Mit der Reihe Weiberkram setzen sie auf andere Them en als im üblichen Hilfsangebot (v.l.): Ruth Lotter vom Frauennotruf, Barbara Kistler, Vorstandsfrau des Vereins Frauen helfen Frauen, und Julia Serdarov von der Interventionsstelle für Opfer Häuslicher Gewalt. Die Reihe richtet sich nur an Frauen.

In Fürstenfeldbruck

Frauennotruf: Weiberkram ist mehr als Klatsch und Tratsch

Er ist eine Anlaufstelle für Frauen, die Gewalt erfahren, in Notlagen oder in Krisen stecken. Doch der Frauennotruf des Brucker Vereins „Frauen helfen Frauen“ tut noch mehr. Mit seiner ganzjährigen Veranstaltungsreihe „Weiberkram“ will er auch jene erreichen, die nicht zu dieser Klientel gehören.

FürstenfeldbruckDer Name der Reihe spielt bewusst mit Klischees. Statt um die Dinge, die man landläufig unter dem Begriff „Weiberkram“ versteht – nämlich Klatsch und Tratsch –, geht es um handfeste Information oder Hilfreiches für das tägliche Leben.

Die Vorträge, Gesprächsrunden und Erlebnisabende, die jeweils am ersten Montag eines Monats stattfinden, sollen die Teilnehmerinnen „informieren und stärken“, wie Frauennotruf-Mitarbeiterin Ruth Lotter erklärt. Im Mittelpunkt stehen nicht diejenigen Themen, die man auf den ersten Blick mit dem Frauennotruf in Verbindung bringt, also häusliche Gewalt, sexuelle Übergriffe oder Stalking. Vielmehr handeln die Vorträge zum Beispiel von Selbstbehauptung und Selbstfürsorge, von rechtlichen Fragen rund um Trennung und Scheidung oder von Themen wie Vorsorgevollmacht und Testament. Rückentraining, bewusstes Atmen, Stressbewältigung und Einbruchsicherung standen ebenfalls schon auf dem Programm.

Mit manchen Angeboten will das Team des Frauennotrufs gezielt Migrantinnen ansprechen, so wie etwa mit einer Film- und Diskussionsveranstaltung über die Diskriminierung und Flucht der Hazara, einer afghanischen Minderheit. „Wir versuchen, abzuwechseln zwischen Fachvorträgen und Veranstaltungen für Körper und Seele“, sagt Ruth Lotter. Das Konzept kommt gut an. 89 Frauen besuchten im vergangenen Jahr die insgesamt zehn Veranstaltungen. „Damit sind wir sehr zufrieden“, betont die Diplom-Sozialpädagogin.

Überwiegend waren die Teilnehmerinnen in der Vergangenheit nicht identisch mit denjenigen, die das Beratungsangebot des Frauennotrufs wahrnehmen. Damit schafft es das Beratungsteam, größere Gruppen von Frauen anzusprechen und dem Frauennotruf dadurch insgesamt zu mehr Wahrnehmung zu verhelfen. Denn obwohl der Verein „Frauen helfen Frauen“ bereits seit über 30 Jahren in Bruck existiert, sei das Notruf- und Beratungsangebot immer noch nicht überall bekannt. „Frauen sollen einfach wissen, dass es uns gibt“, sagt Lotter.

Als Teil der Öffentlichkeitsarbeit ist „Weiberkram“ erfolgreicher als Info-Stände, auf die Frauen im Vorbeigehen oft nur einen Seitenblick werfen, so Lotter. Bleibe doch mal eine stehen, dann häufig, um „für eine Freundin“ dieses oder jenes zu fragen.

Um das Vortrags-Angebot wirklich für alle Frauen zugänglich zu machen, wird pro Abend lediglich ein Unkostenbeitrag von zwei Euro erhoben. Veranstaltungsort sind die Räume des Frauennotrufs im Stadtteilzentrum West, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Referentinnen arbeiten ehrenamtlich. Männer sind im Publikum übrigens ausdrücklich nicht zugelassen. (os)

Der nächste „Weiberkram“

ist ein Abend mit Sozialarbeiterin und Aktivistin Resty Nsubuga zum Thema „Selbstfürsorge und Selbstheilung“ am Montag, 3. September, von 19 bis 20.30 Uhr in den Räumen von Frauennotruf und -beratung, Am Sulzbogen 56.

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