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Der Brucker Bahnhof

Pläne vorstellt

Ertüchtigung von Gleis 1 in Fürstenfeldbruck: Barrierefrei nur bis zur Bahnsteigkante

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Das ungenutzte Gleis 1 am Brucker Bahnhof soll reaktiviert werden. So könnten hier in ein paar Jahren wieder Regionalzüge, aber auch S-Bahnen halten. Das geht nur auf Kosten der Barrierefreiheit. 

Fürstenfeldbruck – Ingo Laberer hatte keinen leichten Stand, als er am Mittwochabend im Sitzungssaal des Brucker Rathauses zu Gast war. Der Projektleiter für den dreigleisigen Ausbau der S 4 West sollte vor den Mitgliedern des Planungs- und Bauausschusses sowie des Ausschusses für Umwelt, Verkehr und Tiefbau den aktuellen Planungsstand für die Reaktivierung des Bahnsteiges 1 am Fürstenfeldbrucker S-Bahnhof vorstellen. Was der Bahn-Mann anzubieten hatte, wollte jedoch niemandem so recht gefallen. Und Versprechungen konnte er schon gar nicht machen. Denn die Bahn ist in diesem Fall nur das ausführende Unternehmen für den Freistaat.

Mittellösung für zwei Zugarten

 Die Bahn soll im Auftrag der Bayerischen Eisenbahngesellschaft am ungenutzten Gleis 1 einen neuen Bahnsteig bauen. Dann könnten dort in Zukunft zusätzliche S-Bahnen und vor allem auch wieder Regionalzüge halten, die ja dereinst gestrichen wurden. Der Freistaat plant, Fürstenfeldbruck mit einem Stundentakt an den Regionalverkehr der Bahn anzubinden. Damit man ohne Höhenunterschied in die Regionalzüge einsteigen kann, müsste die Kante des neuen Bahnsteigs 56 Zentimeter hoch sein. Für S-Bahnen, die bei Störungen oder nach einer zukünftigen Taktverdichtung ebenfalls an dem Gleis halten sollen, wäre dafür eine Bahnsteighöhe von 96 Zentimetern nötig. Um das Halten beider Zugtypen zu ermöglichen, plant man nun mit einem 76 Zentimeter hohen Bahnsteig. Somit müssten alle Fahrgäste beim Ein- und Aussteigen immer 20 Zentimeter Höhenunterschied überwinden. „Ist das überhaupt rechtens?“, fragte Alexa Zierl (Fraktion Partei und Frei). „Immerhin hat sich der Freistaat verpflichtet, den öffentlichen Nahverkehr bis 2023 barrierefrei zu machen. Mit einer Stufe von 20 Zentimetern ist der Zugang zu den Zügen nicht barrierefrei.“

Stadtrat spricht von einem „Schildbürgerstreich“

 Dass ein S-Bahn-Zugführer bei der geplanten Taktung Zeit hätte, eine Rampe auszuklappen, bezweifelte Jan Halbauer (Grüne). Karl Danke (BBV) sagte, der dreigleisige Ausbau sei doch bereits beschlossen. Da müsse es doch feststellbar sein, wie viele Regionalzüge und wie viele S-Bahnen in Bruck halten sollen. Dann müsse man sich für eine Bahnsteighöhe entscheiden. Die jetzt geplante Mittellösung sei ein Schildbürgerstreich. Christian Götz (BBV) äußerte Zweifel, ob das geplante Konzept aufgehen kann. Nicht nur Züge in Richtung Lindau, auch die Regionalzüge, die in Richtung München fahren, sollen am neuen Bahnsteig halten. Dafür müssen sie über Weichen von Gleis 3 auf Gleis 1 wechseln. „Ich kann mir nicht vorstellen, wie das bei der Taktdichte, die es in Zukunft geben soll, gehen kann“, sagte Götz, der zudem kritisierte, dass der neue Bahnsteig nur ein kleines Wartehaus, aber kein Dach bekommen soll. „Ein Dach ist nicht unser Auftrag. Aber es ist optional möglich, es in einem verbreiterten Teilbereich des Bahnsteigs vor dem Bahnhofsgebäude nachträglich zu installieren“, sagte Laberer. 

Die Nachfrage des Brucker Bauamtsleiters Martin Kornacher, ob man denn auch gleich die dafür nötigen Fundamente mit baue, um den Bahnsteig dann nicht teuer wieder aufreißen zu müssen, ließ Laberer unbeantwortet. Auch eine Instandsetzung des vorhandenen Daches über dem Mittelbahnsteig wollte Laberer nicht zusagen. Das Dach ist in einem schlechten Zustand. Es regnet durch, an kalten Tagen bilden sich darunter Eiszapfen, wofür aber DB Service und Station zuständig sei.

Varianten für den Zugang

Laberer war auch gekommen, um im Brucker Stadtrat die Meinung zu verschiedenen Planungsvarianten für einen barrierefreien Zugang zum neuen Bahnsteig abzufragen. Zur Debatte stand zum einen eine Lösung mit einer langen Rampe, die mit sechs Grad Neigung vom Bahnsteig auf das Niveau des Platzes vor dem Bahnhofsgebäude führt. Vorgelegt wurde außerdem eine Variante mit einem Aufzug, der im Bereich der vorhandenen Treppe vom Fußgängertunnel auf den Bahnsteig führt. Den Niveauunterschied vom oberen Aufzug-Ausstieg zum Vorplatz soll ein kürzere, etwas steilere Rampe ausgleichen. In der Sitzung allgemein favorisiert wurde die Aufzuglösung. Allerdings sah man Nachbesserungsbedarf mit zusätzlichen Rampen, um Wege zu verkürzen. 

Bahn-Vertreter Laberer sagte, es sei grundsätzlich möglich, darüber zu reden. Es gebe auch Spielräume. Die Bahn habe jedoch vom Freistaat den Auftrag, nur das technisch Notwendige zu planen. Wenn man mehr wolle, müsse die Stadt die Bereitschaft zeigen, sich finanziell zu beteiligen. Die Ausschüsse sprachen sich einstimmig für die Aufzug-Variante aus. Die Bahn solle aber die diskutierten Änderungswünsche bedenken. Viel Zeit zur Diskussion besteht nicht. Im kommenden Jahr soll eine Vorplanung eingereicht und 2022 mit dem Bau begonnen werde

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