Wohnatlas

Fast nirgends steigen die Immobilienpreise stärker als im Kreis Fürstenfeldbruck

  • Andreas Daschner
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Die Preise für gebrauchte Häuser und Wohnungen auch auf dem Land steigen – und das fast nirgendwo so stark wie im Landkreis Fürstenfeldbruck. Phantasiepreise können Verkäufer allerdings nicht durchsetzen – nicht mehr.

Fürstenfeldbruck –  Der durchschnittliche Quadratmeterpreis für Eigentumswohnungen und Häuser hat im Kreis Fürstenfeldbruck im vergangenen Jahr die 5000-Euro-Schallmauer durchbrochen. Eine Preisexplosion von satten 10,8 Prozent. Das geht aus dem Postbank Wohnatlas 2019 hervor.

Fürstenfeldbruck gehört bei dem Immo-Preisen zu den fünf teuersten Landkreisen in Deutschland

Fürstenfeldbruck zählt damit zu den fünf teuersten Landkreisen in Deutschland. Nur in den bayerischen Landkreisen Miesbach, Starnberg und München sowie in Nordfriesland in Schleswig-Holstein müssen die Häusle- und Wohnungskäufer mehr Geld berappen. Miesbach ist gleichzeitig mit 14,21 Prozent auch Spitzenreiter beim Preisanstieg. Dass Bruck gleich dahinter folgt, wundert Peter Harwalik, den Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse, aber nicht: „Wir haben hier im schönen Landkreis Fürstenfeldbruck das Beste aus zwei Welten.“

Zum einen locke die ausgezeichnete Infrastruktur und die Nähe zu München die Käufer an. Zum anderen herrsche hier trotzdem noch ländliche Idylle, Muße und Brauchtum, was für viele ein Kaufanreiz sei. Zudem habe Fürstenfeldbruck bei den Preisen im Vergleich zu den Landkreisen Dachau, Starnberg, Ebersberg und München Land noch einen Nachholbedarf. Die Immobilienabteilung der Sparkasse kann deshalb den Trend des Wohnatlas’ bestätigen: „Auch wir stellen eine Preissteigerung auf dem Gebrauchtwohnungsmarkt von rund fünf bis zehn Prozent im Jahr 2018 fest.“

Doppelhaus in Grafrath statt Wohnung in Fürstenfeldbruck

Gerade noch rechtzeitig dürfte damit Thomas Urban seine Doppelhaushälfte in Grafrath gekauft haben. Er hat im Herbst 2017 zugeschlagen, aber die auch vor 2018 schon verzeichneten Preissteigerungen am eigenen Leib verspürt – im Positiven wie im Negativen. Einerseits schlug natürlich auch bei ihm der teure Quadratmeterpreis zu Buche. „Dabei haben wir im Vergleich noch einen fairen Preis bekommen“, sagt er. Das war aber auch nur wegen der Nähe zur stark befahrenen B 471 möglich.

Auf der anderen Seite profitierte Urban beim Verkauf seiner Wohnung in Fürstenfeldbruck von der Entwicklung. Innerhalb von vier Jahren ist der Wert um satte 52 Prozent gestiegen. „Ohne das hätte ich mir die Doppelhaushälfte nicht leisten können“, sagt Urban.

Dabei sind im westlichen Landkreis die Preise generell noch niedriger, wie die Immobilienabteilung der Sparkasse feststellt. Grund dafür ist die ländliche Prägung und die Infrastruktur, die nicht die gleiche wie im stadtnahen östlichen Landkreis sei. Allerdings seien auch im ländlichen Umfeld Preissteigerungen zu beobachten. Generell gilt: Je weiter man in den Westen kommt, desto günstiger werden die Quadratmeterpreise.

Nachfrage ist höher als das Angebot

Die Entwicklung bleibt natürlich nicht ohne Folgen. Zwar heißt es im Wohnatlas, dass die Nachfrage nach Wohneigentum in Deutschland ungebrochen ist. Das gilt aber nicht unbedingt für den Landkreis Fürstenfeldbruck. Laut den Maklern der Sparkasse ist der Immobilienmarkt seit zehn Jahren ein Verkäufermarkt – das heißt: die Nachfrage ist höher als das Angebot.

Doch sei auch zu beobachten, dass einige Angebote „bei zu hohen Preisen wie Sauerbier angeboten werden“. Auch Preisanpassungen seien dann immer häufiger das Ergebnis. „Generell ist festzustellen, dass bei zu hohen Preisen nicht mehr alles gekauft wird und die Nachfrage dadurch nachlässt“, so die Sparkasse. Selbst zu bauen ist auch nicht immer eine Alternative. Denn die Grundstückspreise steigen ebenfalls. Das hat auch Urban festgestellt.

Der Biburger wollte ursprünglich zurück in seinen Heimatort, ehe er sein Haus in Grafrath gekauft hat. Daher hat er die Preislage in Biburg beobachtet. In einem Neubaugebiet würden dort Grundstückspreise jenseits der 700-Euro-Grenze aufgerufen. Eine Entwicklung die Urban für bedenklich hält: „Junge Einheimische, die hier bleiben wollen, haben bald keine Chance mehr.“

Die Entwicklungen im Einzelnen

Folgende Preisspannen haben die Makler der Sparkasse für Immobilien mit Baujahren von 1996 bis 2018 ermittelt: In Fürstenfeldbruck: Ein- und Zweifamilienhäuser für 900 000 bis 1,3 Millionen Euro, Eigentumswohnungen für 5000 bis 6300 Euro pro Quadratmeter. In Germering und Gröbenzell: Ein- und Zweifamilienhäuser für 950 000 bis 1,5 Millionen Euro, Eigentumswohnungen für 5300 bis 6500 Euro pro Quadratmeter. In Maisach: Ein- und Zweifamilienhäuser für 600 000 bis 880 000 Euro, Eigentumswohnungen für 4200 bis 5400 Euro pro Quadratmeter.

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