Familientreffen auf der Stadtsaal-Bühne

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Die Winckhlers aus Bruck sind eine ungewöhnlich musikalische Familie. Mutter und Tochter singen im Philharmonischen Chor Fürstenfeld. Auch Sohn Matthias Winckhler steht mit auf der Bühne, wenn der Chor in der kommenden Woche im Stadtsaal auftritt – obwohl seine Gesangskarriere ihn längst in die Welt hinaus geführt hat.

Fürstenfeldbruck – Familientreffen auf der Bühne: Wenn am zweiten Feiertag im Stadtsaal Bachs Weihnachtsoratorium erklingt, stehen gleich drei Winckhlers auf der Bühne. Mutter Angela (60) und Tochter Jutta (30) singen im Philharmonischen Chor, Sohn Matthias (28) ist einer der vier Solisten. Dass die drei zusammen singen, ist mittlerweile selten. Matthias Winckhler ist kaum noch zu Hause. Er steht am Beginn einer internationalen Karriere.

„In dieser Saison war ich mehr im Ausland als in Deutschland“, erzählt der gefragte Bassbariton. In den letzten Monaten war er durchgehend auf Achse, tourte durch Frankreich und die Niederlande. Er gewann in den letzten Jahren diverse begehrte Preise, unter anderem beim Internationalen Mozartwettbewerb in Salzburg und beim Bach-Wettbewerb in Leipzig. Er arbeitet regelmäßig mit großen Dirigenten.

Trotzdem, oder gerade deshalb, ist ein Auftritt in seiner Heimatstadt etwas Besonderes für ihn. „Ein Konzert in Bruck – das ist für mich das Größte“, schwärmt der Sänger. Der vertraute Saal, bekannte Gesichter im Publikum, viele Freunde plus Mutter und Schwester im Chor machen den Auftritt zum besonderen Vergnügen. „Da empfinde ich nicht die normale Konzertspannung, sondern Freude pur.“

Neben Winckhler werden als Solisten Katja Stuber (Sopran), Theresa Holzhauser (Mezzosopran) und Eric Price (Tenor) auf der Bühne stehen. Für die Orchester-Begleitung sorgt das Seraphin-Ensemble aus München. Unter der Leitung von Andreas Obermayer bereitet sich der Philharmonische Chor seit Monaten auf den großen Abend vor.

Um alle Sänger optimal in Form zu bringen, hat der Dirigent so seine Tricks, wie Angela und Jutta Winckhler verraten. Manchmal lässt er Stücke im Dunklen üben, damit sich alle noch besser konzentrieren. Oder er stellt die unterschiedlichen Stimmlagen durcheinander auf, damit niemand untergeht – oder sich verstecken kann.

Dass der Chor davon profitiert, ist klar. „Wir haben so ein Glück mit unserem Dirigenten“, sagt Angela Winckhler. Für die 60-Jährige ist Bachs Weihnachtsoratorium „irgendwie mein Schicksalswerk“. Es war das erste Projekt, an dem sie beteiligt war, als sie mit 15 im damaligen evangelischen Jugendchor zu singen begann. Ehemann Reinhold ist ebenso musikalisch – er spielt Fagott im Akademischen Sinfonieorchester München. Ihre Liebe zur Musik haben die beiden an die nächste Generation weitergegeben.

Von den vier Kindern hat nur eines eine nicht-musikalische Laufbahn eingeschlagen. Ein Bruder von Matthias Winckhler studiert ebenfalls Gesang, Schwester Jutta arbeitet als selbstständige Musik- und Gesangslehrerin und leitet diverse Chöre in der Region. Eine Solo-Karriere als Sopranistin war zwar ursprünglich ihr Traum, „aber ich bin mit dem Druck nicht klargekommen – es war nicht mein Weg“.

Von den Schattenseiten des Sängerlebens kann Bruder Matthias ein Lied singen. „Man lernt zwar wahnsinnig viele Orte kennen, aber das Drumherum, das dauernde Aus-dem-Koffer-Leben, nie richtig zu Hause zu sein – das ist eher ein Nachteil. Auch wenn das Musizieren natürlich alles wiedergutmacht.“

Umso mehr freut er sich nun auf Weihnachten bei seiner Familie. Mag Bachs Weihnachtsoratorium zu den populärsten Werken dieser Jahreszeit gehören, langweilig wird es weder für das Publikum noch die Mitwirkenden. „Man kann so viele Dinge neu entdecken, und es gibt immer wieder Momente, die noch nie da waren“, schwärmt der 28-Jährige. „Das genieße ich sehr.“

Das Weihnachtsoratorium

mit dem Philharmonischen Chor Fürstenfeld und Bassbariton findet am Mittwoch, 26. Dezember, ab 17 Uhr im Stadtsaal statt. Zu hören sind die Kantaten 1 und 4 bis 6. Karten gibt es ab 26 Euro im Vorverkauf und ab 27 Euro an der Abendkasse.

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