Kette der helfenden Hände

Familie leidet bis heute unter OEZ-Amoklauf

Der Amoklauf am Olympia-Einkaufszentrum hat München im Juli 2016 in den Ausnahmezustand versetzt. Klaus und Martina Huber* sowie ihre Tochter verfehlten damals die Kugeln des Attentäters nur knapp. Bis heute leiden sie an den traumatischen Erlebnissen – ihre wirtschaftliche Existenz ist in Gefahr.

Landkreis – Der Horror beginnt beim Schuhe-Anprobieren. Im Gang vor dem Geschäft kommt plötzlich Unruhe auf. Wo die Kunden gerade noch dahinschlenderten, rennen jetzt Menschen um ihr Leben. Dann ist der Gang leer. Stille legt sich über die Szenerie. Als Klaus Huber seinen Kopf aus dem Laden streckt, zerfetzen drei Schüsse die Luft. Sofort hat die Familie die Bilder aus Paris vor Augen, wo Terroristen acht Monate zuvor 130 Menschen ermordeten. „Jetzt sind sie hier“, schießt es Martina Huber durch den Kopf. Die Familie flüchtet sich zu den Angestellten des Schuhladens hinter die Theke und dann durch einen Notausgang ins Treppenhaus. Zusammen mit rund 15 anderen harren die drei vor einer Feuerschutz-Türe aus. Manche schreien, andere schluchzen, einige sitzen apathisch da. „Scheiße, jetzt sterben wir“, denkt sich Martina Huber.

Der 22. Juli 2016, ein Freitag, versprach ein schöner Tag für die Hubers zu werden. Der Urlaub in Frankreich war gebucht, im OEZ will die Familie die letzten Einkäufe erledigen. Dieser Tag im Juli ist aber auch ein Tag voller Zufälle für die Familie – ein Schicksalstag. Denn eigentlich zieht es die Hubers nicht in Einkaufszentren. Weil aber Sohn Maximilian sein Sporttraining an diesem Tag im Münchner Norden, ganz in der Nähe des OEZ hat, nutzen Mutter, Vater und Tochter die Zeit zum Shoppen.

20 Minuten sitzen Martina, Klaus und Tochter Anja mittlerweile im Treppenhaus fest. Dann halten sie es nicht mehr aus. Langsam öffnen sie die Tür. Draußen ist alles ruhig. Gespenstisch ruhig. In geduckter Haltung rennt das Trio in ein Parkhaus, als weitere Schüsse fallen. Wieder suchen sie Deckung, wieder warten sie ab.

Dann aber hält es Mutter Martina nicht mehr aus. Sie kann nur noch an ihren Sohn denken, will nur noch zu ihm. Wieder flüchten die drei. Auf ihrem Weg kommen ihnen martialisch ausgestattete Spezialeinheiten der Polizei entgegen. „Laufen Sie weiter“, zischen sie der Familie entgegen. Unter ständigem Sirenengeheul hetzen Mutter, Vater und Tochter durch die Straßen von Moosach, bis sie endlich am Trainingszentrum des Sohnes ankommen und Maximilian in die Arme schließen können. Die Familie ist wieder vereint.

Doch zu Ende ist der Schrecken da noch lange nicht. Bis heute leidet die Familie an den Erlebnissen im OEZ, ist in traumatherapeutischer Behandlung. Vater Klaus versuchte, sich von dem Erlebten durch seine Arbeit und exzessiven Sport abzulenken. „Ich habe mehr gemacht, als ich konnte“, sagt Klaus Huber.

Die Folge: Im Dezember 2017 erleidet der selbstständige Restaurator eine Hirnblutung. Krankenhaus, Künstliches Koma, Reha – der 48-Jährige erholt sich nur langsam. Mittlerweile arbeitet er wieder. Doch das Pensum von früher kann er nicht mehr leisten. Deshalb kämpft die Familie jetzt um ihre wirtschaftliche Existenz, die sie sich mühevoll aufgebaut hat.

Trotz all den Ängsten vor der Zukunft, den Auseinandersetzungen mit Ämtern und natürlich der Verarbeitung des schrecklichen Amoklaufs blickt die Familie jetzt positiv in die Zukunft. Weihnachten steht vor der Tür. Und heuer können sie auch wieder gemeinsam feiern. 

 *Namen geändert.

 (Tobias Gehre)

So funktioniert die Kette der helfenden Hände:

Die Tagblatt-Aktion „Kette der helfenden Hände“ sammelt in Zusammenarbeit mit sozialen Organisationen Geld für Bedürftige im Landkreis. Jeder gespendete Euro bleibt im Landkreis. Die Konten sind unter dem Stichwort „Kette der helfenden Hände“ ab sofort geöffnet. 

Sparkasse Fürstenfeldbruck IBAN: DE23700530700008128126 BIC: BYLADEM1FFB 

VR-Bank Fürstenfeldbruck IBAN: DE93701633700000037788 Spenden sind abzugsfähig. 

Ab einem Betrag von 200 Euro kann eine Spendenquittung ausgestellt werden. Bitte geben Sie an, wenn dies erforderlich ist (mit lesbarer Adresse auf dem Überweisungsträger). 

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