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Der Fürstenfelder Kinosommer soll  auch in diesem Jahr im Stadtsaalhof Filmfans anlocken – aber mit weniger Publikum.

Nach der Krise

Fürstenfeld: Neustart mit Klavier- und Kinosommer

  • Ingrid Zeilinger
    vonIngrid Zeilinger
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Seit dem Lockdown ist das kulturelle Leben im Veranstaltungsforum zum Erliegen gekommen. Kongresse, Messen, Konzerte und mehr mussten abgesagt werden. Doch nach den ersten Lockerungen bereitet man sich auf den Neustart vor. 

Fürstenfeldbruck – Fürstenfeld-Chef Norbert Leinweber berichtet im Interview, wie es derzeit aussieht, und worauf sich die Kulturfreunde in den nächsten Wochen freuen dürfen.

Wie hat die Corona-Krise Fürstenfeld getroffen?

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben auch das Veranstaltungsforum mit voller Wucht getroffen. Daran vermag leider auch das in Fürstenfeld praktizierte Zweisäulenmodell – also kulturelle und kommerzielle Veranstaltungen gleichberechtigt nebeneinander – nichts zu ändern, da beide Eventbereiche gleichermaßen betroffen sind. Infolge der aktuell gültigen Allgemeinverfügung der Staatsregierung ergibt sich eine „Quasi-Schließung“ des Veranstaltungsbetriebs bis zum August 2020.
 Auf Basis dieser Vorgabe hat die Werkleitung eine angepasste Hochrechnung des zu erwartenden Jahresergebnisses vorgenommen. Der Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs weist für 2020 einen jährlichen Etat von mehr als drei Millionen Euro aus. Verglichen mit unserem Wirtschaftsplan wird sich das Jahresergebnis um rund 33,2 Prozent verschlechtern. Eine Schließung beziehungsweise Einschränkungen bis zum Jahresende würden zu einer weiteren Verschlechterung führen.

Wie geht es den Mitarbeitern?

Zunächst einmal sind all unsere Mitarbeiter gesund – das ist das Wichtigste. So wie unsere Kollegen der Stadtverwaltung hat auch unser Team in März und April in zwei getrennten Teams gearbeitet – je eine Gruppe vor Ort im Veranstaltungsforum und die andere im Homeoffice. Um alle Angestellten sinnvoll zu beschäftigen, wurden Inventur-, Sonderreinigungs-, Wartungs- und Reparaturarbeiten sowie alle möglichen organisatorischen und administrativen Aufgaben, die üblicherweise im Sommer und Herbst erledigt werden, auf das Frühjahr vorgezogen. Durch die anhaltende Schließung und Einschränkung werden wir nun in Übereinstimmung mit dem Team Kurzarbeit für einen Großteil unserer Stammbelegschaft, insbesondere in den Bereichen des technischen Personals, des Kartenservice Fürstenfeld sowie des Veranstaltungsmanagements beantragen.

Viele Veranstaltungen mussten abgesagt werden, was passiert mit verkauften Eintrittskarten?

Im Kulturbereich sind besonders die Absagen des Zauber-Festivals „Hocus Pocus Fürstenfeld“, des internationalen Tanzfestivals „dancefirst“ und des „Deutschen Ballettwettbewerbs“ schmerzhaft. Für die meisten der betroffenen Veranstaltungen unserer Abonnementreihen als auch für Einzelveranstaltungen konnten erfreulicherweise Ersatztermine im Herbst/Winter und im kommenden Jahr gefunden werden. Über alle betroffenen öffentlichen Veranstaltungen informieren wir unsere Kunden in einer wöchentlich aktualisierten Liste unter www.fuerstenfeld.de. Hier finden sich auch alle Infos zur Rückgabe von Tickets.

Manche Häuser denken über Livestreams von Konzerten im leeren Saal nach. Ist das für Sie ein Thema?

Über diese Möglichkeit haben wir im Team diskutiert und uns dann dagegen entschieden. Das Veranstaltungsforum ist ein Ort, der von der Begegnung untereinander und von der direkten Kommunikation lebt.
 Eine CD zu hören, kann nicht den gleichen Eindruck wie ein Live-Konzert vermitteln. Künstler benötigen die Rückmeldung des Publikums und sie interagieren mit diesem. Bei Streamings würde dieser elementare „Feinstoff“ verloren gehen.

Sehen Sie mit den aktuellen Beschränkungen Chancen für Veranstaltungen?

