Mit fachkundiger Anleitung ging es durch den Rollator-Parcours. Foto: Theresianum
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Mit fachkundiger Anleitung ging es durch den Rollator-Parcours.

Theresianum organisiert professionelles Rollator-Training für seine Bewohner

Führerscheinprüfung im Seniorenheim

Zwölf Senioren warten neugierig im Theresianum auf das erste Rollator-Training. Coronabedingt sind Gruppenangebote im Freien auf diese Zahl begrenzt.

Fürstenfeldbruck – „Ich bin gespannt was das werden soll, auch ein wenig aufgeregt, ob ich das schaffe“ sagt Anna Weber (87), eine der Teilnehmerinnen.

Mit Corona-Abstand aber herzlich begrüßt Marianne Birkle, Rollatortrainerin von der Verkehrswacht Augsburg, die Heimbewohner. Im Garten hat sie einen Slalomparcours, schiefe Ebenen, Buckelstrecken und weiteres. Die Gruppe stellt sich an der Startlinie auf. Auf ein Zeichen bewegt sich die Rollatoren-Riege auf die ersten Hindernisse zu – „ein wenig angespannt, ein wenig angestrengt, aber mit einem Lächeln im Gesicht“, beobachtet Anita Beer.

Die Hygiene-Beauftragte des Theresianums und Senioren-Übungsleiterin hatte über ein Buch vom Rollator-Training erfahren. Schnell war klar, dass sie dieses Training anbieten möchte – am liebsten eingebettet ins regelmäßige Bewegungsprogramm für die Senioren. Doch hierfür benötigen sie Betreuungskräfte mit Fachwissen – und die gibt es noch nicht. Also nahm Beer Kontakt zur Verkehrswacht auf und landete schließlich bei der Augsburger Verkehrswacht. Im Rahmen der europäischen Mobilitätswoche konnte die Premiere stattfinden.

Die Senioren sind derweil mit Eifer dabei. Sie feuern sich gegenseitig an und tauschen Tipps untereinander aus. „Das fühlt sich wie Karussell fahren an, das Drehen auf der Stelle mit dem Rollator“, sagen die Teilnehmer. Doch nicht nur Praxis steht auf dem Programm. Dank der Unterstützung eines Sanitätshauses werden die Rollatoren auch gleich noch fachgerecht überprüft. Die Teilnehmer erhalten wichtige Informationen zu Wartung und sinnvollem Zubehör wie Diebstahlschutz.

„Mit diesem Rollator-Training bieten wir erstmals im Haus ein ganzheitliches Trainingsprogramm an, individuelle Einschränkungen der teilnehmenden Senioren werden dabei selbstverständlich berücksichtigt und Leistungsdruck ist hier fehl am Platz“, sagt Theresianum-Geschäftsführer Armin Seefried. „Uns geht es um Spaß an der Bewegung, Sicherheit im Umgang mit dem Rollator, Bewältigung von Hindernissen.“ Die Muskulatur werde beansprucht. Vertrauen in den eigenen Körper und das Körpergefühl würden aktiviert und gestärkt. Aufgrund der Resonanz will man die Aktion im nächsten Jahr wiederholen.

Die Senioren sind derweil mit dem Übungsparcours fertig. Danach geht es noch auf eine Runde ums Haus. Und auch hier entwickelt der ein oder andere regelrecht sportlichen Ehrgeiz. „Nächste Woche stoppen wir dann auch mal die Zeit oder wir versuchen eine zweite Runde“, so lautet ein Vorschlag der Teilnehmer. Und während die einen schon fachsimpeln, wie man das Hindernis noch besser bewältigen kann, trifft auch der letzte Teilnehmer wohlbehalten am Ziel ein, begrüßt mit großem Jubel. Der Lohn: der Rollatorführerschein.

INGRID ZEILINGER

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