Messerstecher von Grafing: Das Urteil ist gefallen

Messerstecher von Grafing: Das Urteil ist gefallen
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Der Ring-Laser ist so groß wie ein dreistöckiges Haus. Er hilf bei der Erdbeben-Früherkennung.

Für eine präzisere Vorhersage von Ausbrüchen

Wissenschaftliche Sensation aus Bruck: Ring-Laser Romy hört Vulkane auf der ganzen Welt ab

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Die Wissenschaftswelt schaut auf Fürstenfeldbruck. Hier wurde ein Ringlaser eingeweiht, der den Erdbebenforschern am Brucker Observatorium neue Erkenntnisse über die Bewegung unseres Planeten bringen soll.

Ein Riesenkrater: Die Baustelle für den Ring-Laser zwischen Fürstenfeldbruck und Alling.

Fürstenfeldbruck – Auf dem Areal des Observatoriums an der B 2 lassen nur die Einstiegsluken einiger Schächte erahnen, welch riesiges und hochkomplexes Präzisionsgerät sich darunter erstreckt. Fast 15 Meter tief ragt dort ein sogenannter Ringlaser in den Boden. „Romy“ heißt das Gerät, was für „Rational Motions in Seismology“ steht. Dort wird mithilfe eines komplexen Verfahrens und komplizierter Berechnungen jede noch so kleine Bewegung der Erde aufgezeichnet.

Unter anderem erhofft sich der wissenschaftliche Leiter Heiner Igel neue Erkenntnisse bei der Aufzeichnung von Erbeben oder beim Bau erdbebensicherer Gebäude. Auch die Zustände im Inneren eines Vulkans können laut dem Professor der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) besser beschrieben werden, wodurch die Vorhersage von Ausbrüchen präziser werden soll.

Fürstenfeldbrucker Ring-Laser ein „bahnbrechendes Instrument“

Lauschen den Vorträgen: Brucks OB Erich Raff (vorne r.) und Erdbebenforscher Joachim Wassermann (hinten M.).

Landrat Thomas Karmasin wünschte sich bei der Einweihung des 2,5 Millionen Euro teuren Geräts im kleinen Saal des Veranstaltungsforums einen ähnlichen Apparat für seine Arbeit: „Es wäre schön, wenn man auch politische Beben oder Drehbewegungen vorhersagen könnte.“ Der Ringlaser sei ein bahnbrechendes Instrument. „In Fürstenfeldbruck wird wissenschaftliche Geschichte geschrieben“, ist sich Karmasin sicher. Auch Brucks OB Erich Raff freute sich, dass die Stadt mit Romy nun in der gesamten Welt der Wissenschaft bekannt wird.

Erste Versuche mit dem Ringlaser wurden bereits erfolgreich absolviert. „Die Erde dreht sich, das wissen wir jetzt“, sagte Igel zu den Gästen der Einweihungsfeier. Diese Erkenntnis war freilich eher humoristischer Natur. Der Ringlaser wird den Forschern nämlich noch ganz andere Einsichten bringen, die nicht schon Nikolaus Kopernikus und Galileo Galilei vor einigen hundert Jahren postuliert haben.

Ring-Laser Romy nimmt sogar Erddrehungen präzise wahr

Während herkömmliche Seismographen nur horizontale und vertikale Bewegungen aufzeichnen können, ist Romy imstande, auch die Drehungen der Erde in sich wahrzunehmen. Möglich wird dies, wie Igel und sein Kollege Ulrich Schreiber von der Technischen Universität erläuterten, durch ein Prinzip, das der Physiker Georges Sagnac bereits 1913 entdeckt hatte. Das besagt, dass ein Lichtstrahl, der mit der Drehbewegung um einen rotierenden Körper geschickt wird, einen längeren Weg zurücklegen muss, als einer, der entgegen der Rotationsbewegung losgeschickt wird.

Das wirkt sich auf die Wellenlänge des Lichts aus, die wiederum dessen Farbe beeinflusst. Vereinfacht ausgedrückt: „Wir beobachten die Farbänderungen des Lichts“, so Schreiber. Das macht Romy in einer bislang nicht gekannten, beinahe unglaublich erscheinenden Präzision. Die unterschiedlichen Weglängen können laut Schreiber bis auf einen Pikometer genau gemessen werden. Das ist der millionste Teil eines Millionstel-Meters. Daraus wiederum können die Physiker dann genaue Berechnungen über die Stärke der Erdbewegungen anstellen.

Präzisionsgerät Romy ist so groß wie ein dreistöckiges Haus

Die Ausmaße des Ringlasers sind gewaltig: So groß wie ein dreistöckiges Haus ist die Konstruktion, mit deren Bau vor mehr als einem Jahr begonnen wurde. „Romy“ ist ein riesiger Tetraeder, der mit der Spitze nach unten in den Boden eingelassen wurde. In langen Metallröhren wird hier das Licht auf die Reise geschickt. Die enormen Kosten von 2,5 Millionen Euro werden durch internationale Fördergelder und durch die Unterstützung der LMU aufgebracht.

Übrigens: Wer bei Romy an Sissi-Darstellerin Romy Schneider denkt, der liegt gar nicht so falsch. Wie Moderator Joachim Wassermann vom Brucker Observatorium verriet, geht die Namenswahl tatsächlich darauf zurück, dass Igel ein Fan der 1982 gestorbenen Schauspielerin ist.

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