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Schlummern unter dem Fliegerhorst gefährliche Altlasten? Das vermutet der Umweltbeirat von Fürstenfeldbruck.

Umweltbeirat fordert Untersuchungen

Altlasten auf Fursty vermutet

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Schlummern unter dem Fliegerhorst gefährliche Altlasten? Das vermutet der Umweltbeirat von Fürstenfeldbruck – und fordert Untersuchungen, damit die Stadt bei der Neuplanung des Areals nicht plötzlich aus allen Wolken fällt.

FürstenfeldbruckWenn die Bundeswehr 2023 vom Fliegerhorst abzieht, kann die Gestaltung eines neuen Stadtviertels beginnen. Doch die Planer wissen nicht, welche Gefahren im Boden schlummern. Blindgänger – Fursty wurde 1945 von den Amerikanern bombardiert – und Altlasten in Gebäuden sind das eine. Weitaus mehr Sorgen macht dem Umweltbeirat der Stadt die Stoffgruppe der per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC).

Diese Stoffe sind in Löschschaum, aber auch in Haushaltsprodukten und Konsumartikeln wie Skiwachs oder Outdoorjacken vertreten. „Einige dieser Substanzen sind krebserregend, bei anderen besteht der Verdacht, dass sie erbgutverändernd sind“, erklärt Martin Höckenreiner, Mitglied im Umweltbeirat und als Geologe beruflich mit Altlastensanierungen befasst.

Per- und polyfluorierte Chemikalien

PFC können vom Wasser gut abtransportiert werden, kontaminieren auf ihrem Weg den Boden und sind nur schwer zu beseitigen. Bei einigen spricht das Umweltbundesamt von „besorgniserregenden Eigenschaften“.

PFOS, ein besonders besorgniserregender Stoff aus der Gruppe der PFC, wurde bis 2011 auf Fursty verwendet, berichtet Höckenreiner. Daher sei es naheliegend, dass Rückstände im Boden oder im Grundwasser zu finden sind. Denn auch Untersuchungen bei anderen Flugplätzen hätten das bestätigt – etwa in Manching.

Was Höckenreiner stört: „Man schaut nicht nach, obwohl klar ist, dass etwas da sein muss.“ Zuständig für den Vollzug der Bodenschutzgesetze ist das Landratsamt. Doch das sei in diesem Bereich offensichtlich schwach aufgestellt. Man verlasse sich wohl auf Aussagen der für Liegenschaften der Bundeswehr zuständigen Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten. Doch Untersuchungen würden fehlen.

„Wir stehen erst ganz am Anfang“, sagt Höckenreiner. Und die Zeit dränge. Seine Erfahrung mit Altlastenuntersuchungen zeige: Von der ersten historischen Erkundung bis zum Sanierungsplan könnten sieben Jahre vergehen. „Und ohne hinreichende Kenntnis der Altlastensituation ist keine vernünftige Bauleitplanung möglich.“

Bei einer öffentlichen Sitzung informierte der Beirat auch die Bürger über das Thema. „Wir wollen nicht anklagen sondern zusammenarbeiten und die Stadt vor Schaden bewahren“, sagt Georg Tscharke, der Vorsitzende des Umweltbeirates. Etwa davor, Grundstücke zu teuer zu kaufen. Denn wer für die Altlastenbeseitigung aufkommt, ist nicht fest geregelt. Das kann der Verkäufer genauso sein wie der Käufer.

Tscharke, der von 1981 bis 1988 Offizier am Fliegerhorst war, hat selbst historische Erkundungen eingeholt. Nach Gesprächen mit Zeitzeugen hat er zwölf mögliche Problempunkte ausgemacht: darunter ein ehemaliges Tanklager der Amerikaner, ein Heizhaus, die Druckerei, eine Pipeline, die von Norden nach Süden verlief, sowie den Fahrzeug- und Flugzeugbereich.

„Der Löschplatz nahe des alten Towers war lange unbefestigt, da ist das Löschwasser einfach im Boden versickert“, sagt Tscharke. Erst Anfang der 80er-Jahre sei ein provisorisches Feuerlöschübungsbecken gebaut worden. Zudem habe es in diesem Zeitraum eine größere Leckage im Öltank gegeben. Er habe auch herausgefunden, sagt Tscharke, dass die Amerikaner alles Mögliche in ein großes Freilager versenkt und mit Platten abgedeckt hätten.

Nachricht aus Maisach: PFC im Grundwasser und im Kiessee Gernlinden - aber weit unter Schwellenwert

All diese Informationen hat der Umweltbeirat der Stadt übergeben. Nun will das Gremium abwarten, was weitere Untersuchungen ans Tageslicht bringen. Aus Maisach kam kürzlich die Kunde, dass im Grundwasser und im Kiessee Gernlinden zwar PFC nachzuweisen sei, aber unterhalb des Schwellenwertes.

Auch auf Brucker Flur rechnet Höckenreiner mit einem Fund. Die Frage sei, was auf dem Areal geplant sei. Die Planungen müssten die Belastungssituation und gegebenenfalls nötige Sanierungsmaßnahmen berücksichtigen. Dies könnte eine Grundwasserreinigung sein, aber auch Einkapselungen oder Oberflächenabdichtungen seien denkbar. Höckenreiner rät, dass aufgrund der Brisanz der Stoffgruppe der PFC umfassende Untersuchungen hierzu möglichst bald erfolgen sollten.

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