.“

Schafe als Rasenmäher

Bald darf die Herde aus dem Stall zwischen Biburg und Wagelsried hinaus ins Freie. „Das ist die artgerechteste Haltung“, erklärt Sebastian Best. Während der warmen Jahreszeit werden seine Schafe auf verschiedenen Wiesen in der Umgebung das Gras kurz halten – besonders auf solchen, die zu klein oder zu verwinkelt für Mähfahrzeuge sind.

Die Juraschafherde steht in einem Stall zwischen Biburg und Wagelsried. Bald darf sie raus auf die Wiese.

Auch Fredi wird dabeisein. Es kann sein, dass ihm die Schlachtbank erspart bleibt. Best denkt bereits darüber nach, ihn zu kastrieren und bei der Herde zu belassen – ebenso wie Felix, ein weiteres ehemaliges Flaschenkind. Zu ihnen hat der Züchter halt doch eine ganz besondere Beziehung.

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