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Festival Vokalsinn: Chormusik mit Überraschungsmoment

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Von: Ulrike Osman

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Der Junge Kammerchor „Lucente“ studierte ein Wandelkonzert ein, bei dem sich die Sänger immer wieder neu formierten – auch liegend hinter einer Milchglas-Front.
Der Junge Kammerchor „Lucente“ studierte ein Wandelkonzert ein, bei dem sich die Sänger immer wieder neu formierten – auch liegend hinter einer Milchglas-Front. © Ulrike Osman

Weg vom klassischen Konzert. Beim großen Festival Vokalsinn, das im Veranstaltungsforum seine Premiere feierte, wurde Chormusik anders gedacht.

Fürstenfeldbruck – Ein Chor, der nicht statisch auf der Bühne steht, sondern sich nach jedem Stück in Bewegung setzt. Ein Chor, der sich im Saal anders verteilt, aus dem Raum und sogar aus dem Gebäude hinausgeht, um sich in immer neuen Positionen und Formationen wieder zusammenzufinden – ein solches Wandelkonzert war Teil des Chorfestivals Vokalsinn am Wochenende im Veranstaltungsforum. Im Rahmen von Workshops wurden dort innovative Chor- und Konzertformate erprobt.

Chormusik anders denken – das will der von Inga Brüseke 2019 gegründete Verein Vokalkonzepte Bayern, der als Veranstalter des Chorfestivals auftrat. „Mir geht es darum zu zeigen, dass Chormusik großes Potenzial als Kunstform hat“, erklärt die 41-jährige Kirchenmusikerin und Chorleiterin. Chorgesang in seiner traditionellen Form habe seinen verdienten Platz, aber er werfe keine Fragen auf, überschreite keine Grenzen und irritiere nicht. Genau das sei aber die Aufgabe von Kunst, so Brüseke. „Und das kann die Chormusik auch.“

Konzert zieht durchs ganze Veranstaltungsforum

Um Missverständnissen vorzubeugen – wenn von Grenzüberschreitung und Irritation die Rede ist, ist damit keinesfalls die Qualität des Gesangs gemeint. Was etwa der Junge Kammerchor Lucente in seinem Wandelkonzert „Lichtgestalten“ präsentierte, war an musikalischer Perfektion kaum zu überbieten und wurde durch die innovative Umsetzung zum intensiven Musikerlebnis.

Die Sängerinnen und Sänger verteilten sich zunächst im Zuschauerraum des Stadtsaals, zogen weiter auf die Empore und von dort ins Foyer, wo sie sich an der Garderobe aufbauten und einige Mitwirkende sich hinter die Milchglas-Front des Tresens legten. Dort verharrten sie bewegungslos in unbequemen Verrenkungen – ein bizarres, eindrückliches Bild.

Das Projekt der Formation Choreos befasste sich mit Chormusik und Digitalisierung. Die Zuschauer konnten während des Konzerts mithilfe einer App den echten Raum digital erweitern und Inhalte betrachten, die im Dialog zum Geschehen auf der Bühne standen. Kompositionen ausschließlich von Frauen trug das sechsköpfige Ensemble Singer Pur vor, um der immer noch herrschenden männlichen Dominanz in Konzertprogrammen etwas entgegenzusetzen.

Nur wenige Teilnehmer bei den Workshops

An der Gesangstechnik wurde in diversen Workshops gearbeitet. Bei Stimmcoach Wolfgang Saus ging es beispielsweise um Oberton-Gesang, der im ersten Moment klingt wie das Wehklagen eines Kleinkinds – tatsächlich nutzt diese Altersgruppe die Obertöne instinktiv, um sich mehr Gehör zu verschaffen. Wer die Technik beherrscht, kann damit den Eindruck einer Mehrstimmigkeit erzeugen. Ein kleiner Kreis von sechs Leuten übte enthusiastisch.

Die geringe Teilnehmerzahl zog sich durch alle Workshops, was Inga Brüseke bedauerte. „Andererseits konnten die wenigen Teilnehmer intensiv arbeiten und haben eine Luxusbetreuung genossen.“ Die Organisatorin vermutet den Grund für die schwache Auslastung darin, dass das Festival zum ersten Mal stattfand und erst noch bekannter werden muss. Beim nächsten Mal hofft sie, auch Chöre aus der Region dabeizuhaben. Dieses Mal kamen drei Formationen aus München und drei aus dem weiteren Bundesgebiet.

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