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Ein Gerüst am Kirchturm von St. Bernhard soll verhindern, dass Brocken auf Menschen und geparkte Autos fallen.

St. Bernhard

Am Kirchturm bröckelt der Putz

Am Kirchturm von St. Bernhard bröckelt der Putz. Damit keine Betonstücke auf die Menschen fallen, ist der Weg um den Turm herum gestern gesperrt worden. Auch die Glocken läuten morgens nicht mehr. Es folgt eine umfangreiche Sanierung.

Fürstenfeldbruck – Schon seit längerem löst sich immer wieder Putz am 43 Meter hohen Glockenturm von St. Bernhard. Deshalb wurde unten am Turm ein Gerüst angebracht. Doch in den vergangenen Tagen sind immer wieder größere Stücke abgefallen. Daher sahen sich die Verantwortlichen zu einem weiteren Schritt gezwungen: „Wir sperren den Weg rund um den Turm“, sagt Markus Amann, Verwaltungsleiter des Pfarrverbandes Fürstenfeld. „Es sind Stürme vorhergesagt, wir müssen auf Nummer sicher gehen.“ Gestern wurde eine provisorische Sperre errichtet und Warnschilder aufgestellt – bis die Stadt eine richtige Absperrung vornimmt.

Der Glockenturm im Westen der Stadt ist aus Stahlbeton. 1984 wurde er letztmals generalsaniert. Doch die Verantwortlichen von St. Bernhard wissen schon länger, dass wieder etwas getan werden muss. Doch zuerst musste die Kirchenrenovierung abgeschlossen werden. „Wir müssen sukzessive vorgehen“, erklärt Amann.

Immer wieder fallen größere Brocken vom Putz ab

Im Herbst 2016 wurde es erstmals ernst, die Glocken verstummten einige Zeit. Man untersuchte, wie Wind und Glockenbetrieb die Standfestigkeit beeinträchtigten. Mit positivem Ausgang: Die Schläge und der Schall schienen nicht unbedingt für den bröckelnden Putz verantwortlich. Deshalb durften die Glocken wieder läuten. Parallel begannen die Planungen der Sanierung, in die auch das Erzbischöfliche Ordinariat eingebunden ist. Bis dahin werde der Kirchturm Wind und Wetter standhalten – dachte man.

Doch nun haben sich die Vorzeichen geändert. Immer wieder fielen größere Brocken vom Putz ab. Kurz vor Weihnachten entschieden die Verantwortlichen im Pfarrverband, auf das morgendliche Angelusläuten zu verzichten. Zum einen wegen Streitigkeiten mit Anwohnern, die sich von den Glockenschlägen um 8 Uhr gestört fühlen. Zum anderen aber aus Sicherheitsgründen, wie Stefan Scheifele, kommissarischer Leiter des Pfarrverbandes, erklärt. „Durch die Kälte nachts ist der Putz eher gefroren, durch das erste Läuten könnte sich etwas lösen.“ Er habe so kurz vor Weihnachten nicht alle kirchlichen Gremien zusammenrufen können, erklärt Scheifele. Daher musste er diese Entscheidung fällen.

Sanierung von St. Bernhard wird wohl eine sechsstellige Summe kosten

Gestern stieg ein Gutachter des erzbischöflichen Bauamtes auf den Turm, um sich ein Bild vom Zustand des Putzes zu machen. Danach werde sich entscheiden, ob der Turm ganz eingerüstet werden muss, sagt Amann. Die Glocken müssen vorerst wohl nicht verstummen. Sowohl das Angelusgeläut am Mittag und Abend als auch vor den Gottesdiensten werden die Bürger rund um das Gotteshaus weiter hören.

Die Sanierung wird vermutlich eine sechsstellige Summe kosten. Neben den Arbeiten am Putz wird auch der Glockenstuhl aus Stahl durch einen hölzernen ersetzt. Dadurch klingen die Glocken etwas leiser. Zudem soll eine Schalldämmung eingebaut werden.

„Wir möchten möglichst schnell beginnen“, sagt Amann. Doch die Pfarrei wartet noch auf eine Zusage der erzbischöflichen Finanzkammer, die sich an der Sanierung beteiligt. Und auch in der Pfarrei wird wieder gesammelt. Nachdem die Gläubigen zuletzt ihren Teil zur Kirchensanierung beigetragen haben, gilt es nun, die Eigenbeteiligung für den Glockenturm zu stemmen.

Das Angelusgeläut am Morgen ist abgestellt worden

Der Verzicht auf das morgendliche Angelusläuten hat auch eine emotionale Seite, erklärt Pfarrer Stefan Scheifele, kommissarischer Leiter des Pfarrverbandes Fürstenfeld. Denn Anwohner führen einen Beschwerdekrieg mit der Pfarrei im Brucker Westen. Sie fühlen sich durch das morgendliche Glockenläuten gestört.

Das Angelusgeläut ist dreimal am Tag zu hören: morgens, mittags und abends. Es soll den Gläubigen Struktur für den Tag geben. Doch gerade der Wecker am Morgen ist einigen Anwohnern ein Ärgernis, vor allem am Wochenende.

Ein Kompromiss – das Angelusgeläut wurde schon von 7 auf 8 Uhr verlegt und von drei auf zwei Minuten verkürzt – brachte keinen Frieden. Das untermauerte die Entscheidung, die Glocken morgens aus Sicherheitsgründen stumm zu lassen. „Wir wollten Ruhe vor den Feiertagen.“

Nach Abschluss der Renovierung könnten die Glocken auch morgens wieder läuten, dank der Schalldämmung. „Das ist inzwischen in vielen Kirchen üblich“, erklärt Pfarrer Scheifele. Damit wäre allen geholfen: Den Katholiken, die Wert auf das morgendliche Angelusgeläut legen, und den Bürgern, die dann nicht mehr so heftig von den Glockenschlägen aus dem Schlaf gerissen werden.

von Ingrid Zeilinger

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