Auf dem Christkindlmarkt sind die Amperperchten nicht mehr wegzudenken. Doch der Markt fällt aus und auch der Verein hat alle Auftritte aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt.	archivfoto: kiener
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Auf dem Christkindlmarkt sind die Amperperchten nicht mehr wegzudenken. Doch der Markt fällt aus und auch der Verein hat alle Auftritte aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt.

Fürstenfeldbruck

Pandemie: Amperperchten lassen die wilde Jagd ausfallen

  • Ingrid Zeilinger
    VonIngrid Zeilinger
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  • Ulrike Osman
    Ulrike Osman
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Zur Weihnachtszeit gehören auch die Perchten. Sie treten bei Christkindlmärkten auf und lassen so das Brauchtum wieder aufleben. Doch Corona macht alles anders. Die Amperperchten stehen vor einer Saison ohne Auftritte.

Fürstenfeldbruck – Normalerweise wäre bei den Amper-Perchten jetzt Hochbetrieb. Letzte Besprechungen vor der neuen Saison, letzter Schliff für den diesjährigen Auftritt, Generalprobe – und dann ein Marathon an Christkindlmärkten und privaten Weihnachtsfeiern, denen das Perchten-Brauchtum eine besondere Note verleiht. Doch, wie überall – dieses Jahr ist alles anders. Die Saison fällt aus, wie auch bei den Brucker Perchten & Rauhnachtsgesindel, dem zweiten Perchtenverein aus der Kreisstadt.

Sicherheit geht vor

„Wir haben alles abgesagt“, sagt Vorsitzender Johannes Trnka. „Die Sicherheit und Gesundheit aller Beteiligten geht vor.“ Die Entscheidung fiel bereits vor dem coronabedingten Teil-Lockdown. Zwar hatten die Perchten zunächst noch Hoffnung gehabt, dass eingeschränkt Veranstaltungen würden stattfinden können. Lange tüftelten sie an eigenen Hygienekonzepten. Aber ein Perchtenlauf mit Mindestabständen wäre nicht durchführbar gewesen. „Wir hätten weder uns noch den Veranstaltern etwas Gutes getan“, so Trnka. Wo die Perchten auftauchen, sind sie ein Publikumsmagnet. Menschentrauben hätten sich nicht vermeiden lassen, selbst wenn Helfer sich bemüht hätten, die Zuschauer auf Abstand von den Akteuren – und voneinander – zu halten. Inzwischen sind ohnehin die meisten Veranstaltungen abgesagt.

Knapp 20 Auftritte haben die Amper-Perchten in einem normalen Jahr. Man sieht sie auf der Türkenfelder Bergweihnacht und auf den Christkindlmärkten in Olching, Puchheim und Kaltenberg, seit 2018 auch beim Luzienfest in Bruck. „Da sind wir sehr gut angekommen“, erzählt Trnka. Gern gebucht werde die Gruppe auch für Firmen-Weihnachtsfeiern an ungewöhnlichen Locations. Es ist ein Highlight, wenn die Perchten als Überraschungsgäste beim Glühweinempfang an der Feuerschale auftauchen.

Johannes Trnka

Was der 39-Jährige und seine Mitstreiter zeigen, ist mehr als ein sogenannter Perchtenlauf, bei dem die Akteure in ihren Fell-Kostümen und schauerlichen Masken lärmend übers Gelände toben. Die Auftritte der Amper-Perchten folgen einer Choreographie und es werden auch Texte gesprochen. Die Figur des Flößers erklärt den Zuschauern, was gerade zu sehen ist. Die Vorbereitungen beginnen normalerweise bereits im August. Man trifft sich reihum bei den Aktiven zu Hause, sitzt am Lagerfeuer, sammelt Ideen. Die Kostüme werden in Schuss gebracht und neue Texte geschrieben. „Diesen Sommer konnten wir uns nur unter extremen Auflagen treffen, mit 1,50 Meter Abstand und Desinfektionsspray“, erzählt Trnka. Die geselligen Runden mit Feierabendbier fehlten. „Unser soziales Miteinander hat gelitten.“ Den rund 40 Mitgliedern bleibt nur eins – die Vorfreude auf nächstes Jahr. „Wir hoffen das Beste.“

Brucker Perchten & Rauhnachtsgesindel mit Online-Brauchtumskalender

Auch die „Brucker Perchten und Rauhnachtsgsindel“ verbinden die Geschichten und Sagen von Hexen, Geistern und die wilde Jagd mit den Holzmasken, den so genannten Loavn. „Die Regeln der Rauhnächte einzuhalten, mit Kräutern und Harzen zu räuchern und sich so vor den Geistern und der umherziehenden Wuiden Hetz zu schützen, dieses Wissen wieder zu beleben, haben wir uns zum Ziel gesetzt“, sagt Vereinsobmann Klaus Trnka. Doch heuer können die Vereinsmitglieder nicht als schaurige Dämonen und wilde Hexen auf den Weihnachtsmärkten auftreten.

Daher haben sie sich etwas anderes ausgedacht: Mit ihrem „Brauchtumskalender“ erfüllen sie die Traditionen digital mit Leben. Auf der Webseite des Vereins www.bruckerperchten.de informieren Beiträge zu den jeweiligen Terminen wie dem Nikolaustag oder dem Barbaratag über die Bräuche. Vom 21. Dezember bis zum 6. Januar dreht sich dann alles um die Rauhnächte, jene besondere Zeit zwischen den Jahren, wenn die dunklen Gestalten und ruhelosen Seelen unterwegs sind, aber auch Frau Perchta über die ruhende Natur wacht. „Wir haben viele Beiträge zusammengestellt, die dieser Zeit vor Weihnachten und als Höhepunkt den anschließenden Rauhnächten gewidmet sind“, erklärt Klaus Trnka. „Aber auch unsere eigenen Erlebnisse mit den Perchten und Hexen kommen nicht zu kurz.“ imu

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