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Flüchtlinge haben es schwer auf Arbeitsmarkt

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Viele Unternehmen scheuen sich, Flüchtlinge einzustellen. Dabei gibt es positive Beispiele, wie etwa aus Fürstenfeldbruck.

Fürstenfeldbruck – Kesete, 19, aus Eritrea will Schreiner werden. Er hat knapp 20 Betriebe angerufen oder per Mail angeschrieben. Er bekam hauptsächlich Absagen. „Sie sehen unsere Namen und unsere Deutschkenntnisse. Dann sagen sie: Wir suchen keinen“, sagt er. Es wäre besser, meint er, wenn die Unternehmen Flüchtlingen zumindest eine Chance gäben.

Immer wieder verlieren Firmen Angestellte, weil sie abgeschoben werden

Nach wie vor scheuen sich viele Firmen davor, Flüchtlinge einzustellen. Das ist zumindest der Eindruck von Menschen wie Franz Höfelsauer oder Detlef Köhler, die sich darum bemühen, Asylbewerber in Arbeit zu bekommen. Die Bürgerstiftung wirbt mit dem Projekt Praktikumsbörse (siehe unten) seit einem Jahr bei Arbeitgebern um zusätzliche Praktikumsplätze. Bisher findet man auf der Plattform etwa 30 Stellen aus dem Landkreis. Zu wenig, findet Projektleiter Köhler. „Die Wirtschaft fährt mit angezogener Handbremse“, sagt er bei einem Pressegespräch. Höfelsauer von der Kreishandwerkerschaft sagt, der geklärte Asylstatus sei ein wichtiger Punkt. Wenn die Behörden einen Antrag ablehnen, erlischt die Arbeitserlaubnis des Antragstellers. Immer wieder kommt es daher vor, dass Unternehmen einen Angestellten verlieren, weil dieser abgeschoben wird. „Das schreckt viele Betriebe ab“, sagt Höfelsauer. Er appelliert an das Landratsamt, den Status so schnell wie möglich zu klären.

Youssuf spricht perfektes Deutsch und hat seinen Quali nachgeholt

Viele Firmen machen gute Erfahrungen, wenn sie Asylbewerber einstellen. Flüchtlinge und Betriebe profitieren gegenseitig voneinander, wie zum Beispiel Jesse Frohmader vom Elektrotechnik-Unternehmen Seemüller in Bergkirchen und Youssuf aus Afghanistan. Der 18-Jährige beginnt im September eine Ausbildung zum Elektroniker. „Ich habe in Afghanistan nie eine Schule besucht“, sagt er in perfektem Deutsch. Vor Kurzem hat er über die Berufsintegrations-Klasse seinen Quali nachgeholt. Bei Seemüller hat er ein Praktikum gemacht. Für beide Seiten hat es gepasst. „Er hat geglänzt, in der Arbeit und als Person“, sagt Frohmader. Youssufs Asylstatus ist ungeklärt. Frohmader sagt, man wolle zusammen kämpfen, damit es weitergehe. „Wir bilden Menschen aus, keine Nationalitäten.“

So sieht das auch Matthias Brüggemann von der Malerei Heinrich Schmid in Emmering. Es sei schwierig, gute Lehrlinge zu finden, sagt er. „Egal woher sie kommen, sie müssen Lust auf den Beruf haben“, so wie Anbesa, 20, aus Eritrea, der in der Malerei bald seine Ausbildung beginnt. Er sagt: „Ich finde die Stelle toll.“

Auch Kesete hatte einen Betrieb gefunden, wo er im September mit seiner Lehre hätte anfangen können. Doch die Schreinerei musste kurzfristig schließen. Nun sucht er einen neuen Arbeitsplatz.

Infos zur Praktikumsbörse und für Arbeitgeber

Die Praktikumsbörse erreicht man über den Link www.sprungbrett-intowork.de. Sie wird finanziert durch die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, den bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbänden und dem Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie. Das Projekt wird von Netzwerk „SCHULEWIRTSCHAFT Bayern“ umgesetzt.

Die Bürgerstiftung will helfen, das Angebot an Praktikumsplätzen im Landkreis auszuweiten. Auf der Plattform können Unternehmen freie Plätze kostenlos einstellen. Bewerber können anschließend potentielle Arbeitgeber ganz einfach kontaktieren.

Wichtige Informationen für Arbeitgeber: Anerkannte Asylbewerber dürfen uneingeschränkt arbeiten. Laut der Ausländerbehörde erhalten in der Regel auch Flüchtlinge aus den Ländern Syrien, Eritrea, Irak, Iran und Somalia (derzeit gute Bleibeperspektive) eine Beschäftigungserlaubnis.

Asylbewerber aus sogenannten sicheren Herkunftsländern (derzeit Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro, Serbien, Ghana und Senegal) dürfen weder arbeiten noch eine Ausbildung beginnen.

Bei Menschen im Asylverfahren, die aus anderen Ländern kommen, wird laut Landratsamt der Einzelfall geprüft. Auch Praktika sind grundsätzlich von der Ausländerbehörde zu genehmigen. Ausgenommen sind Praktika im Rahmen der Berufsschulpflicht.

Interessierte Arbeitgeber können sich zur Klärung von Einzelfragen an die Ausländerbehörde im Landratsamt wenden. Ansprechpartner sind Daniel Süßmilch unter Telefon (0 81 41) 51 93 11 und Manfred Neppl unter Telefon (0 81 41) 51 91 66.

Rubriklistenbild: © dpa-tmn

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