Die Menschen haben das bis heute nicht vergessen

Erinnerungen an Pfingsten 1965

Um Pfingsten beobachten Menschen, die an Flüssen oder in Gebieten mit hohem Grundwasser wohnen, die Hochwasserpegel besonders genau. Denn Anfang Juni gibt es oft Überflutungen. Am schlimmsten traf es den Kreis Bruck vor 52 Jahren. Das Tagblatt bringt alte Bilder, Zeitzeugenberichte – und erklärt, warum Pfingsten so hochwassergefährdet ist.

Landkreis – Damals, 1965, hat Franz Bals erst einmal eines gemacht: sich ein paar Tage freigenommen. „In der Brucker Innenstadt war vieles überflutet – der Leonhardsplatz, die Münchner, die Bullach- und die Emmeringer Straße“, sagt der heute 77-Jährige. „Ich musste den Leuten einfach helfen.“

Franz Bals war damals Mitte 20 und lebte im Brucker Westen – also weit weg vom über die Ufer getretenen Fluss. Es hatte wochenlang geregnet. „Der Amper wird das Bett zu eng“, schrieb das Fürstenfeldbrucker Tagblatt am 2. Juni 1965. Mit 80 Kubikmeter Wasser pro Sekunde floss dort mehr als das Doppelte der normalen Wassermenge. Die Maisach führte so viel Wasser wie in den 30 Jahren zuvor nicht. Die Feuerwehr war am Pfingstsonntag im Dauereinsatz.

Historisches Hoch

Hochwasser über Pfingsten sind keine Seltenheit. Gerade Gewässer, die wie die Ammer im Alpenraum entspringen, treten Ende Mai oder Anfang Juni öfter über die Ufer. Über den Ammersee fließt das Wasser dann weiter in die Amper. Laut Marion Duschl vom Wasserwirtschaftsamt hat das unterschiedliche Gründe. In den Bergen schmelzen Schnee und Eis. Wenn es dazu warm regnet, rauscht noch mehr Wasser hinab. „Und gerade im Juni und Juli fallen aufs Jahr gesehen die meisten Niederschläge“, berichtet die Expertin.

Am 12. Juni 1965 erreichte der Ammerseepegel in Stegen ein historisches Hoch: Das Wasser stand mehr als drei Meter hoch – und damit mehr als einen Meter über der ersten Meldestufe. In den Ampertal-Gemeinden sowie in Maisach, Gernlinden, Überacker, Alling und Gröbenzell wurde der öffentliche Notstand ausgerufen. Es herrschte Katastrophenalarm.

Wenige Tage später berichtet das Brucker Tagblatt über mancherorts verseuchtes Trinkwasser. Das Volksfest in Olching wurde wegen des überfluteten Platzes abgesagt. Das Ampermoos stand völlig unter Wasser. Der Ammersee reichte also bis an die Stufen der Grafrather Wallfahrtskirche heran.

Provisorische Stege

„Das war schlimm damals“, sagt Franz Bals. Gemeinsam mit anderen hat er geholfen, in Bruck Holzstege zu bauen, Keller leer zu pumpen und umgestürzte Bäume aus dem Weg zu räumen. Rund eine Woche lang waren die Helfer ständig im Einsatz. Hausdächer mussten ebenfalls repariert werden. Wie der gelernte Dachdecker berichtet, hat sein Chef kostenlos Dachlatten zur Verfügung gestellt, um betroffenen Bürgern unter die Arme zu greifen.

Auch der Allinger Bernhard Engelschall erinnert sich gut an die Flut. Die Straße, die am Starzelbach entlang führt, war total überflutet. „Bei uns zuhause war es zum Glück trocken, aber im Nachbarhaus stand das Wasser etwa 30 Zentimeter hoch“, sagt er. Damals, mit 14 Jahren, lief er draußen nur mit Gummistiefeln herum. „Wir Kinder fanden das teilweise lustig“, sagt der heute 66-Jährige. Für die Landwirte jedoch war die Flut eine Katastrophe. Die Saat wurde aus den Ackerböden gespült, Tiere mussten in Sicherheit gebracht werden.

Traktor zur Hochzeit

Ganz spezielle Probleme brachte das Hochwasser mit sich, weil der Frühsommer nicht nur Hochsaison für überschwemmungen ist, sondern auch für Hochzeiten. Eine Maisacherin erzählt vom Hochzeitstag ihrer verstorbenen Schwester am 5. Juni 1965. „Zu Fuß gehen konnte man nicht, also sind wir alles mit dem Bulldog gefahren.“ Die Hochzeitsgesellschaft wurde auf dem Anhänger transportiert. „Um nicht nass zu werden, haben wir uns mit einem großen Sonnenschirm geschützt“, berichtet die Seniorin und schmunzelt.

Aufatmen und mit dem großen Aufräumen beginnen konnten die Betroffenen erst Ende Juni. Dann endlich sanken die Pegelstände der Flüsse ernsthaft. Nun wurden die Schäden sichtbar. Die waren enorm. 195 Anwesen im Landkreis waren von der Flut schwer beschädigt worden. 1030 Hektar Kulturland überflutet, die Ernte teilweise völlig zerstört.

Am Tag der schlimmsten Flut, dem 12. Juni 1965, zeigte der Amper-Pegel in Fürstenfeldbruck 2,53 Meter. Diese Marke wurde nur noch einmal eingestellt beziehungsweise um einen Zentimeter übertroffen: am 24. Mai 1999. Beim letzten kleinen Hochwasser am 5. Juni 2013 stand das Wasser bei 1,77 Meter. Pfingsten 2017 meldete das Wasserwirtschaftsamt beruhigende 77 Zentimeter. Und trotz der Regenfälle der vergangenen Tage besteht wohl keine Gefahr. Das Wetter soll ja wieder besser werden. (rm)

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