1. Startseite
  2. Lokales
  3. Fürstenfeldbruck
  4. Fürstenfeldbruck

Fliegerhorst Fürstenfeldbruck: Flugmedizin ist heuer schon auf dem Abflug

Erstellt:

Kommentare

Oberstarzt Dr. Lothar Bressem sollte schon im März mit dem Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin der Luftwaffe nach Köln-Wahn umziehen. Doch die Bauarbeiten verzögern sich aufgrund des Baustoffmangels.
Oberstarzt Dr. Lothar Bressem sollte schon im März mit dem Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin der Luftwaffe nach Köln-Wahn umziehen. Doch die Bauarbeiten verzögern sich aufgrund des Baustoffmangels. © metzler

Der Fliegerhorst gilt als Heimat der militärischen Flugmedizin. Seit über 60 Jahren wird dort Personal ausgebildet. Doch die Ära endet vermutlich noch in diesem Jahr. Denn die Dienststelle zieht nach Köln-Wahn – coronabedingt aber später, als ursprünglich geplant.

Fürstenfeldbruck – Seit mehr als 60 Jahren wird am Fliegerhorst sichergestellt, dass der Bundeswehr für den Flugbetrieb stets einsatzbereite Kräfte zur Verfügung stehen. Im Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin der Luftwaffe absolviert das künftige fliegende Personal Eignungstests und wird begutachtet. Dazu wird flugmedizinisches und sanitätsdienstliches Personal ausgebildet. Nicht zuletzt versorgt man das lizenzpflichtige Personal im Grundbetrieb und vor allem im Einsatz. „Es ist schon ein stückweit traurig, dass ein so traditionsreicher Standort komplett aufgegeben wird“, bedauerte der Fachabteilungsleiter II am Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin der Luftwaffe, Oberstarzt Dr. Lothar Bressem.

Denn das FlugMed genannte Zentrum, das im Jahr 2019 sein 60-jähriges Bestehen feierte, wurde zur Heimat der militärischen Flugmedizin, wie Generalarzt Dr. Raphael Schick anlässlich des Jubiläums sagte. Die Aufstellung des Flugmedizinischen Instituts der Luftwaffe hatte der damalige Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Strauß im Februar 1959 angeordnet. Mit der Neuausrichtung der Bundeswehr im Oktober 2013 wurde es mit der Dienststelle Generalarzt der Luftwaffe verschmolzen.

Das Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin mit Sitz in Köln-Wahn startete ein neues Kapitel in der Geschichte der Bundeswehr-Flugmedizin, sagt Oberstarzt Dr. Bressem. Das Zentrum ist nun für alle deutschen Streitkräfte zuständig für die Fachaufgaben der Luft- und Raumfahrt. Darüber hinaus führt es fachlich den Fliegerärztlichen Dienst in Heer, Luftwaffe und Marine sowie des Zentralen Sanitätsdienstes.

Gleichzeitig wurde mit der Unterzeichnung eines engen Kooperationsvertrages mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ein Schritt in eine gemeinsame zivil-militärische, flugmedizinische Zukunft eingegangen. Heute ist die internationale Vernetzung und die fachliche Kooperation aus über 25 Nationen ein zukunftsweisendes Aushängeschild dieses Kompetenzzentrums.

Momentan ist das Zentrum für Luft- und Raumfahrtmedizin der Luftwaffe auf fünf Standorte verteilt: Neben Köln-Wahn (Hauptsitz) und Fürstenfeldbruck (Eignungsauswahl/medizinische Begutachtung/Lehre) unterhält es Dienststellen in Königsbrück (Flugphysiologisches Trainingszentrum), Manching (Forschung/Erprobung), und Bückeburg (Flugpsychologische Eignungsauswahl).

Die Stimmung in der Belegschaft

In den nächsten Jahren sollen die Dienststellen Fürstenfeldbruck und Bückeburg am Standort Köln-Wahn zusammen geführt werden. Allerdings verzögern sich die Bauarbeiten in Köln aufgrund der durch die Corona-Pandemie auf dem Bausektor verursachten Materialengpässe sowie der Naturkatastrophe im Ahrtal. Die Folge: Der für diesen März geplante Umzug der 170 noch in Fursty beschäftigten Ärzte sowie des Fach- und Unterstützungspersonals verschiebt sich laut Dr. Bressem auf Mitte Oktober.

Die Stimmung der Belegschaft ist angesichts des Umzugs und der damit verbundenen Versetzungen gemischt. „In der Mehrzahl haben wir zivile Mitarbeiter, die mit ihren Familien mit der Region stark verwurzelt sind und sich hier sehr wohlfühlen“, berichtet der Oberstarzt. Sie seien bestens ausgebildet und blickten auf eine langjährige Berufserfahrung zurück, so dass sie problemlos bei anderen Dienststellen oder in der freien Wirtschaft unterkommen könnten. Seine Befürchtung: Auch wenn einige Mitarbeiter nach Köln-Wahn mitgehen, werde es schwierig, adäquaten Ersatz am neuen Standort zu finden.

Auch interessant

Kommentare