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Nur ohne Symptome zur Untersuchung in offiziellem Zentrum: Kritik an neuer PCR-Test-Regel erfolgreich

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Von: Thomas Steinhardt

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PCR-Tests dürfen bei Menschen mit Corona-Symptomen nur noch Ärzte durchführen.
PCR-Tests dürfen bei Menschen mit Corona-Symptomen nur noch Ärzte durchführen. © Beispielfoto: dpa

Das Coronavirus greift wieder um sich – und damit steigt auch die Nachfrage nach PCR-Tests. Der Weg dahin ist manchmal aber kompliziert - und die geltende Hausarzt-Regelung dürfte sich als nicht realitätstauglich erweisen.

Update 5. November:

Nun dürfen Menschen mit Corona-Symptomen doch einen PCR-Test in einem der offiziellen Testzentren machen lassen. Das berichtete eine Sprecherin des Landratsamts am Freitag nach einer entsprechenden E-Mail aus dem Gesundheitsministerium. Bislang hatte es geheißen, dass Menschen mit Symptomen zu einem Arzt gehen müssen. Voraussetzung für die kostenlose Testung in einem der Zentren in Germering und Bruck ist ein positiver Antigen- oder Poolingtest. Die Abrechnung erfolgt in diesen Fällen nicht über die Krankenkassen, sondern über die öffentliche Hand.

Das war die Erstmeldung

Fürstenfeldbruck - Ein junger Mann hat trotz Impfung plötzlich coronaartige Symptome. Mehrere Selbsttests sind positiv – und das an einem Wochenende. Die Suche nach Hilfe und vor allem nach einer genaueren Untersuchung der Symptome beginnt – und jetzt wird es kompliziert. Denn in den offiziellen Testzentren des Landkreises dürfen sich Menschen, die Symptome aufweisen, ausdrücklich nicht mehr testen lassen.

Was im ersten Moment wie ein Schildbürgerstreich klingt, ist aber tatsächlich Realität, wie eine Sprecherin des Landkreises bestätigt. Die aktuelle Regelung besagt: Wer Anzeichen einer Corona-Erkrankung hat und sich mit einem PCR-Test untersuchen lassen will, muss zu einem niedergelassenen Arzt. In den offiziellen Zentren werden nur Personen getestet, die keine Krankheitszeichen aufweisen. Allerdings ist es nicht so einfach, einen Arzt zu finden, der die Aufgabe übernehmen kann und will, zumal am Wochenende. Eine fast schon verzweifelte Suche beginnt.

Tatsächlich stellt sich immer mehr heraus, dass die geltende Regelung nicht wirklich funktioniert. „Die Hausärzte können es nicht leisten, die Menschen mit Symptomen zu testen“, sagt Andreas Forster, Sprecher des ärztlichen Kreisverbands Fürstenfeldbruck nach Rückmeldungen aus der Ärzteschaft. Die PCR-Tests seien für die Kollegen nicht zu machen, zumal es ja so viele Fälle gebe.

Alles andere stehe still in einer Praxis, wenn eine Person mit Corona-Symptomen getestet werden soll, der Aufwand sei groß und die Logistik richtig schwierig, sagt Forster. Da habe mal wieder keiner draufgschaut, wie die Realität ist, sagte er auf Nachfrage.

Aufgabe der Ärzte

Eine Sprecherin der Kreisbehörde erklärt, dass man die aktuelle Regelung ja nicht erfunden, sondern nur Vorgaben aus Bund und Land umgesetzt habe. Seit Tests nicht mehr kostenlos sind, habe der Freistaat ausdrücklich darauf verwiesen, dass die Krankenkassen die Kosten für eine PCR-Untersuchung tragen müssen. Somit seien die PCR-Tests bei Menschen mit Symptomen Aufgabe der Hausärzte. Diese verfügten anders als der Landkreis über entsprechende Abrechnungsmöglichkeiten mit den Kassen. Eine Abrechnungsstruktur für die Testzentren zu schaffen, wäre wohl zu kompliziert und auch nicht sinnvoll, hieß es. Wenn jemand Symptome habe, sei er krank und damit beim Arzt richtig aufgehoben, sagte die Sprecherin.

Der Sprecher der Brucker Ärzte indes berichtet, dass die Mediziner versuchen, sich zu organisieren und dass es bereits Verhandlungen mit dem Landratsamt in dieser Frage gebe. Denn im Moment würden die Leute allein gelassen.

Kontaktnachverfolgung wird aufgestockt – Klinik will Besuchsregeln überdenken

Im Hintergrund weiter am Arbeiten ist das Team, das Kontakte von Infizierten ermittelt (Contact Tracing). „Es können derzeit alle Kontaktpersonen ermittelt und kontaktiert werden“, sagt eine Sprecherin des Landratsamts auf Nachfrage. Das sei freilich nicht immer tagesaktuell möglich. Gerade am Wochenende und zu Beginn der Woche könnten unter Umständen nicht alle Fälle am selben Tag abgearbeitet werden. Enge Kontaktpersonen würden in der Regeln nach einem bis maximal zwei Tagen kontaktiert.

Wer positiv auf das Coronavirus getestet wurde, sollte nach Möglichkeit bereits vorab schnellstmöglich alle Personen, mit denen engerer Kontakt bestand, schnellstmöglich über die bestehende Infektion informieren.

Diese Woche beginnen zusätzlich drei neue festangestellte Mitarbeiter im Bereich der Kontaktermittlung. Dazu kommen drei Unterstützungskräfte aus Polizei und Finanzamt. Diese seien aufgrund der stark steigenden Fallzahlen in der vergangenen Woche abgerufen worden. Das CTT habe damit samt Koordination 40 Mitarbeiter, davon viele in Teilzeit. Gearbeitet wird in einem Schichtmodell an sieben Tagen pro Woche.

In der Kreisklinik sah man sich neulich einem Vorwurf ausgesetzt, gegen die eigenen Besuchsregeln verstoßen zu haben. Eine Mutter beklagte, dass anders als in den Regeln (Kinder unter sechs Jahren zählen nicht als Besucher) festgehalten, nicht alle ihre drei Kinder zu ihr auf die Station kommen durften. Das sei eine Einzelfallentscheidung gewesen, sagte eine Sprecherin der Klinik auf Nachfrage. In dem betreffenden Zimmer seien schon andere Besucher gewesen, so dass man den Besuch der zweiten Familie nur nacheinander erlaubt habe. Man sei mit den Regeln seit September eigentlich gut gefahren, sagte die Sprecherin und immer sehr kulant gewesen.

Angesichts stetig wachsender Infektionszahlen müsse man aber überlegen, ob man die gerade geltenden Regeln noch beibehalten könne – der Corona-Krisenstab der Klinik tage ja ohnehin seit einiger Zeit wieder regelmäßig. Sie erinnert an den Impf-Appell der Ärzte. st

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