Aus dem Gerichtssaal

Falsche OP: Klinikum stimmt Vergleich zu

Es begann damit, dass Lydia K.s (31, Name geändert) linker Zeigefinger stark anschwoll und schmerzte. Es handelte sich um eine Beugesehnenscheidenentzündung, die im Brucker Kreisklinikum behandelt werden sollte. 

Fürstenfeldbruck – Doch dort lief im August 2012 einiges schief, wie sich nun herausstellte. Das Ergebnis: Nach einer Operation hat sich der Zeigefinger der Sachbearbeiterin, die damals in Bruck wohnte, versteift und kann nicht mehr abgewinkelt werden. Deshalb zog die 31-Jährige vor das Landgericht München II und forderte Schadensersatz. Mit Erfolg.

Bei der Frage nach einem Behandlungsfehler ging es gleich um drei Punkte. Zu diesen hatte der Sachverständige Professor Max Haerle aus Markgröningen ein Gutachten angefertigt. Am Dienstag wurde er dazu vor dem Landgericht befragt. Zuerst ging es um die Frage, ob man es nicht zuerst mit einer Kortison-Injektion in den Finger hätte versuchen müssen.

Die Klägerin jedenfalls hatte sich für diese Behandlung interessiert. Wenn man ihr diesen Wunsch trotz der bestehenden Möglichkeit abgeschlagen habe, so handle es sich um einen „erheblichen Behandlungsfehler“, sagte Haerle. Wenn sogar – wie es einmal in den Akten auftaucht – behauptet wurde, dass es sich um eine Infektion handle und Kortison „kontra-indiziert“ sei, so sei das „grob falsch“.

Auch bezüglich der Operation an sich kam das Klinikum nicht besser weg. Angekündigt war eine Mini-OP in der untersten Beugefalte des Zeigefingers, eine sogenannte Ringbandspaltung mit Synovektomie (Abtragung der erkrankten Gelenkinnenhaut). Darüber wurde die Patientin auch aufgeklärt – und sie willigte ein. Dabei hätte es sich um einen Schnitt von etwa 1,5 Zentimetern gehandelt.

Tatsächlich jedoch wurde eine ganz andere Operation vorgenommen – mit einem viel längeren Schnitt über fast den ganzen Finger. Nach Durchsicht der Unterlagen aus dem Klinikum sagte der Sachverständige: „Da steht nichts von: ,Wir machen den ganzen Finger auf.’“

Beginn und Verlauf der Operation entspreche nicht der einer Ringbandspaltung wie besprochen, sondern einer „langstreckigen Eröffnung der gesamten Beugescheide“. „Mir ist nicht klar, warum so aufgeschnitten wurde, wie es gemacht wurde.“ Statt der zehn Minuten für die Ringsbandspaltung habe die OP 76 Minuten gedauert. Für eine solche OP habe die Patientin nie ihre Einwilligung erteilt.

Punkt drei war die Nachbehandlung. „Das ist eine völlig andere OP, die auch eine andere Nachbehandlung erfordert“, sagte Professor Haerle. Wegen der langen Wunde wäre es zwingend erforderlich gewesen, engmaschige postoperative Kontrollen und eventuell auch Nachbehandlungen sicherzustellen. „Das ist hier nicht geschehen. Das ist grob fehlerhaft.“ Nun ist der Finger steif.

Der Vorsitzende Richter Thomas Stelzner sagte klipp und klar: „Die Aussichten für das Klinikum sind nicht gut.“ Daraufhin war der Weg für einen Vergleich eröffnet. Der Richter schlug 15 000 Euro vor – denn die Sachbearbeiterin, die am Computer arbeitet, habe noch 50 bis 60 Jahre mit dem Finger vor sich. Sowohl der Anwalt der Patientin, Patrick Junge-Ilges, als auch die Anwältin des Klinikums, Ursula Groß, willigten ein und schlossen den Vergleich ab. Wenn er nicht binnen drei Wochen widerrufen wird, so gilt er. (gut)

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