Mit der „Ode an die Freunde“ hat es begonnen: Dieses Stück spielte Rupert Habersetzer als erstes mit seiner Trompete.

Fürstenfeldbruck

50 Balkonkonzerte als Corona-Lichtblick

50 Tage lang haben sie jeden Abend musiziert: Einer mit Trompete und einer mit Akkordeon – auf Abstand, jeder von seinem Balkon aus. Die musikalische Viertelstunde um sechs der „Ährenfeld-Band“ wurde zum Treffpunkt der Nachbarschaft Am Ährenfeld und war für viele ein Lichtblick im Corona-Lockdown.

FürstenfeldbruckJeden Abend, pünktlich um 18 Uhr, ging es los: Dann haben sich die Anwohner vom Ährenfeld auf ihre Balkone und in ihre Gärten gestellt und zusammen Musik gemacht – seit dem 22. März. An jenem Sonntag war deutschlandweit dazu aufgerufen worden, von Balkonen und Fenstern aus um 18 Uhr „Freude schöner Götterfunken“ zu spielen und zu singen, um ein Zeichen zu setzen gegen die Krise.

Rupert Habersetzer und Klaus Trnka waren sofort begeistert und spielten das Stück mit. Und dann haben sie einfach weitergemacht – immer auch „um all den Ärzten, Pflegern und Krankenschwestern und den Menschen an den Supermarktkassen Danke zu sagen“, erzählt Marianne Habersetzer im Rückblick.

Zuerst waren es nur Habersetzers Trompete und Trnkas Akkordeon. Dann kam ein elektrisches Klavier aus dem Garten gegenüber mit dazu, dann einmal zwei Blockflöten, immer wieder eine Querflöte und schließlich war gar ein Schlagzeug zu hören. Mal haben einige Nachbarn mit Liedblättern mitgesungen, mal einfach nur zugehört.

Relativ schnell hat die Gruppe das Repertoire erweitert. Zur „Ode an die Freude“ gesellte sich die Bayernhymne. Beide Stücke bildeten bald den Rahmen des Konzerts. Zwischendrin spielte sie ganz unterschiedliche Stücke: Vivaldis „Frühling“ war dabei oder auch „Halleluja“ von Leonhard Cohen – von dem es mittlerweile einige Corona-Versionen in den Sozialen Medien gibt – oder auch das Lied von der Biene Maja. Denn auf der Straße und im Garagenhof standen auch jeden Abend die Kinder der Nachbarschaft, haben gelauscht und gesungen, geklatscht und gelacht. An manchen Abenden wurden es auch mehr Musikstücke. Und wenn jemand Geburtstag hatte, gab’s ein Ständchen.

„Irgendwann haben die Nachbarn gefragt, ob sie sich auch ein Lied wünschen dürfen“, erzählt Marianne Habersetzer. Dann haben sie Liedblätter kopiert und in die Nachbarhäuser eingeworfen. Geübt hat jeder für sich alleine. „Zusammen geübt haben wir dann am Abend beim Konzert.“

Für viele Menschen in der Nachbarschaft war die abendliche Musikstunde nun ein fester Termin im „Wir bleiben zu Hause“-Alltag: Die einen hörten vom Home Office-Arbeitsplatz zu, die anderen aus der Küche, wo sie gerade das Abendessen für die Familie vorbereiteten. Andere stellten sich in den Garagenhof unterhalb von Trnkas Balkon, sogar Passanten blieben auf den Gehwegen stehen. „So einfach entsteht Gemeinschaft“, sagt eine regelmäßige Zuhörerin aus der Nachbarschaft.

Mit der Ankündigung der Lockerungen und der Hoffnung auf ein wieder normaleres Leben hat „die Ährenfeld-Band“, wie Habersetzer die Musiker nennt, kürzlich zum letzten Mal ihr Balkonkonzert gegeben. Aber zum jetzt angekündigten Garagenfest, wenn wieder alles ganz normal ist, wollen sie noch einmal aufspielen. (Verena Schmöller)

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