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In 25 Jahren hat das Verkehrsforum einiges auf die Beine gestellt. Anhand von alten Fotos blickt Sprecher Thomas Brückner zurück.

Interview mit Thomas Brückner

„Für die CSU sind wir ein Störenfried“

Das Verkehrsforum (VF) hat Jubiläum gefeiert: Seit 25 Jahren engagiert sich die Gruppierung im Bereich Verkehrspolitik. Von Anfang an dabei ist der jetzige Sprecher Thomas Brückner, kurzzeitig auch Stadtrat für die Grünen. Im Interview mit Tagblatt-Reporter Fabian Dilger sprach er über Verkehrsthemen, die ewigen Reibereien mit der CSU und den Wunschzettel des Forums.

- Herr Brückner, wissen Sie noch, was Sie vor 25 Jahren bewegt hat, beim Verkehrsforum mitzumachen?

Man hatte den Kopf voller Ideen, was man alles verändern kann in der Stadt. Und damals wurde auch die SPD-Bürgermeisterin (Eva-Maria Schumacher, Anm. d. Red.) neu gewählt, es war irgendwie ein Aufatmen in der Stadt, eine Aufbruchstimmung.

-Das VF gründete sich ja nach dem Tod eines Schülers, was war die Zielsetzung damals?

Die Verkehrssicherheit stand ganz oben. Der Stadtrat hat sich ja nur mit Umgehungsstraßen beschäftigt. Deswegen war das große Thema, wir müssen andere Schwerpunkte setzen. Da haben wir uns ganz bewusst für das Motto FFB entschieden: Fußgänger, Fahrräder, Busse. Und natürlich ist am Anfang eine riesige Liste entstanden, was man alles tun muss.

-War das Thema Verkehrssicherheit etwas, was sie schon länger beschäftigt hat oder sind Sie eher unbedarft herangetreten?

Ich bin in München aufgewachsen, und in meiner Jugend gab es die Olympia-Baustelle und die ganzen Verkehrsprojekte wie den Mittleren Ring und die S-Bahn. Es war ja ein Bauboom damals vor 1972. Das hat mich fasziniert und interessiert. Lösungsorientiertes Denken und das Planen überhaupt sind eine Leidenschaft von mir.

-Wie schafft man es, 25 Jahre dranzubleiben?

Manchmal gibt es wahrscheinlich interessantere Sachen, als über gefährliche Straßenkreuzungen zu reden. (lacht). Meine Freizeit kommt deswegen trotzdem nicht zu kurz. Aber es steckt schon eine Menge Arbeit dahinter. Es ist auch Bestimmung, so was zu tun. Das sind meine Fähigkeiten, und ich sehe, wo in der Stadt die Schwächen liegen. Da möchte ich etwas ändern.

-Abgesehen von der persönlichen Motivation gibt es ja Situationen, in denen man sachlichen und politischen Widerstand spürt. Ist das nicht manchmal ermüdend?

Es ist schwierig. Der Wechsel zu Klaus Pleil hat ja damals einen richtigen Schub gebracht, er hatte den Radverkehr zur Chefsache gemacht. Es war natürlich ein herber Verlust, als er wieder weg war. Wenn man etwa sieht, wie Herr Raff aufgetreten ist an unserem Jubiläumsabend. Es war schön, dass er gekommen ist, aber zu behaupten, er begibt sich in die Höhle des Löwen – da sind schon Widerstände in der CSU gegen uns. Und das bloß, weil wir uns gegen die Deichenstegtrasse engagiert haben. Das hängt uns jahrelang nach, und es wird nicht mit uns zusammengearbeitet. Wir sind für die CSU anscheinend der große Störenfried im Getriebe.

-Gibt es aktuell ein Thema, das Ihnen Kopfzerbrechen bereitet?

Thema Sulzbogen: Da schlägt die Stadt Schutzstreifen für Radler, also gestrichelte Linien auf der Fahrbahn, vor. Selbst die Bürger sagen: Das ist uns zu wenig, das ist keine Sicherheit. Wir versuchen, andere Lösungen einzubringen, sprich eine irgendwie geartete bauliche Trennung zwischen Radweg und Fahrbahn. Wir möchten, dass man Spielräume der Straßenverkehrsordnung nutzt und auch mal Modellversuche ausprobiert. Da fehlt irgendwo in der Stadtverwaltung noch der Mut, neue Wege zu gehen.

-Was tut man denn, wenn man bei einem Projekt nicht weiterkommt?

Man lässt es auf der Liste. In Bruck braucht es manchmal 20 Jahre, bis die Einsicht gereift ist.

-Es gibt auch Projekte, die Sie als Erfolge bezeichnen: Etwa die neue Mittelinsel an der Kreuzung Landsberger/Schöngeisinger Straße, die es auf eine Homepage des Bundesverkehrsministeriums geschafft hat – als Beispiel für einen fahrradfreundlichen Umbau.

So was freut einen natürlich und man kriegt auch von vielen Leuten positive Rückmeldungen. Zebrastreifen oder Ampel hätten nicht die vielen Beziehungen gelöst, die man an diesem Punkt hat. Es hat zwar jetzt das Fünffache gekostet, aber dafür hat man was Vernünftiges.

-Das Verkehrsforum hat ja keine offizielle Organisationsform, ist kein Verein – wie würden Sie sich selbst definieren?

Es sind engagierte Leute, die umweltfreundliche und zukunftsfähige Lösungen suchen. Weiterhin Straßen zu bauen, wie man es 50 Jahre lang gemacht hat, das sehen wir nicht als Lösung. Das ist auch klimapolitisch nicht vertretbar. Und jeder, der mitarbeiten will, ist herzlich willkommen.

-Wann könnten Sie sagen: alle Ziele erreicht?

Oh je. Wir haben noch 105 Punkte allein auf unserer Radverkehrsliste. Wahrscheinlich brauchen wir noch mal 25 Jahre zur radlfreundlichen Stadt. Ich wünsche mir einfach eine Innenstadt, in der Straßenraum wieder Lebensraum ist. Ich sag auch immer, den S-Bahn-Ausbau werde ich nicht mehr erleben. Ein absolutes Frust-Projekt!

-Gerade wird der Haushalt der Stadt vorberaten: Was steht auf dem Wunschzettel des Verkehrsforums?

Wir bräuchten eigentlich zwei Verkehrsplaner und zwei Radverkehrsbeauftragte in Vollzeit, um eine Verkehrswende zu schaffen.

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