Asyl
+
Für Asyllebende gibt es Sprach-; Integrations- und Hilfsprogramme. Doch nicht alle Angebote führen zum Erfolg.

Fürstenfeldbruck

Ratlosigkeit bis Frust: Flüchtling fällt durch alle Raster

  • Thomas Steinhardt
    VonThomas Steinhardt
    schließen

Hunderte Asylbewerber leben unbescholten und unauffällig in der Region Fürstenfeldbruck. Es gibt Sprach,- Integrations- und Hilfsprogramme. Doch nicht alle Maßnahmen und Angebote führen zum Erfolg - so wie bei einem jungen Syrer.

Fürstenfeldbruck – Der Flüchtling sorgt derzeit für gelinde gesagt großes Stirnrunzeln bei vielen Beteiligten – er scheint durch alle Raster zu fallen. Seit rund zwei Jahren fällt der Syrer, dem Bleiberecht zugesprochen wurde, immer wieder durch aggressives Verhalten auf.

Fürstenfeldbruck: Flüchtling fällt seit zwei Jahren immer wieder durch aggressives Verhalten auf

Vorgeworfen werden ihm unter anderem Bedrohung, Beleidigung, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung. Einmal soll er mehrere geparkte Autos übel traktiert haben, einmal fiel er auf, als er sich selbst für „Jesus“ erklärte.

Immer wieder wird hinter vorgehaltener Hand die Sorge geäußert: Dieser Mann könnte gefährlich sein, zumal dann, wenn es zu einer wie auch immer gearteten Eskalation kommen würde. Zuletzt lebte der Syrer in einer Unterkunft für Obdachlose im Landkreis. Doch auch hier klappte das Zusammenleben wegen unangepassten Verhaltens nicht. Er flog raus.

Fürstenfeldbruck: Syrer war bereits mehrfach in der Psychiatrie - ohne Folgen oder Maßnahmen

Der Syrer war nach Tagblatt-Information mehrfach in Polizeigewahrsam und auch mehrfach in der Psychiatrie. Allerdings ohne weitere Folgen oder Maßnahmen. Die psychiatrische Auffälligkeit ist offenbar nicht von einer Art, dass sie es rechtfertigen würde, die hohe Latte einer Unterbringung zu reißen. Und die polizeilich registrierten Taten sind jede für sich genommen nicht so gravierend, dass ein Staatsanwalt verstärkt einschreiten würde. Kurz: Niemand weiß so recht, wie mit dem jungen Mann weiter um zu gehen ist, obwohl die Behörden etliches versucht haben.

Im Landratsamt, das in erster Linie für die Unterbringung von Asylsuchenden zuständig ist, gibt man sich sehr bedeckt. Datenschutz und Persönlichkeitsrechte stünden weiteren Auskünften entgegen, heißt es. Grundsätzlich aber gelte bei Personen, die vom Bundesamt für Flüchtlinge und Migration eine Aufenthaltserlaubnis erhalten haben: Sollten sie strafrechtlich auffällig werden, sei es Aufgabe der zuständigen Ausländerbehörde, Konsequenzen zu prüfen. Dabei gehe es um die Frage, inwieweit der Widerruf dieses Status möglich sei und ob die bekannten Vorfälle ausreichten, um möglicherweise auch ein Ausweisungsverfahren einzuleiten.

Asylsuchende in Fürstenfeldbruck: Fremd- oder Selbstgefährdung? Landratsamt äußert sich

Der Umgang mit straffälligen und auch psychisch auffälligen Asylbewerbern und Flüchtlingen, die sich in den Unterkünften aufhalten, stelle für die Mitarbeiter zweifelsohne eine große Herausforderung dar, heißt es im Landratsamt. Bei Straftaten oder Vorkommnissen in den Unterkünften werde die Polizei informiert, gegebenenfalls entsprechende Rettungsdienste oder andere Behörden. Sollten sich Bewohner dahingehend äußern oder Umstände bekannt werden, die auf eine konkrete Fremd- oder Selbstgefährdung hindeuten (etwa auch durch Radikalisierung), würden die Sicherheitsbehörden und andere zuständige Behörden sofort informiert.

Ferner sei das Landratsamt stark vernetzt mit der Asylsozialberatung und Helferkreisen. „Sollten wir besondere Auffälligkeiten und Störungen feststellen, werden diese Stellen informiert, mit der Bitte, unterstützend tätig zu werden.“ Es fänden hier regelmäßige Treffen statt – dort würden entsprechende Fälle besprochen.

Fürstenfeldbruck: Polizei bestätigt Problemfall - Ausländeramt prüft Abschiebung

In Helferkreisen betont man, dass ganz prinzipiell Beratungsanspruch auch dann bestehe, wenn eine Person als schwierig gelte. Generelles Problem sei halt, wenn die Einsicht auf Hilfsnotwendigkeit fehle. Potentiell gefährliche Kontakte seien aber nicht an der Tagesordnung. Die Erfahrung lehre, dass eine Unterbringung in einer Einrichtung gegen den Willen einer Person sehr schwierig sei.

Bei der Polizei heißt es unterdessen auf Nachfrage, dass es einen Problemfall gebe, um den die Behörden sich engagiert kümmerten. Ganz allgemein gelte: Die Polizei könne nur andere Behörden und Fachstellen einbinden, denen weitere Entscheidungen oblägen.

Das Landratsamt betont, dass eine abschließende ausländerrechtliche Prüfung in diesem konkreten Fall noch nicht erfolgt ist. Das Ausländeramt beabsichtige aber, zeitnah eine begründete Widerrufsanfrage an das Bundesamt für Migration zu richten. Auch die Möglichkeit der Einleitung eines Ausweisungsverfahrens aufgrund strafrechtlicher Erkenntnisse werde das Ausländeramt prüfen.

Auch interessant: Blick hinter die Kulissen: So funktioniert das Ankerzentrum für Asylbewerber in Fürstenfeldbruck. Weitere Nachrichten aus der Region Fürstenfeldbruck lesen Sie hier. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen FFB-Newsletter.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare