Fursty-Planungen werden vorzeitig wieder aufgenommen

Fliegerhorst-Nachnutzung: Fürstenfeldbruck drückt für BMW aufs Gaspedal

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Lange überlegte man in Fürstenfeldbruck, wie man trotz Motorenlärm von der Maisacher BMW-Teststrecke Wohnungen auf dem Fliegerhorst bauen kann. Jetzt soll BMW Teil der Lösung werden. Doch der stramme Zeitplan des Autobauers erschwert die Verhandlungen.

Fürstenfeldbruck – Der Tonfall, in dem der Münchner Autobauer seine Forderungen an die Stadt formuliert, stößt vielen Fürstenfeldbrucker Stadträten sauer auf. „Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass wir für eine gemeinsame Zukunft zeitnah ein Bekenntnis des Stadtrates Fürstenfeldbruck zur Driving Academy erwarten“, hatte BMW im März mitgeteilt. Das kam nicht gut an, trotzdem haben die Räte danach mehrheitlich beschlossen, BMW in der Sache entgegenzukommen. Denn das Unternehmen hatte einen Vorschlag auf den Tisch gelegt, der den Brucker Vorstellungen für die Fliegerhorst-Konversion entgegenkommt.

Dafür erwartet BMW aber eine Beschleunigung des Verfahrens. Deshalb will Fürstenfeldbruck schon jetzt Entscheidungen zur Bauleitplanung treffen, obwohl dadurch das mit den Nachbarkommunen vereinbarte Planungsmoratorium verletzt wird (s. Kasten). Ob eine Einigung aber zustande kommt, scheint fraglich. Denn der Stadtrat hat der Verwaltung für die weiteren Verhandlungen Bedingungen diktiert, die BMW so nicht ins Konzept passen.

Auf dem ehemaligen Flugfeld auf Maisacher Flur, das bereits 2010 von der Bundeswehr geräumt worden war, bietet BMW in seiner Driving Academy Fahrsicherheitstrainings an. Zudem soll dort ein großer Handling-Kurs entstehen. Der von den Fahrzeugen ausgehende Lärm würde die Planungsmöglichkeiten für den übrigen Teil des Fliegerhorstes einschränken. BMW hatte dann aber angekündigt, auch ein Seminargebäude errichten zu wollen. Das könne man als Riegel auf Fürstenfeldbrucker Gebiet bauen, hieß es von BMW, und zwar so, dass es eine dahinter liegende Bebauung gegen den Lärm der Teststrecke abschirme. Wenn Fürstenfeldbruck den östlichen Teil des heute noch militärisch genutzten Bereichs als sogenanntes urbanes Gebiet mit etwas großzügigeren Lärmrichtwerten ausweise, so eine Untersuchung im Auftrag von BMW, sei dort neben Gewerbebauten auch Wohnbebauung realisierbar.

Einige Stadträte sahen zunächst wenig Grund, BMW entgegenzukommen. Herwig Bahner (FDP) sagte in der Ratssitzung, in der über das Angebot beraten wurde: „Im Idealfall, und nur dann, kriegen wir so Probleme weg, die wir ohne BMW gar nicht hätten.“ BBV-Sprecher Tommy Beer kritisierte, der einzige Vorteil einer solchen Vereinbarung sei das Signal an BMW.

Ein gemeinsamer Weg, auch mit Maisach, sei jedoch angesichts der Rechtslage im Fürstenfeldbrucker Interesse, sagte Christian Kieser, Amtsleiter für Rechtswesen, im Stadtrat. „Maisach plant schon seit zehn Jahren. Es gibt zwar ein interkommunales Abstimmungsgebot. Aber es gibt auch die Erkenntnis, dass wir trotz der Auswirkungen dieser Planungen selbst noch vieles auf dem Fliegerhorst planen könnten.“ Soll heißen: Ohne Einigung muss man möglicherweise trotzdem mit dem Lärm von BMW leben und ist in der Planung noch stärker eingeschränkt.

Oder BMW macht die offenbar gegenüber Stadträten geäußerte Drohung wahr und gibt den Standort auf, falls seine Interessen nicht berücksichtigt werden. „Welche Auswirkung das für den Wirtschaftsstandort und für den Konversionsprozess hätte, kann sich jeder selber ausrechnen“, sagte CSU-Fraktionssprecher Andreas Lohde.

Knapp zwei Drittel der Stadträte stimmten schließlich für die Teilaufhebung des Planungs-Moratoriums, allerdings unter der Bedingung, dass BMW sich verpflichtet, das lärmabschirmende Gebäude wirklich zu bauen und seine Planungen so weiterzutreiben, dass der zukünftige Lärm die Entwicklung eines urbanes Gebietes nicht gefährdet. Das wollte BMW bislang nur in Aussicht stellen, sich aber nicht binden.

Erste Gespräche zeigten nun, dass BMW die vom Stadtrat formulierten Bedingungen nicht ohne Weiteres akzeptieren will. Oberbürgermeister Erich Raff erklärte gegenüber dem Tagblatt, BMW wolle sich nur festlegen, wenn eine Umsetzbarkeit bis spätestens 2023 garantiert sei. Das kann die Stadt aber nicht alleine sicherstellen.

Raff verhandelt nun mit der Bundeswehr, die wohl nicht vor 2023 abziehen wird. Es geht darum, ob zumindest die für das Seminargebäude benötigten Flächen eventuell schon früher geräumt werden können. „Allerdings ist in dem Bereich die gesamte EDV des Standortes untergebracht“, sagte Raff.

Kritik aus Emmering

Im September 2017 hatten die Städte Fürstenfeldbruck und Olching mit den Gemeinden Maisach und Emmering vereinbart, alle Planungsaktivitäten für den Fliegerhorst ein Jahr lang auf Eis zu legen. Seit Beginn dieses Moratoriums, das vor allem ein Zeichen des guten Willens sein sollte, redet man nun erstmals miteinander über gemeinsame und konkurrierende Interessen auf dem Areal, das die Bundeswehr bis 2023 vollständig räumen will. Jetzt hat Fürstenfeldbruck diese Vereinbarung einseitig aufgekündigt. Dass die Stadt für die Bereiche, die BMW betreffen, vorzeitig weiterplant, stellt für die Nachbarkommunen kein Problem dar.

Allerdings beschloss der Fürstenfeldbrucker Stadtrat – gegen die Empfehlung von OB Erich Raff, der regelmäßig mit den anderen Bürgermeistern verhandelt – im gleichen Zuge auch eine Aufhebung des Moratoriums für einen weiteren, bereits militärisch entwidmeten Teilbereich nördlich der Lützowstraße. Brucker Planungen an dieser Stelle könnten die Entwicklungsmöglichkeiten für ein bereits beschlossenes Gewerbegebiet an der B 471 tangieren, fürchtet man in Emmering. Dieses Gewerbegebiet will Emmering zwar gar nicht bauen. Allerdings auf Brucker Wunsch: Die Gemeinde soll stattdessen Flächen auf dem Fliegerhorst bekommen. Für Emmerings Bürgermeister Michael Schanderl ist die einseitige Entscheidung des Fürstenfeldbrucker Stadtrates aber dennoch „ein schlechtes Signal für den weiteren Konversionsprozess. Ich kann mir vorstellen, dass nun wieder die Frage aufkommt, ob es richtig ist, zu warten, ob Emmering wirklich Gewerbeflächen am Fliegerhorst bekommt.

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