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Sparkasse

Externes Gutachten soll Fusionspläne prüfen

Ein unabhängiges Gutachten soll die angedachte Fusion der Sparkassen Bruck, Dachau und Landsberg/Dießen genau unter die Lupe nehmen. Gleichzeitig werfen die Grünen verschiedene weitere Fragen auf.

Fürstenfeldbruck – „Wir haben ein externes Gutachten in Auftrag gegeben. Es soll die Frage nach dem Mehrwert einer Fusion beantworten“, erklärte Sparkassen-Chef Klaus Knörr am frühen Mittwochnachmittag auf entsprechende Tagblatt-Nachfrage. Zunächst war geplant gewesen, den Prüfungs-Prozess aus eigenen Ressourcen zu schultern.

Anfang oder Mitte Oktober sollen Ergebnisse vorliegen, die dann in den Gremien der Sparkassen-Träger, also in Stadt und Landkreis Fürstenfeldbruck, erläutert werden sollen. Klar sei: Ohne Mehrwert werde es keine Fusion geben, sagte Knörr, der in der kommenden Woche auch im Stadtrat, im Verwaltungsrat und Kreistag Auskunft zum Stand der Dinge geben will.

Zuvor hatte Martin Runge (Grüne) in einem Pressegespräch zusammen mit der Brucker BBV unter anderem das Fehlen eines externen Gutachtens bemängelt. Die Grünen hatten daher ihrerseits einen emeritierten Professor für Betriebswirtschaft um eine Untersuchung gebeten.

Aus dieser geht unter anderem hervor, dass die Brucker Sparkasse in den vergangenen Jahren Beträge in Millionenhöhe an ihre beiden Träger hätte ausschütten können. Ein Beispiel: Im Jahr 2015 hätten Stadt und Landkreis jeweils 2,3 Millionen von der Sparkasse bekommen können.

In Schieflage wäre die Bank dadurch nicht annähernd gekommen, sagt vereinfacht ausgedrückt das Grünen-Gutachten. Sparkassen-Chef Klaus Knörr betonte gegenüber dem Tagblatt, dass das Geld nach entsprechenden Beschlüssen des mit gewählten Mitgliedern besetzten und dafür zuständigen Verwaltungsrats zur Stärkung der Sparkasse, also vereinfacht gesagt zur Reservenbildung, verwendet worden sei.

Hintergrund sei die historisch bedingte, eher niedrige Höhe des Brucker Eigenkapitals. Dieses sollte und soll peu a peu so gesteigert werden, dass es den bayernweiten Durchschnitt erreicht. Runge betonte dabei auch, dass die Grünen ja gar nicht auf Ausschüttungen in größtmöglicher Höhe bestehen. „Wir wollen aber eine Diskussion darüber.“

Wie Runge in diesem Zusammenhang außerdem sagte, stehe Bruck bei nahezu allen Kennzahlen schlechter da als die beiden potenziellen Fusionspartner aus Landsberg respektive Dießen und Dachau. Runge bemängelte dabei, dass die Gründe hierfür nicht ausreichend erklärt worden seien. Er stellte die Frage nach den Auswirkungen dieses Umstands auf die mögliche Fusion.

Knörr bestätigte auf Nachfrage die Richtigkeit der Erkenntnis („Von der Ertragskraft her ja“). Der Sparkassenchef unterstreicht aber die Notwendigkeit einer differenzierten und vor allem längerfristigen Betrachtung statt nur die Konzentration auf den aktuellen Stand. Dachau etwa weise eine ganz andere Vermögensstruktur als Bruck auf (vereinfacht gesagt: Die haben Grundstücke, Bruck eher nicht), was sich in der Bewertung aktuell besonders deutlich auswirkt. Vor einer Fusion müsse man auch längerfristige Perspektiven bedenken. Knörr betonte mehrfach und nachdrücklich: „Wir gehen auf Augenhöhe in die Gespräche.“ Jedes Haus habe Stärken und Schwächen.

Insgesamt warf Runge den Verantwortlichen eine Wagenburgmentalität vor. Er bemängelt auch, dass es zu einer gewaltigen Vernebelung gegenüber dem Verwaltungsrat komme und fragt: „Sind die überhaupt fit in regulatorischen Fragen?“ Knörr hierzu: Auch dank ständiger Fortbildungen seien die Verwaltungsräte sehr wohl informiert.

Den Vorwurf der Geheimniskrämerei bezeichnet Knörr als absurd. Gewisse Zahlen aber unterlägen nun mal der Geheimhaltungspflicht. Ein fremder Analytiker verfüge dank der veröffentlichten Zahlen über diverse Informationen, könne aber unmöglich alles wissen.

Die Grünen kündigten an, das Thema weiter aktiv begleiten zu wollen. Kreis- und Stadtrat Jan Halbauer betonte, dass „wir noch keine abschließende Meinung“ haben. Es sollten aber möglichst viele Dinge ausgelotet werden. „Wir wollen nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden.“ (st)

Debatten zum Thema

gibt es mehrere. Die Grünen (mit UBV und BBV) stellen ihr Gutachten am 27. Juli um 20 Uhr in Fürstenfeld vor. Klaus Knörr berichtet in den öffentlichen Sitzungen des Brucker Stadtrats (Dienstag, 25. Juli, ab 18 Uhr) und im Kreistag am 27. Juli, ab 15 Uhr.

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