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Am Mittwochabend trafen sich Unterstützer des Begehrens zu einer Feier in Gröbenzell.

Schnellmeldung des Landratsamts

Bienen-Begehren: Landkreis Fürstenfeldbruck hat drittbestes Ergebnis in Bayern

  • VonStefan Reich
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  • Thomas Steinhardt
    Thomas Steinhardt
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Die Ergebnisse des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ auf Landkreisebene liegen nun vor. Spitzenreiter ist die Gemeinde Schöngeising mit 35,29 Pozent, Schlusslicht die Gemeinde Moorenweis mit 17,64 Prozent.

Fürstenfeldbruck - Insgesamt gingen im Landkreis 25,74 Prozent der Stimmberechtigten zum Unterschreiben in ihre Rathäuser. Das waren 39 571 Bürger von insgesamt 153 728 Stimmberechtigten. Diese Zahlen gehen aus der Schnellmeldung des Landratsamts vom Donnerstagmorgen hervor. im bayernweiten Vergleich hat der Landkreis das drittbeste Ergebnis erzielt.

 Knapp hinter dem Spitzenreiter Schöngeising liegt Eichenau mit 35,01 Prozent. Im unteren Bereich liegt wie Moorenweis auch Mittelstetten. In keiner einzigen Gemeinden aber wurden die nötigen zehn Prozent unterschritten. Alle Ergebnisse auf einen Blick siehe die Tabelle unten.

Die Stimmung war bestens bei der Abschlussparty am Mittwochabend im Gröbenzeller Freizeitzentrum. Offiziell war das Ergebnis zwar noch nicht verkündet worden. Aufgrund der Zwischenstandsmeldungen aus den Rathäusern wusste man beim landkreisweiten Aktionsbündnis aber bereits: Das Volksbegehren „Rettet die Bienen!“ hat die Zehn-Prozent-Hürde genommen. 

An die Grenzen gegangen

Und auch wenn im Vorfeld immer wieder Plakate für das Volksbegehren abgerissen und geklaut worden waren – laut Initiatoren so viele wie nirgendwo sonst in Bayern –, war in kaum einem Landkreis der Zuspruch so groß wie in Fürstenfeldbruck. Am Donnerstag folgte dann das offizielle Ergebnis: Der Kreis Fürstenfeldbruck belegt bei der Beteiligung mit 25,7 Prozent der Wahlberechtigten bayernweit Rang drei.  Nur in den Kreisen München und Starnberg war die Beteiligung noch höher. „Wir sind an unsere Grenzen gegangen, jetzt müssen wir erst mal durchschnaufen“, sagt Uschi Anlauf, die Leiterin der Brucker Geschäftsstelle des Landesbundes für Vogelschutz, der neben ÖDP und Grünen zu den Initiatoren des Volksbegehrens gehört. 

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Pendeltransport für Altenheimbewohner

Wie viele aktive Unterstützer in den vergangenen Wochen im Landkreis getrommelt und so zum Erfolg beigetragen hätten, wissen man gar nicht so genau, sagt Anlauf. Das seien, ausgehend von den lokalen Koordinatoren, in einer Art Schneeball-System, ständig mehr geworden. So sei eine junge Frau einen ganzen Nachmittag lang mit dem Auto zwischen dem Altenheim ihrer Großmutter und der Eintragungsstelle hin und her gefahren, um den Senioren zu ermöglichen, ihre Unterschrift abzugeben. 

Auch sei der Widerstand gegen das Volksbegehren, dem unter anderem der Bayerische Bauernverband eine Stimme gegeben hatte, „anderswo deutlicher gewesen“, sagt Anlauf. Dass es vereinzelt auch vehemente Ablehnung gab, zeigt sich unter anderem an den entwendeten Plakaten. Allein in Mammendorf waren binnen zwei Tagen zwei Plakate, die für das Volksbegehren warben, vom Zaun des Pfarrhofs abgerissen und gestohlen worden. Man müsse nun betonen, dass für die Bauern Förderungen nicht wegfallen würden, sagt Anlauf. 

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Parallelen

Alexa Zierl, ehemalige Grüne und Stadträtin aus Fürstenfeldbruck, sieht Parallelen zum Kohleausstieg. Sie habe in vielen Gesprächen eine Verunsicherung wahrgenommen bei Menschen, die sich gefragt hätten, ob man den Bauern die Auflagen für die Flächenbewirtschaftung zumuten könne. Man müsse die Bauern auch finanziell entsprechend unterstützen, betont Zierl. Die Bienen seien jetzt gerettet, scherzte jemand auf der Party in Gröbenzell. Doch die Mitglieder des landkreisweiten Aktionsbündnisses für das Volksbegehren wissen auch, dass nur der erste Schritt gemacht ist auf dem Weg zu einer stärkeren gesetzlichen Verankerung des Artenschutzes. Bis zu einem Volksentscheid über den eigenen Gesetzentwurf und einen möglichen Gegenentwurf der Staatsregierung müsse man nun weiter arbeiten. „In zwei, drei Wochen müssen sich die Sprecher wieder zusammensetzen und an der Vernetzung arbeiten“, sagt Dieter Kreis, der Kreisvorsitzende der ÖDP. Er könne sich über die reine Werbung für den eigenen Gesetzentwurf hinaus auch runde Tische vor Ort vorstellen, die an lokalen Lösungen arbeiten. 

Akkordarbeit in den Rathäusern

Eines haben sie aber schon erreicht, da sind sich die Mitglieder des landkreisweiten Aktionsbündnisses zum Volksbegehren „Rettet die Bienen!“ sicher. Es seien Standards dafür gesetzt worden, wie Kommunen auch andere Volksbegehren in Zukunft organisatorisch zu begleiten hätten, auch wenn die Sympathie für die Inhalte vielleicht geringer sei. „Das war Akkordarbeit in den Rathäusern“, sagt Zierl. Für die Eintragung gab es abends verlängerte Öffnungszeiten, auch an Samstagen waren Verwaltungsmitarbeiter vor Ort. In Gröbenzell wurden drei Eintragungsorte eingerichtet, zwischenzeitlich wurde sogar das Einwohnermeldeamt geschlossen, um mit dem zusätzlichen Personal die Wartezeiten für die Eintragungswilligen kurz zu halten.

Die Ergebnisse aus den Gemeinden

GemeindeStimmberechtigteEinträge insgesamtin Prozent
Adelshofen1.31927320,70
Alling2.89766022,78
Althegnenberg1.52335223,11
Egenhofen2.57953620,78
Eichenau8.9683.14035,01
Emmering4.8491.23725,51
Fürstenfeldbruck24.7345.92523,95
Germering27.0315.96322,06
Grafrath2.85897534,11
Gröbenzell14.6454.70332,11
Hattenhofen1.15522319,31
Jesenwang1.16625121,53
Kottgeisering1.22939832,38
Landsberied1.22427322,30
Maisach10.3252.39523,20
Mammendorf3.60498427,30
Mittelstetten1.31923517,82
Moorenweis3.16955917,64
Oberschweinbach1.28432925,62
Olching19.4464.54623,38
Puchheim14.0884.20129,82
Schöngeising1.48552435,29
Türkenfeld2.83188931,40
Landkreis insgesamt153.72839.57125,74
Geltendorf (Kreis LL)4.2531.09425,72

Wie geht es nach dem Volksbegehren nun weiter? Mehr dazu finden Sie im Merkur-Bienen-Ticker.

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