Auf den Schildern zu sehen: Radfahren am Friedhof ist verboten. Bei Zuwiderhandlung droht jetzt ein Bußgeld - außer man besitzt eine Ausnahmegenehmigung.

Die Stadt handelt

Friedhofsradlern droht jetzt Bußgeld

Fürstenfeldbruck - Auf dem Waldfriedhof könnte eigentlich alles so friedlich sein. Doch häufig werden Besucher von rücksichtslosen Radlern gestört. Nachdem nun die Einführung eines Bußgelds droht, werden aber einige Radler vorsichtig.

Vogelgezwitscher, ein leichtes Windrauschen in den Bäumen, Sonne blitzt durchs Geäst. Bei so einem Wetter genießen Friedhofsbesucher die andächtige, ruhige Atmosphäre auf dem Waldfriedhof. Doch immer wieder werden sie von Radlern gestört, die verbotener Weise über das Areal fahren.

„Eigentlich gilt hier ein absolutes Fahrradverbot“, erklärt Friedhofsleiter Detlev Kollmannsberger. Trotzdem können sich Grabbesucher eine Sondergenehmigung ausstellen lassen – nämlich wenn sie ein ärztliches Attest vorweisen, dass sie das Rad auf dem Weg zum Grab brauchen, oder wenn sie einen Schwerbehindertenausweis haben. Rund 40 Besucher haben so eine Sondergenehmigung. Auch wer schwere Geräte oder Dekoration zum Grab bringen will, wird ohne Genehmigung geduldet. Wer sein Radl schiebt, hat auch nichts zu befürchten.

"Viele verhalten sich unvernünftig"

Aber unter die behutsamen Radler mischen sich Raser, die über die Wege brettern und Besucher in Bedrängnis bringen. Manchmal stören sie sogar bei Bestattungen. „Viele verhalten sich sehr unvernünftig“, beklagt Friedhofschef Detlev Kollmannsberger.

Renate Gerlach vom Friehofsamt zeigt eine der Genehmigungen, mit denen Radler auch am Waldfriedhof fahren können.

Zu einem Unfall ist es zwar noch nicht gekommen – Ärger verursacht dieses Verhalten aber häufig. Deshalb hat die Stadt nun auf ihrer Website eine Mitteilung veröffentlicht, die die Besucher zur Vernunft mahnt. Falls das nicht die gewünschte Verbesserung bringt, behält sich die Stadt aber drastischere Mittel vor: „Sollte sich dies nicht bessern und der Friedhof weiterhin mit Rädern befahren werden, wird die Stadt zukünftig Bußgelder bis zu einer Höhe von 25 Euro erheben.“

Fraglich ist allerdings, ob der Appell auf Einsicht ein umsichtigeres Verhalten erwirkt. Wie Kollmannsberger sich erinnert, habe es in den letzten Jahren immer wieder solche Meldungen gegeben – ohne Erfolg. Heuer werde aber das erste Mal die Einführung eines Bußgelds angedroht.

Seit diese Konsequenz im Raum steht, hat Detlev Kollmannsberger eine Veränderung im Verhalten der Friedhofsbesucher bemerkt: „Die Anzahl an Sondergenehmigungen ist deutlich gestiegen.“ Denn wie er vermutet, hätten alle Radler wieder mehr die Verhaltensregeln verinnerlicht. Ob sich auch die Raser in Zukunft bessern, bliebe aber abzuwarten.

"Wir brauchen vielmehr einen Bewusstseinswandel"

Ausschlag für die Pressemeldung auf der Brucker Website habe eine weitere Beschwerde gegeben. Denn wie Friedhofsleiter Detlev Kollmannsberger erklärt, seien gerade am Wochenende und an Feiertagen die Raser unterwegs, wenn nämlich kein Mitarbeiter auf dem Gelände sei. Der Verfasser der Beschwerde beklagte, dass die Radler „immer mehr und immer unverschämter“ werden und äußerte die Bitte, dass nun doch endlich etwas unternommen werden soll.

Warum gerade der Waldfriedhof zum Bikertreff mutiert, kann sich Stephan Zenk vom Brucker Bürgerbüro nicht erklären, denn der Ort der Stille bietet keine Abkürzungen. Hauptgrund für die Verbotsüberlegung bliebe gerade diese Ruhe, die gewahrt werden müsse, so Zenk. Zudem könnten leicht Zusammenstöße zwischen Radlern, Fußgängern oder Maschinen, die Gräber ausheben oder Rasen mähen, passieren.

Dennoch gibt Zenk zu bedenken, dass ein Bußgeld nur mit erheblichen Anstrengungen eingeführt werden kann – denn wie sollten die Raser aufgehalten werden? Eine Sperre einzurichten, die klar die radfreie Zone markiert, ist seiner Meinung nach problematisch, denn dann kämen Besucher schwieriger aufs Gelände. Gerade bei Beerdigungen oder für Friedhofsfahrzeuge könne ein Gatter oder ähnliches Unannehmlichkeiten bereiten. „Über eine Schwelle würden gerade ältere Besucher leicht stolpern“, merkt Zenk an. Sein Wunsch ist daher: „Wir brauchen vielmehr einen Bewusstseinswandel.“ Er appelliert an die Vernunft aller Bürger – erst einmal soll das Verbesserung bringen. Doch wenn alles nichts helfe, müsse man doch über Bußgelder Frieden schaffen.

Maria-Mercedes Hering

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