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35 Euro Strafe musste Andreas Debler zahlen. Der Grund steht in kleiner Schrift auf dem Schild. 

Bahnhof in Fürstenfeldbruck

Ärger am Parkplatz: Strafzettel trotz Parkticket - weil Pendler bevorzugt werden?

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35 Euro Strafe, obwohl man ein Parkticket gelöst hat? Solch einen Strafzettel bekamen einige Autofahrer am P+R-Parkplatz der Stadt. Sie sprechen von Abzocke durch die Stadtverwaltung. Doch die sieht sich im Recht.

Fürstenfeldbruck – Andreas Debler (58) ist sauer. Als er das Parkdeck an der Oskar-von-Miller-Straße schräg gegenüber des Arbeitsamts beim S-Bahnhof Fürstenfeldbruck nutzte, erhielt er einen saftigen Strafzettel in Höhe von 35 Euro – obwohl er eigentlich ein Tagesticket für zwei Euro gelöst hatte. Was er nicht wusste: Die Nutzung des Parkplatzes ist nur erlaubt, wenn man auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigt. Debler musste aber ins Arbeitsamt.

Fürstenfeldbruck: Bei Einfahrt zum Parkplatz steht ein Schild zum Thema Ticket

Nachzulesen ist diese Regel auf einem Schild bei der Parkplatzeinfahrt. „Das ist aber nur sehr klein geschrieben und weit oben angebracht“, sagt Debler. Bei der Einfahrt in den Parkplatz sei das aus dem Auto heraus kaum lesbar, beschwert sich der 58-Jährige.

Was ihn jedoch am meisten ärgert, ist das Verhalten der Parkraumüberwacher. Anstatt ihn über diesen Umstand aufzuklären, hätten sie ihm regelrecht aufgelauert, erzählt Debler. Erst nachdem er das Zwei-Euro-Ticket gekauft und ins Auto gelegt hatte und von seinem Termin beim Arbeitsamt zurückkehrte, hätten die zwei Frauen ihn angesprochen. „Sie haben von mir einen Fahrschein verlangt, als Beweis, dass ich mit der S-Bahn fahre“, sagt Debler. Als er den nicht vorweisen konnte, gab es den 35-Euro-Strafzettel, den er noch vor Ort beglich. Pikant: Als normaler Parksünder hätte er lediglich zehn Euro Strafe bezahlen müssen.

Drei weitere Autofahrer wegen Parktickets in Fürstenfeldbruck zur Kasse gebeten

Debler war nicht der Einzige, den es erwischte. Noch während er sein Erlebnis schildert, werden drei weitere Autofahrer zur Kasse gebeten. Verständnis für dieses Vorgehen hat keiner der Betroffenen. „Sie hätten uns doch einfach darauf ansprechen können“, meinte eine Frau. Auch sie wollte ins Arbeitsamt, auch ihr war die ungewöhnliche Parkregelung nicht bewusst.

Ebenso Christian Fuhrmann. Er wollte einen an Multiple Sklerose erkrankten Freund vom Bahnhof zum Arbeitsamt bringen, sein Auto stellte er für die Zeit auf dem Parkdeck ab, mit Zwei-Euro-Ticket hinter der Windschutzscheibe. Auch er erhielt auf dem Rückweg das 35-Euro-Knöllchen. Er gibt sich kämpferisch: „Das zahle ich sicher nicht.“ Das Vorgehen der Kontrolleure sei eine „bodenlose Frechheit“.

Stadt Fürstenfeldbruck bestätigt Regelung - und glaubt sich im Recht

Eine Sprecherin der Stadt bestätigt den Vorgang: „Die Kontrolleure sprechen die Parkenden auf dem Rückweg zum Auto an.“ Wer dann keinen Fahrschein vorweisen kann, muss die 35 Euro blechen. Aber auflauern würden die Kontrolleure den Parkenden nicht, so die Sprecherin der Stadtverwaltung: „Das ist ein ganz normaler Vorgang.“

Sie räumt aber ein, dass sich an besagtem Tag die Situation hochgeschaukelt habe und innerhalb kurzer Zeit gleich mehrere Personen betroffen waren. Grundsätzlich würden die Kontrolleure Autofahrer schon darauf aufmerksam machen, wenn sie unerlaubt das Parkdeck nutzen. Doch wenn viel Betrieb ist, „kann im Einzelfall schon mal jemand durchrutschen“, erklärt die Stadtsprecherin. Derjenige muss dann die 35 Euro Strafe zahlen.

Alternative wäre der Parkplatz der Bahn

Den Ärger könne sie zwar nachvollziehen, doch wegen des enormen Parkdrucks in dem Bereich, müsse die Stadt die Durchsetzung der Regeln dort einfach kontrollieren. Und offenbar erwischt es einige Autofahrer. „Es häuft sich dort schon“, sagt die Rathaussprecherin. Alternativ könnten die Autofahrer ja den Parkplatz der Deutschen Bahn nutzen. Dort sei kein Fahrschein nötig.

Ein größeres oder weiter unten angebrachtes Schild, das die Nutzungsbedingungen des Parkplatzes an der S-Bahn deutlich macht, sei aktuell jedoch nicht angedacht: „Beim Parkplatz am Trimm-Dich-Pfad hängt ein 1,5 auf 1,5 Meter Schild. Das ignorieren die Leute trotzdem“, so die Sprecherin.

Kommentar pro Stadt: Wer trickst, soll zahlen

Pech gehabt, liebe Autofahrer. Denn wie es der Name schon sagt, ist das Deck eben ein Parkplatz für die Pendler und nicht für die Menschen, die nur mal schnell in der Stadt was erledigen wollen. Wer selbst schon einmal mehrfach auf den S-Bahn-Parkplätzen gekreist ist und eine freie Lücke gesucht hat, der weiß, wie viele Pendler dieses Angebot dringend brauchen. Schließlich ist es gewünscht, dass sie ihr Auto stehen lassen und öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Und damit Bahnkunden ihren Parkplatz auch bekommen, haben die städtischen Parküberwacher das Recht, die Falschparker, die nur mal schnell zur Bank, zum Arbeitsamt oder zum Einkaufen wollen, zur Kasse zu bitten – zumal es wenige Meter weiter ja ein weiteres Parkdeck gibt, das sie nutzen könnten. Klar sind 35 Euro im Vergleich zu zwei Euro Parkticket viel. Aber wer trickst, der muss auch die Konsequenzen tragen und das Knöllchen bezahlen. (Ingrid Zeilinger)

Kommentar contra: Gefühl der Abzocke

Rein rechtlich mag die Stadt korrekt handeln, wenn sie Falschparkern ein Bußgeld von 35 Euro aufbrummt. Wer den P+R-Parkplatz am Bahnhof nutzen will, muss dies mit einem gültigen Fahrschein tun. In der praktischen Umsetzung verhalten sich die Stadt und deren Mitarbeiter aber mehr als unglücklich. Ein auf zwei Meter Höhe montiertes und klein bedrucktes Schild reicht nicht aus, um potenzielle Parker über die für viele Autofahrer ungewöhnliche und unbekannte Regelung aufzuklären. Dass die Kontrolleure die vermeintlichen Parksünder oftmals erst auf dem Rückweg zum Auto ansprechen, führt zwangsläufig dazu, dass diese sich beobachtet und abgezockt fühlen. Dass sie dann sogar noch 25 Euro mehr an Strafe bezahlen müssen, als wenn sie gar kein Parkticket gelöst hätten, widerspricht jedem Gerechtigkeitsempfinden – das kann nicht im Sinne der Stadtverwaltung sein. (Thomas Benedikt)

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