Germering, Olching oder Eichenau?

FOS/BOS: Neue Standortdebatte

Neue Runde in der Debatte um den Bau einer weiteren FOS/BOS im Landkreis: Obwohl die Kreisverwaltung Germering als Standort präferieren würde, sollen Olching und Eichenau jetzt doch noch mal genauer geprüft werden.

Landkreis – Das Kreiskulturreferat hatte gehofft, vom zuständigen Ausschuss des Kreistags den Auftrag zu erhalten, die Überlegungen zu einer zweiten Fachoberschule am Standort Germering voranzutreiben. Eine Studie des Büros für räumliche Entwicklung hatte diese Variante nahe gelegt. Hauptargumente: Eichenau würde zu viele Schüler aus Bruck abziehen, Olching (genauer: Esting) liegt nicht zentral genug, wohingegen Germering auch mit Blick auf den neuen Münchner Stadtteil Freiham die besten Zukunftsaussichten hätte.

Hans Thurner

Michael Schrodi (SPD) kritisierte nun aber, dass die Zahl der Gastschüler in Germering die höchste wäre. Zudem bemängelte er, dass Grundstücksfragen – also wo die Schule genau hin soll – nicht wirklich diskutiert worden seien. Olching, so argumentierte er, würde Bruck am stärksten entlasten. Er plädierte dafür, weitere Untersuchungen anzustellen und eine neue Expertise zu bestellen.

Landrat Thomas Karmasin („Wir haben schon viele Ehrenrunden gedreht, irgendwann müssen wir springen“) dagegen wollte als erstes die Standort-Frage geklärt haben. Der für Fragen der FOS/BOS zuständige Ministerialbeauftragte Konrad Maurer sprach sich in der Sitzung dafür aus, nicht nur den Standort mit dem größten regionalen Nutzen zu wählen, sondern über die Kreisgrenzen hinaus zu schauen. Er erinnerte, dass sich München an einem Schulneubau in Karlsfeld (Kreis Dachau) finanziell beteilige, also auch für Bruck durchaus Verhandlungsspielraum bestehe. Der Druck auf die FOS/BOS werde weiter zunehmen, ein Neubau sei notwendig.

Preise in Germering sehr hoch

Probleme sah auch Kreisfinanzreferent Johann Thurner (FW). Ihm fehlten Kostenschätzungen. Außerdem sei durchaus relevant, dass gerade in Germering die Grundstückspreise sehr hoch seien. „München hat bei der Freiham-Planung die FOS einfach vergessen. Darum wären sie froh, wenn wir es jetzt machen“, sagte er. Er war dafür, die Frage in die Fraktionen zu verweisen. Klaus Wollenberg (FDP) hielt Schrodi und Thurner vor, nur ein Hauen und Stechen darüber zu inszenieren, welche Kommune sich durchsetzt. Dabei sage die Vernunft, dass es nur den Standort Germering geben könne. Landrat Karmasin, der offenbar schon nicht ganz aussichtlose Sondierungsgespräche geführt hatte, darüber aber nichts Näheres sagen wollte, glaubt unterdessen, dass beim Standort Olching eine Beteiligung Münchens und Starnbergs unwahrscheinlich würde, und Andreas Lohde (CSU) bat angesichts der Raumnot in der Brucker FOS/BOS („Die machen ihre Abi-Feiern im Schichtbetrieb“), den Blick über den Tellerrand jetzt zu wagen und das Thema nicht zu vertagen.

Letztlich einigte man sich darauf, die Pro-Germering-Standort-Formulierung aus dem Beschluss zu streichen. Demnach wird nur der Bau einer neuen Oberschule im Kreis vorangetrieben. Gleichzeitig soll nach einem Vorschlag von Hans Thurner (FW) auch die Idee betrachtet werden, zur Sicherung der Nachhaltigkeit finanzieller Beteililigung einen Zweckverband mit den Nachbarn München und Starnberg zu gründen. Damit, so hieß es tags darauf in der Kreisverwaltung, werde der Prozess nicht gebremst. Man könne die Planungen vorantreiben.

Olchinger Grundstück zu klein

Die Stadt Olching wäre bereit, dem Landkreis ein Grundstück in Esting in Erbpacht zur Verfügung zu stellen. Das wurde in der Sitzung deutlich. Allerdings sei es nur 4500 Quadratmeter groß, merkte Günter Sigl vom Kulturreferat an. Man müsste also etliche Quadratmeter zukaufen, um die nötige Größe von insgesamt rund 12 000 bis 15 000 Quadratmetern zu erreichen. Das von Eichenau angebotene Grundstück liegt offenbar teils auf Emmeringer Flur und gehört dem Freistaat. Sprich: Hier geht es um Teile des Guts Roggenstein. Wo die Germeringer Flächen liegen könnten, blieb in der öffentlichen Sitzung unklar. Nicht undenkbar ist offenbar aber, dass sie teils auf Münchner Flur lägen.

Klar im Falle Germerings ist nur: Um den Kauf des Areals würde der Landkreis respektive der Zweckverband nicht herum kommen, wobei Germerings OB Andreas Haas ohne klaren Auftrag nicht auf Eigentümer zugehen könne, wie der Landrat sagte. In Zusammenhang mit der Kostendiskussion berichtete der Landrat von der Haltung seiner Fraktion. Wenn niemand außer dem Brucker Landkreis bei der neuen Schule mitzahle, könne es gut sein, dass der Bau nie realisiert werde.

(Thomas Steinhardt)

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