Eigentlich ist der Terminkalender im Büro von Eckart Lutzeier überflüssig. Veranstaltungen, bei denen er mit seinem Kompagnon Andreas Görlitz (l.) arbeiten würde, sind größtenteils ausgefallen.
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Eigentlich ist der Terminkalender im Büro von Eckart Lutzeier überflüssig. Veranstaltungen, bei denen er mit seinem Kompagnon Andreas Görlitz (l.) arbeiten würde, sind größtenteils ausgefallen.

Fürstenfeldbruck

Für sie gilt schon seit März ein Lockdown

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Der Lockdown light ist da. Für Eckart Lutzeier und Andreas Görlitz ist diese Formulierung Zynismus pur. Sie arbeiten in der Veranstaltungsbranche und haben faktisch seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ein Berufsverbot.

Fürstenfeldbruck – Der Terminkalender in Lutzeiers Büro in Fürstenfeldbruck ist obsolet geworden. Alle großen Veranstaltungen, bei denen er mit seinen Firmen vertreten gewesen wäre, sind mit einem dicken roten Stift durchgestrichen: Wiesn, Gartentage, die kommenden Weihnachtsmärkte – alles fiel oder fällt dem Coronavirus zum Opfer.

Die Firma LG Events – Lutzeier und Görlitz bieten eine mobile Kunsteisbahn für verschiedene Events an – verzeichnet seit der Pandemie 100 Prozent Umsatzausfall. „Wir haben keine einzige Buchung mehr“, sagt Lutzeier. Und daran werde sich wohl so schnell auch nichts ändern, glaubt Görlitz. „Nach dem November wird nicht der erste Gedanke sein, sich eine Eisbahn als tolle Advent-attraktion hinzustellen.“

Nur ein Konzert

Für LG Events fällt das gesamte Wintergeschäft aus. Görlitz ist doppelt betroffen. Der ehemalige Profifußballer, der mit dem FC Bayern Meister wurde, hat nach seiner Karriere die Pop-Band „Whale City“ ins Leben gerufen. „2020 sah für uns vor Corona richtig gut aus, am Ende haben wir dieses Jahr jedoch lediglich ein größeres Konzert geben können – im Rahmen der aufwendig organisierten Autokonzerte von Radio Oberland in Weilheim“, sagt er.

Auch Lutzeier muss weitere Rückschläge verkraften: Bei seinem Facility Service seien 70 Prozent der Umsätze weggebrochen. Nachdem das Veranstaltungsforum sowie die Stadthalle Germering lange auf Eis lagen und nun erneut schließen müssen, habe er nur vereinzelte Aufträge für Auf- und Umbauten sowie Reinigungsarbeiten. Bei seinem Security-Dienst schlägt der Ausfall der Großveranstaltungen zu Buche. „Das Loch ist immens“, sagt er. Lediglich die Einnahmen der normalen Wachdienste zum Beispiel in Gebäuden fließen hier noch.

Lutzeier und Görlitz haben im Frühjahr die Soforthilfe der bayerischen Staatsregierung bekommen. Auch die von Ministerpräsident Markus Söder angekündigten neuerlichen Hilfen wollen sie beantragen. Das Geld ist angesichts der enorm hohen Ausfälle aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. „Natürlich hatten wir Rücklagen, aber die sind langsam aufgebraucht“, sagt Lutzeier. Er sieht auch keine Perspektive. „Im nächsten Jahr wird sich nichts ändern – auch wenn ein Impfstoff kommt“, sagt er und verweist darauf, dass es dauern werde, bis die Bevölkerung vollständig durchgeimpft ist.

Fehlende Lobby

Dass man die Risikogruppen schützen müsse, sei klar, sagt der Brucker. Er weiß, wovon er spricht. Im März hatte er selbst eine Corona-Infektion durchgemacht. „Außer einer Lungenentzündung hatte ich vom Geschmacksverlust bis zum Fieber alle Symptome“, erzählt Lutzeier. Zu allem Übel hatte er auch seine Mutter und seinen Stiefvater angesteckt, die beide der Risikogruppe angehören. Sie hatten zum Glück aber einen milden Krankheitsverlauf, wie Lutzeier betont und damit den Risikogruppen Mut machen will.

Bei allem Schutz kann der Brucker aber nicht nachvollziehen, dass eine ganze Branche leiden muss, die zuletzt ausgeklügelte Hygienevorschriften erarbeitet und umgesetzt hat. Görlitz führt das auch auf die fehlenden Lobbyverbände der Veranstaltungsbranche zurück. Dabei würden Kultur, Musik und Veranstaltungsbranche doppelt so viele Mitarbeiter beschäftigen wie etwa die Autoindustrie. „Da werden über 100 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet und entsprechend viel Steuern gezahlt, aber wir sind zu leise“, sagt der Ex-Profi. Mit Gerechtigkeit habe es nichts zu tun, wenn die Künstler und Veranstalter von der Politik kaum gehört würden.

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