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Die Testhallen auf Fursty sehen von vorne aus wie normale Hangars. Hinten waren längliche Röhren mit Betonschächten angebaut.

Fliegerhorst Fürstenfeldbruck

Hallen gegen den Höllenlärm auf Fursty

Flugzeuge sind sowieso schon laut. Während des Kalten Krieges liefen die Triebwerke auf dem Fliegerhorst auch am Boden fast rund um die Uhr. Gerade für die Maisacher war das unangenehm. Linderung sollten die seltsam anmutenden Triebwerks- testhallen bringen: Zwei Hangars aus den 1980er-Jahren mit „Auspuff“.

Fürstenfeldbruck – Spätestens mit der Einführung des neuen Flugzeugsmusters Alpha Jet im Jahr 1980 begannen die Verantwortlichen des Jagdbombergeschwaders (JaboG) 49 darüber nachzudenken, wie man Lärm besser vermeiden kann. Zu Spitzenzeiten waren auf dem Fliegerhorst (neben einigen Piaggio 149 D-Propellerflugzeugen) rund 50 Alpha Jets stationiert. Oberstleutnant a.D. Harald Meyer erinnert sich noch gut: „70 Prozent der Jets mussten täglich flugklar gemeldet werden.“ Er selbst war in dieser Zeit zuerst Fluglehrer in der ersten Staffel und später Staffelchef der zweiten Jagdbomberstaffel.

Ausbildung für Kampfflieger

Das bedeutete allerdings nicht, dass die Maschinen auch einsatzklar – also voll mit Waffen aufgerüstet – sein mussten. Das JaboG 49 hatte nämlich vorrangig die Aufgabe, die Besatzung von Kampfflugzeugen auszubilden. Als Einsatzverband zur Bekämpfung von Bodenzielen mit dem Waffensystem Alpha Jet fungierte es nur sekundär. Trotzdem sorgte das Geschwader für ordentlich Betrieb – und entsprechend ohrenbetäubende Akustik.

Weil es in den Zeiten des Kalten Krieges galt, möglichst viele Piloten auszubilden, wurde entsprechend viel geflogen. Die Technische Gruppe mit den Wartungs-, Instandsetzungs- und Nachschubstaffeln war voll gefordert, die Maschinen nach den Übungsflügen zügig wieder flugklar zu melden. Deswegen musste auch nachts gearbeitet werden. Zu den Tätigkeiten zählten auch Testläufe nach dem Austausch der Triebwerke – die im Stand und im Freien einen Höllenlärm verursachten. „Vor allem den benachbarten Maisachern war das nicht zuzumuten“, sagte Meyer.

So wurden zwei schallgedämmte Triebwerkstesthallen gebaut, in die jeweils ein Jet rückwärts hineingeschoben und am Boden fest verzurrt wurde, um dann (fast) den maximalen Schub zu geben. Denn in den bestehenden Hangars im Fliegerhorst Fürstenfeldbruck waren die Tests wegen der enormen Hitzeabstrahlung der Triebwerke nicht durchführbar. So kam es zu den sonderbar zugeschnittenen Hallen, die auf der Rückseite einen langen Anbau, ähnlich einem Tunnel, hatten und am Ende einen großen Betonblock. „Darin wurde der restliche Abgasstrahl – und deutlich weniger Lärm als bei einem Test im Freien – senkrecht nach oben umgelenkt“, erklärt Stabsoffizier Meyer.

Die Serie

Der Alte Tower, Fliegerhorstkirche, Kilometerbau: Diese Orte auf dem Fliegerhorst kennen die meisten. Doch dort befinden sich viele weitere, kaum bekannte Gebäude, die im Kalten Krieg eine besondere Rolle gespielt haben. Harald Meyer von der Traditionsgemeinschaft Fursty stellt sie bei einem Spaziergang vor. Mit ehemaligen Kameraden betreibt er eine private lehrgeschichtliche Sammlung auf Fursty und bietet auch immer wieder rund zweieinhalbstündige Führungen an. Anfragen per Mail an meyerffb@arcor.de.

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