Eindruck von einem früheren Adventsmarkt in Fürstenfeld.
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Eindruck von einem früheren Adventsmarkt in Fürstenfeld.

Corona in Bruck

Festhalten am Adventsmarkt in Fürstenfeld war vergeblich

  • Thomas Benedikt
    VonThomas Benedikt
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Reihum wurden in den vergangenen Tagen die Weihnachtsmärkte abgesagt. Am Adventsmarkt in Fürstenfeld wollten die Veranstalter dennoch bis zuletzt festhalten – mit breiter Rückendeckung aus dem Stadtrat.

Fürstenfeldbruck – Noch am Freitagvormittag hängten sie auf dem Klosterareal Lampen auf. Bis zuletzt wollten sie beim Veranstaltungsforum Fürstenfeld alles dafür tun, den Adventsmarkt am Kloster in der kommenden Woche eröffnen zu können. Schließlich hatte noch am Donnerstagabend der Kultur- und Werkausschuss des Stadtrates dem stadteigenen Veranstaltungsbetrieb darin bestärkt. Mit deutlicher Mehrheit hatte sich das Gremium für eine Durchführung des „Advent in Fürstenfeld“ ausgesprochen. Doch als am Freitagmittag Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vor die Kameras trat und neue Corona-Regeln ankündigte, war klar: Die Lampen können wieder eingepackt werden.

Adventsmarkt Fürstenfeld: „Wir sind geschockt“

Norbert Leinweber, Leiter des Veranstaltungsforums, sagte wenige Minuten nach der Absage aller Weihnachtsmärkte in Bayern: „Wir sind geschockt.“ Er gehe davon aus, dass der „Advent in Fürstenfeld“ unter die neu angekündigten Restriktionen fallen werde, auch wenn es sich nicht um einen klassischen Weihnachtsmarkt handle. Weiter wollte er sich zunächst nicht äußern.

Am Abend zuvor hatte Leinweber im Kultur- und Werkausschuss deutlich gemacht, dass er den „Advent in Fürstenfeld“ unbedingt durchführen wolle. An den Eingängen sollte die 2G-Regel strikt kontrolliert werden, auf dem weiträumigen Klosterareal sollten sich die maximal 1000 Besucher gut verteilen und für den Bereich in der Tenne war eine FFP2-Maskenpflicht vorgesehen.

Adventsmarkt Fürstenfeld: Freiwillige Absage hätte wirtschaftliche Folgen gehabt

Das lange Festhalten an der Veranstaltung hatte einerseits wirtschaftliche Gründe. Eine freiwillige, nicht durch Regierungsvorgaben erzwungene Absage hätte wohl gravierende finanzielle Auswirkungen gehabt. Für den Verlust, den Leinweber im fünfstelligen Bereich verortete, hätte das Veranstaltungsforum dann keinen Ausgleichsanspruch gehabt. Zudem würden Regressforderungen der Aussteller drohen, mit denen bereits Verträge geschlossen worden seien, so Leinweber.

Adventsmarkt Fürstenfeld: Die Signalwirkung

Ein weiteres Argument, das auch zahlreiche Ausschuss-Mitglieder vortrugen, war die Signalwirkung nach außen, vor allem an die Geimpften. „Die 2G-Leute, die bisher alles mitgemacht haben, haben ein Stück Normalität verdient“, sagte Leinweber. Wie auch Markus Droth (Freie Wähler), Florian Weber (Die Partei) und Alexa Zierl (ÖDP) warnte er vor den Auswirkungen, die eine Absage auch auf die Impfbereitschaft haben könne. „Es ist auch an Zeichen an die Menschen. Es ist noch etwas möglich, wenn man geimpft ist“, sagte Christian Stangl (Grüne).

Auch Georg Jakobs (CSU). sprach von einem Signal nach außen – allerdings von einem falschen. Während die Krankenhäuser am Limit seien und dort Menschen ums Überleben kämpften, würde andernorts gefeiert, so Jakobs. Es gehe „um ein emotionales Zeichen“. Dennoch stimmte auch er – wie elf weitere Ausschuss-Mitglieder – für die Durchführung.

Adventsmarkt Fürstenfeld: 2G-Plus

Jakobs brachte aber die Option 2G-Plus ins Spiel. Es hätten dann nur Geimpfte und Genesene auf das Gelände gedurft, die zusätzlich einen Schnelltest absolviert haben. Leinweber entgegnete, es sei fraglich, wie viele noch kommen würden, wenn zusätzlich ein Test nötig sei. Zwar sickerte noch während der Diskussion durch, dass die Bundesregierung wohl ohnehin 2G-Plus beschließen würde. Von sich aus, in einer Art vorauseilendem Gehorsam, wollte der Leiter des Veranstaltungsforums die Regel aber nicht implementieren. „Wir machen das, was die Regierung vorgibt“, sagte er.

Einzig die gerade für die Grünen in den Stadtrat nachgerückte Theresa Hannig plädierte für eine Absage. Immer wieder sei zu hören, man müsse lernen, mit Covid zu leben. Die bisher über 90 000 Corona-Toten in Deutschland „können das nicht mehr behaupten“, sagte Hannig. Tausende würden bei der aktuellen Pandemie-Entwicklung noch hinzukommen. „Das in Kauf zu nehmen, damit man ein schönes Weihnachtsgefühl hat, finde ich zynisch.“ Doch neben ihr stimmte nur ihre Fraktionskollegin Gina Merkl für die Absage.

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