Mit Herz und Seele geht Marina Bauknecht ihrem Beruf als Dorfhelferin nach. Mit dabei bei den Einsätzen ist auch manchmal ihr Golden-Retriever-Welpe Maja.
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Mit Herz und Seele geht Marina Bauknecht ihrem Beruf als Dorfhelferin nach. Mit dabei bei den Einsätzen ist auch manchmal ihr Golden-Retriever-Welpe Maja.

Landkreis Fürstenfeldbruck

Dorfhelferinnen: Familien in Not helfen ist ihr Beruf

  • Ulrike Osman
    vonUlrike Osman
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Kinder betreuen, Kühe melken, den Haushalt schmeißen – Dorfhelferinnen springen immer dann ein, wenn in einer Familie oder einem landwirtschaftlichen Betrieb Not am Mann ist. Die Nachfrage ist groß, doch die umfassend ausgebildeten Familienmanagerinnen sind dünn gesät. Immerhin: Die wenigen, die sich für den Beruf entscheiden, lieben ihn.

Landkreis – Eine von ihnen ist Marina Bauknecht, 21 Jahre jung und seit August als freiberufliche Dorfhelferin in der Region tätig. Für sie ist die Arbeit eine Berufung, der sie „mit Herz und Seele“ nachgeht. „Es ist total meins. Egal, ob Haushalt oder Landwirtschaft – es vereint alles, was ich gern mache.“ In den wenigen Monaten seit dem Ende ihrer Ausbildung hat die aus Baden-Württemberg stammende junge Frau schon rund 15 verschiedene Einsatzstellen gehabt. Manchmal fährt sie zu drei Familien am Tag.

Auch Kollegin Carolin Einmüller, ebenfalls 21 Jahre alt, ist in dem guten Jahr, das sie den Beruf jetzt ausübt, schon viel herumgekommen. Sie hat Kälber gefüttert, Pferde versorgt und Kartoffeln geklaubt. Die anfängliche Nervosität, wenn sie einen Einsatz antrat, ist verflogen. „Mit der Zeit gewöhnt man sich daran, in neue Familien zu gehen.“

Carolin Einmüller zu ihrer anfänglichen Nervosität bei neuen Einsätzen

Dorfhelferinnen müssen bei den Krankenkassen beantragt werden. Sie sind die Rettung, wenn in einem Betrieb der Bauer längerfristig krank wird. Oder wenn in einer Familie die Mutter ausfällt. Oder wenn Mehrlinge zur Welt kommen. Marina Bauknecht wird sich ab März um eine Familie kümmern, die Zwillinge erwartet.

Die Berufsbezeichnung ist allerdings ein Stück weit irreführend. Weder arbeiten Dorfhelferinnen nur im ländlichen Raum, noch sind sie simple Hilfskräfte. Die Tätigkeit erfordert eine fünfjährige Ausbildung. Grundlage dafür ist ein Abschluss in Hauswirtschaft, gefolgt von einer zweijährigen Weiterbildung. Darin geht es um komplexe Themen wie Familienpädagogik und Haushaltsmanagement, um Gartenarbeit und landwirtschaftliche Tätigkeiten, aber auch um den Umgang mit Trauma, Tod und Trauer.

Hans Pflügler, Geschäftsführer vom Maschinenring Fürstenfeldbruck.

Vermittelt werden Dorfhelferinnen in der Region unter anderem vom Maschinenring Fürstenfeldbruck. Dort ist die Nachfrage größer als das Angebot, wie Geschäftsführer Hans Pflügler berichtet. „Ein bis zwei Anfragen pro Wochen müssen wir ablehnen.“ Bauknecht und Einmüller sind die einzigen Dorfhelferinnen in seiner Kartei. Hinzu kommt noch eine Rentnerin, die gelegentlich Einsätze übernimmt. Daneben gibt es außerdem rund 25 männliche Betriebshelfer – dies allerdings sind Landwirte mit eigenem Hof, die nur sehr sporadisch woanders einspringen.

Warum ist der Nachwuchs so spärlich? Pflügler sieht als einen Grund die lange Dauer der Ausbildung. Außerdem sei das Interesse an der Fortbildung gering, weil Hauswirtschaftsabsolventinnen meist in den eigenen Betrieb gehen.

Bauknecht und Einmüller aber sind froh, dass sie diesen und keinen anderen Beruf gewählt haben. Sie schätzen die Vielfalt der Aufgaben und das Gefühl, anderen in einer schwierigen Situation zu helfen. „Was von den Familien zurückkommt, ist so viel wert“, erzählt Marina Bauknecht. Die Momente, wenn Kinder ihr freudestrahlend entgegen laufen oder einem wortkargen Bauern ein Danke über die Lippen kommt, geben ihr Kraft für die anstrengende Tätigkeit.

Sie hat zu ihren Familien schnell einen Draht – und entsprechend schwer fällt es, sie am Ende eines Einsatzes wieder zu verlassen. „Ich bin ein emotionaler Mensch. Wenn ich geh’, dann wein’ ich meistens.“

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