In Bruck

Die Fürsten der Mini-Welt

Fürstenfeldbruck – „Im wahren Leben kann man nicht neu würfeln“. Unter diesem Motto veranstalteten die „Feldfürsten“ einen großen Tabletop-Spieletag. Tabletop, auf Deutsch Tischplatte, ist ein Strategiespiel, bei dem verschiedene Welten bis ins kleinste Detail nachgebaut werden.

 Wenn Patrick Bücherl über sein Hobby berichtet, gibt es oftmals ungläubige Blicke. „Ich liebe Brettspiele“, sagt der 27-jährige Brucker. Wobei, eigentlich ist er ein begnadeter Tabletop-Spieler. „Aber das verstehen die meisten nicht, also sagen wir Brettspiele“, lacht Bücherl.

Tabletop, das ist weder Mensch-Ärger-Dich-Nicht, noch Monopoly. Tabletop, auf Deutsch Tischplatte, ist ein Strategiespiel, bei dem Szenarien aus verschiedensten fiktionalen und historischen Welten nachgespielt werden. Zugegebenermaßen ein Hobby, das (noch) nicht den Stellenwert des Nationalsports Fußball erreicht hat. Dennoch gibt es seit mehr als einem Jahr einen eigenen Verein: die Feldfürsten.

Sie haben mittlerweile ihren Ursprung, einen kleinen Keller in Puch, verlassen. Seit diesem Jahr haben sie eine Kooperation mit dem Fürstenfeldbrucker Jugendzentrum Nord. Drei Mal die Woche treffen sich die 27 Mitglieder und spielen gegeneinander. Einen ganz besonderen Termin gab es vor kurzem. Zusammen mit dem Partner „Roll the Dice“ veranstalteten die Feldfürsten einen großen, freien Spieletag namens „ReRoll Weekend 2016“.

Beim Tabletop ist vor allem das Würfeln entscheidend. „Man kann die beste Strategie haben, aber wenn man mit dem Würfeln kein Glück hat, dann kann man den Sieg vergessen“, erzähl der 40-jährige Martin Leszczynski, der sich selber als Opa der Feldfürsten bezeichnet. Das Besondere an diesem Wochenende: Wenn dem Spieler die gewürfelte Zahl nicht gefällt, kann er sein Glück erkaufen. Bei jedem Spiel dürfen beliebig viele Würfel für je 50 Cent pro Würfel neu geworfen werden. Diese 50 Cent pro neu geworfenem Würfelwurf gehen zu 100 Prozent an den Weissen Ring.

„Ich bin erst seit einem Jahr in Fürstenfeldbruck und finde es toll, was die Feldfürsten leisten“, erzählt Kai Otte. Der 37-Jährige hat sich aber, nicht wie seine Kollegen, auf Tabletop, sondern auf Sammelkartenspiele spezialisiert. Viele würden bei solchen Hobbys nur „den Nerd im Kopf haben“. Das sei aber ein Vorurteil. „Man lernt die unterschiedlichsten Leute kennen. Egal ob Handwerker, Student oder IT-Fachmann“, meint der 23-jährige Mathias Hanisch aus Grafrath.

Die meisten Tabletop-Spieler seien bereits seit ihrer Kindheit dabei, aber es gebe auch unzählige Neueinsteiger. „Bei manchen Spielen muss ich auch immer wieder in das Regelheft schauen“, sagt Hanisch. Diese Spielverzögerung nehmen die „Feldfürsten“ aber gerne in Kauf.

Was sie so sehr an Tabletop fasziniere? Da sind sich alle einig: Die Vielfalt an Welten, egal ob historisch oder fiktional, führe dazu, dass sich einzigartige Geschichten im Kopf abspielen. Und nach den ersten ungläubigen Blicken auf die Frage nach dem Hobby, seien die meisten Menschen wahnsinnig fasziniert, da die Spiele ja nicht nur gespielt, sondern auch gebaut, bemalt und gepflegt werden müssen.

Und eine Gemeinsamkeit haben Fußball und Tabletop doch: „Wir haben auch Spiele, bei denen man Tore schießen kann. Nur sind die deutlich komplexer“. (Tim Grübl)

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