Jubiläum

Frauen halten seit 100 Jahren zusammen

Sie beteten gemeinsam und liehen sich gegen-seitig Baby-Bettchen. Die Katholische Frauengemeinschaft im Pfarrverband Fürstenfeld entstand während des Ersten Weltkriegs als Mütterverein. In wenigen Wochen wird der Zusammenschluss engagierter Frauen 100 Jahre alt.

Fürstenfeldbruck – Die Wurzeln der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) reichen zurück bis ins Jahr 1860. Damals kam die Bewegung von Frankreich herüber. In Bruck entstand die kfd im Februar 1917 als „Verein Christlicher Mütter“, wie es in der Gründungsurkunde heißt. Sogar die alte Fahne von damals ist noch erhalten.

Über Jahrzehnte existierte die Gemeinschaft unter dem Dach der katholischen Kirche, erst seit 1968 ist sie ein selbstständiger Verein. „Wir sind jetzt auch so frei und kritisieren manches“, sagt die Brucker kfd-Vorsitzende Gertrud Englert.

In der Anfangszeit lag der Schwerpunkt auf religiösen Zusammenkünften – man traf sich einmal in der Woche zum Beten, genoss aber auch die Gemeinschaft. „Wo hätten die Frauen sonst allein hingehen sollen“, meint Annemarie Fischer aus dem fünfköpfigen Leitungsteam. 1930 hatte die Brucker kfd bereits 295 Mitglieder. Durch die enge Verbindung mit der Kirche überstand die Gemeinschaft das Dritte Reich, ohne zerschlagen zu werden. „Starke Frauen hielten den Verein am Leben“, sagt Gertrud Englert und meint damit vor allem die langjährigen Vorsitzenden Maria Schwalber (1948 – 74), Margit Wimmer (1974 – 2002) und Elisabeth Zeitler-Schwalber (2002 – 2014).

Nacheinander entwickelten die drei die religiöse Gemeinschaft zu einem sozial engagierten Verein weiter. Das begann mit dem Verleih von entsprechend ausstaffierten Wäschekörben als Baby-Bettchen und ging weiter über einen Krankenhausbesuchtsdienst, die Anfänge einer ökumenischen Nachbarschaftshilfe und in jüngster Vergangenheit das Engagement in der Asylhilfe.

Auch der jetzigen Vorsitzenden Gertud Englert ist es wichtig, dass sich der Verein für die Mitmenschen einsetzt. „Wir können nicht nur in der Kirche beten und uns sozial nicht engagieren.“ Für sie ist das auch eine Frage der Glaubwürdigkeit „als Christen und als Frauen“. Die neuste Idee in dieser Richtung ist das Projekt „Welcome – Großmütter helfen jungen Familien“. Durch Unterstützung bei der Kinderbetreuung möchte die kfd in Kontakt zu jungen Frauen kommen – und im Idealfall auf diesem Wege neue Mitglieder anziehen.

Die Nachwuchssituation sei ein „wahnsinniges Problem“, berichtet Gertrud Englert. „Wir sind schon froh, wenn um die 50-Jährige zu uns kommen.“ Derzeit hat der Verein 130 Mitglieder. Neben neuen Ideen werden die Traditionen gepflegt. Es wird gemeinsam gebetet, gesungen und gefeiert. Frauen gestalten Gottesdienste für Frauen, es gibt Vorträge und Bildungsangebote, Ausflüge und Reisen.

Zweimal im Jahr trifft man sich mit einer ehemaligen Religionslehrerin zur Bibel-Arbeit beim einem guten Frühstück – unter dem Motto „Kaffee, Bibel und Croissant“.

Das bevorstehende Jubiläum ist für die Brucker kfd eine willkommene Gelegenheit, stärker an die Öffentlichkeit zu treten. Zusätzlich zur 100-Jahr-Feier im Pfarrsaal St. Magdalena am 1. Juli gibt es am nächsten Tag einen Festgottesdienst in der Klosterkirche Fürstenfeld und am Freitag, 7. Juli, ein Wandelkonzert mit Darbietungen in der Klosterkirche, dem Churfürstensaal und dem Kleinen Saal des Veranstaltungsforums. Das Konzert aus vier etwa halbstündigen Sequenzen trägt den Titel „Ladies Night“ und wird gespielt von Gisela Czech-Whitson (Violine) und Paola Talamini (Orgel, Cembalo und Klavier). Verbindende Texte trägt Birgitta Klemenz vor. (os)

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