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Der neue Kreistag

Kommunalwahl

„Es ist unglaublich, es ist großartig“: Der Kreistag formiert sich neu

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Erstmals werden die Grünen hinter der CSU die zweitstärkste Kraft im Kreistag sein. Und erstmals werden Vertreter der Linken und der AfD dem Kreisgremium angehören – erste Reaktionen nach der Auszählung der Kommunalwahl-Stimmen.

Fürstenfeldbruck – „Es ist unglaublich, es ist großartig“, jubelte Jan Halbauer (Grüne) am Dienstag. Die Grünen gewinnen sieben Sitze hinzu und sind damit zweitstärkste Fraktion hinter den Christsozialen. Insgesamt bekamen die Grünen 680 000 Stimmen mehr als vor sechs Jahren (jeder Wähler hat 70 Stimmen). „Das ist ein starkes Ergebnis“, so Halbauer. Erstes Ziel der Grünen sei natürlich mehr Klimaschutz. Als ersten Antrag will Halbauer ins Gremium die Idee einbringen, die kreiseigenen Gebäude, die jetzt noch keine Photovoltaik-Anlage haben, damit auszustatten. Innerhalb der Grünen vorgehäufelt wurden beispielsweise Hans Märkl und Agnes Dürr. Der Biobauer-Bonus zieht also auch im Kreis. Am besten schnitt bei den Grünen nicht überraschend Martin Runge ab. Er holte bei der Wahl zum Kreistag sogar 4000 Stimmen mehr als Landratskandidat Jan Halbauer.

Schnelle Handlungsfähigkeit

Fünf Sitze weniger als zuletzt dagegen holte die CSU. Die politische Meinungslage habe sich zu Ungunsten ihrer Partei entwickelt, sagt die Kreisvorsitzende Katrin Staffler. Vor dem Hintergrund einiger Befürchtungen deswegen im Vorfeld der Wahl sei die Freude über das Ergebnis relativ groß gewesen. „Wir können zufrieden sein.“ Jetzt gehe es darum, als Gremium schnellstmöglich handlungsfähig zu werden. Eine Zusammenarbeit mit Linken und AfD werde es nicht geben – sprich auf deren Stimmen werde sich die CSU nicht verlassen. Große Freude habe der Sieg von Landrat Thomas Karmasin ausgelöst. Die Corona-Krise macht sich übrigens auch bei der neuen CSU-Kreistagsfraktion bemerkbar: Die erste Zusammenkunft der neuen Gruppe wird nur via Telefonkonferenz stattfinden. Besonders starke Ergebnisse bei der CSU erzielten Staffler selbst und Benjamin Miskowitsch – als Bundes- beziehungsweise Landtagsabgeordnete sind beide mehr als andere überregional bekannt.

Erstmal eine Frau in der Fraktion der Freien Wähler

Die Freien Wähler indes bleiben stabil, und damit sei man sehr zufrieden, sagt Fraktionschef Gottfried Obermair. „Andere haben verloren, wir haben uns gehalten.“ Erstmal gehört mit Sandra Meissner eine Frau der FW-Fraktion an. „Das ist eine Bereicherung, darüber freue ich mich.“ Besonders gut abgeschnitten bei den FW hat Josef (intern „Sepp“ genannt) Heckl, der als Mammendorfs Bürgermeister ja auch der gleichnamigen Verwaltungsgemeinschaft vorsitzt. Das gute Abschneiden könnte also eine Art VG-Bonus sein. Bemerkenswert auch bei den FW: Sebastian Leonbacher, der Sohn des verstorbenen früheren Fraktionschefs Michael Leonbacher, wurde von Platz 35 auf 9 vorgehäufelt und ist nun erster Nachrücker. Mit Georg Huber zieht übrigens der Vorsitzende des Kreis-Bauernverbands für die FW in den Kreistag ein.

Und die AfD?

Die AfD hat drei Sitze geholt und verfällt darüber nicht gerade in Euphorie, wie Sprecher Peter Banholzer sagte. Mit mehr Kandidaten auf der Liste wäre das Ergebnis wohl etwas besser ausgefallen. Die drei Sitze seien aber ein Anfang. Nun gehe es darum, die AfD zu entdämonisieren. Im Kreistag wolle man sich kooperativ verhalten und vernünftigen Dingen zustimmen. Banholzer selbst gehört dem Gremium nicht an – er wurde von Rolf Ertel überholt. „Das ist in Ordnung, das muss man sportlich sehen, so ist das mit dem Häufeln“, sagte Banholzer.

SPD will arbeiten

Die SPD unterdessen hat sechs Sitze verloren – ein Ergebnis, das natürlich keine Zufriedenheit auslöse, sagte Landratskandidat Christoph Maier. „In schweren Zeiten haben wir zumindest sieben Plätze geholt.“ Nun wolle man themenbezogen mit den anderen Fraktionen „etwas hinkriegen“ – namentlich beim sozialen Wohnbau. In allem negativen liege auch etwas positives, sagte Maier: Die Mehrheitsverhältnisse im Kreistag seien offener geworden. Maier: „Jetzt wollen wir arbeiten.“

Das Auszählproblem

Insgesamt war es beim Auszählen zu einigen Problemen gekommen. Das lang auch an der zu geringen Server-Kapazität des neuen bayernweiten Online-Systems, das zeitweise ausfiel. Probleme bereiteten teils aber auch die Auszählstifte. Von ihnen gibt es mehrere Generationen. Sie mussten auf unterschiedliche Art kurz vor der Wahl neu konfiguriert werden. Das klappte nicht überall. Die erste Sitzung des neuen Kreistags ist für Anfang Mai geplant.

Die Zusammensetzung des neuen Kreistags

CSU: Katrin Staffler, Benjamin Miskowitsch, Hans Seidl, Andreas Haas, Martina Drechsler, Emanuel Staffler, Gabriele Off-Nesselhauf, Joseph Schäffler, Hubert Ficker, Manuela Kreuzmair, Johann Wörle, Erich Raff, Josef Wörle, Erwin Fraunhofer, Engelbert Jais, Maximilian Gigl, Andreas Lohde, Franz Höfelsauer, Thi Thu Thuy Tran, Stefan Floerecke, Pius Keller, Bettina Betz, Wolfgang Josef Vogt, Frederik Röder, Sonja Thiele, Roland Müller. 

Grüne: Martin Runge, Jan Halbauer, Ingrid Jaschke, Barbara Helmers, Gina Merkl, Johann Märkl, Christian Huber, Agnes Dürr, Angelika Simon-Kraus, Christian Stangl, Sophie Schuhmacher, Andreas Birzele, Johanna Mellentin, Christine Wunderl, Christina Claus, Hans-Heinrich Sautmann, Daniel Holmer 

Freie Wähler: Sandra Meissner, Josef Heckl, Michael Schanderl, Rudi Keckeis, Gottfried Obermair, Hans Friedl, Johann Thurner, Georg Huber AfD: Christian Müller, Rolf Ertel, Florian Jäger

SPD: Kathrin Sonnenholzner, Michael Schrodi, Andreas Magg, Christoph Maier, Norbert Seidl, Waldtraut Wellenstein, Petra Weber

FDP: Klaus Wollenberg, Ulrich Bode

UBV: Martin Schäfer, Christian Götz, Jakob Drexler 

ÖDP/Parteifrei: Max Keil, Carmen Greiff, Christian Holdt 

Die Linke: Jörn Weichold

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