Unter Einhaltung der Abstandsregel von 1,50 Meter würden in unseren Stadtsaal eigentlich noch 209 Personen, in den Kleinen Saal 70 und in den Säulensaal 48 Personen passen. Die nun ab dem 15. Juni bis auf unbestimmte Zeit gültige Regelung – maximal 50 Gäste innen, 100 im Freien – unterläuft unsere Planungen für einen Neustart.  
 Weder unterschiedliche Raumgrößen noch Unterschiede der jeweiligen Infrastruktur, etwa die Qualität der Lüftungstechnik, finden bei dieser starren Vorgabe Berücksichtigung. Übertragen auf das Veranstaltungsforum bedeutet dies zum Beispiel, dass der gut viermal größere Stadtsaal nur für dieselbe Personenzahl genutzt werden dürfte wie der Säulensaal. Indoor-Veranstaltungen mit maximal 50 Personen sind aus der Veranstalterperspektive sowie aus Sicht der meisten Besucher ebenso unattraktiv wie Open-Air-Events mit 100 Gästen. Hier haben die Österreicher – auf deren Vorgaben sich unsere Staatsregierung ja zunächst immer bezogen hatte – ein deutlich besseres Konzept. Die Lockerung läuft dort in klaren Schritten, zuerst 100 Gäste, ab 1. Juli 250, ab 1. August bis zu 1000.

Gibt es schon konkrete Termine für erste Events?

Wir wollen den Kopf nicht in den Sand stecken und bemühen uns für den „Fürstenfelder Klaviersommer“ um eine Sondergenehmigung für bis zu 150 Personen im Stadtsaal. Wir haben hierzu ein detailliertes Hygienekonzept erarbeitet und den zuständigen Behördenvertretern bereits präsentiert. Nach sorgfältiger Prüfung aller veranstaltungsspezifischen sowie infrastrukturellen Gegebenheiten sind wir fest davon überzeugt, dass diese drei Solo-Klavierkonzerte (27. Juni, 10. und 24. Juli) gefahrlos veranstaltet werden können.
 Neben großzügigen Abstandsflächen sowie hohen Reinigungs- und Hygienestandards tragen besonders unsere leistungsfähigen Lüftungsanlagen zur maximalen Sicherheit bei: In unseren Sälen, Foyers und WCs wird die Luft nicht umgewälzt, sondern permanent erneuert.
 Auch der „Fürstenfelder Kinosommer“ soll von Juli bis August stattfinden. Mit etwas Glück könnte sich noch ein mehrtägiges hochkarätig besetztes Kabarett- und Comedy-Festival – ebenfalls Open Air im Stadtsaalhof – anschließen. Voraussetzung für beide Events ist allerdings eine Besucherkapazität, die nicht wesentlich unter 400 Personen liegen sollte. Immerhin ist der Hof ja gut 2 000 Quadratmeter groß.

Wie sieht es mit Messen und Kongressen aus?

Bei Tagungen und Seminaren gibt es viele Stornierungen. Neuanfragen für das laufende Jahr gibt es momentan nur noch vereinzelt. Immerhin kamen neben diversen Gremiumsveranstaltungen von Stadt und Landkreis aber bisher eine zweitägige IHK-Prüfung, eine zweitägige Steuerberaterprüfung sowie eine Tagung des Bayerischen Landkreistags neu hinzu. Wir hoffen, dass ab Anfang Juni wieder regelmäßig Seminare bei uns sowie in den Räumlichkeiten des Fürstenfelders stattfinden werden. Auch Hochzeitsfeiern sind für den Sommer noch geplant. Bei Messen und Publikumsveranstaltungen mussten unter anderem der Fürstenfelder Ostermarkt, die Internationale Erlebniswelt Fliegenfischen, KeKuKa, Animuc, die Naturfototage, die Gesundheitstage, die Gartentage, das Weinfest und die Ritterspiele abgesagt werden.
 Unser Neustart in diesem Bereich soll mit dem Töpfer- und Kunsthandwerkermarkt erfolgen, der auf den 3. und 4. Oktober verlegt wurde. Dieser Traditionsmarkt ist ja nicht anders zu bewerten als die Grünen Märkte am Viehmarktplatz und am Geschwister-Scholl-Platz. Und wir haben in Fürstenfeld ja sogar wesentlich mehr Platz zum Einhalten des nötigen Abstands.

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