Die Reise geht weiter: Andreas Vogelmeier, Geistlicher mit Leidenschaft für Motorräder, war zwölf Jahre Militärseelsorger, zuletzt in Fursty. Demnächst kümmert er sich wieder um eine zivile Gemeinde.
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Die Reise geht weiter: Andreas Vogelmeier, Geistlicher mit Leidenschaft für Motorräder, war zwölf Jahre Militärseelsorger, zuletzt in Fursty. Demnächst kümmert er sich wieder um eine zivile Gemeinde.

Abscheid am Fliegerhorst

Andreas Vogelmeiers Zeit als Militärseelsorger geht zu Ende

  • Ingrid Zeilinger
    vonIngrid Zeilinger
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Nicht einmal zwei Jahre war Andreas Vogelmeier als Militärdekan in Fursty. Er wollte länger bleiben, doch Kardinal Reinhard Marx schickt ihn auf eine andere Mission. Der Abschied vom Fliegerhorst und der Militärseelsorge fällt still aus.

Fürstenfeldbruck – Die letzte Soldatenwallfahrt, die letzte Spießrüstzeit, ein letztes Familienwochenende: Gerne hätte Andreas Vogelmeier all diese Veranstaltungen noch einmal erlebt – mit dem Wissen, dass es wirklich das letzte Mal ist. Doch die Corona-Pandemie machte dem 49-Jährigen einen Strich durch die Rechnung. Denn all diese Termine sind ausgefallen. Nachholen kann er sie nicht, denn schon im nächsten Jahr widmet er sich wieder der zivilen Seelsorge.

Vogelmeier trat im Juni 2019 die Nachfolge von Alfons Hutter als Militärdekan im Fliegerhorst an. Nach seiner Priesterweihe und Kaplan-Zeit wechselte er, der Wehrdienst geleistet hatte und früher einmal selbst Berufssoldat werden wollte, zur Militärseelsorge. Zunächst war er bei den Gebirgsjägern in Bad Reichenhall, dann kam er nach Fursty. Die übliche Dienstzeit eines Militärseelsorgers beträgt zwölf Jahre. Damit am Fliegerhorst nicht bald wieder ein Wechsel anstehen sollte, wollte Vogelmeier seine Dienstzeit bis zum Jahr 2023 verlängern. „Die drei Jahre hätte ich gerne noch gemacht.“

Doch überraschend legte der Leiter der Erzdiözese München Freising, Kardinal Marx, sein Veto ein. Vogelmeier soll die Leitung der Stadtkirche in Geretsried übernehmen. „Ich bin für eine Pfarreileitung in einem Alter, wo man mich gut brauchen kann“, vermutet Vogelmeier. „Es ist in Ordnung.“

Die Arbeit mit den Soldaten hat ihm viel Spaß gemacht

So durchlebt er zum Ausklang noch einmal unruhige Zeiten. Zunächst begann sein Dienst am Fliegerhorst normal. Der 49-Jährige hielt den lebenskundlichen Unterricht für die Soldaten. „Es macht viel Spaß, mit den Offizierschülern über ethische Fragen zu diskutieren“, sagt er im Rückblick. Dazu feierte er Gottesdienste und hatte stets ein offenes Ohr für alles, was den Soldaten auf dem Herzen liegt – gemeinsam mit seinem evangelischen Kollegen. Diese ökumenische Verbundenheit habe er sehr geschätzt und nehme er mit, sagt Vogelmeier.

Der studierte Musiker realisierte ein weiteres Projekt: den Fliegerhorst-Chor. Der Wunsch nach gemeinsamem Singen kam aus der Truppe – singen, wie es früher beim Marschieren üblich war. Zivil-Angestellte des Dienstleistungszentrums der Bundeswehr, Offizierschüler und auch Lehrer kamen zu den Proben. Beim Weihnachtsgottesdienst hatte der Chor seinen ersten Auftritt – und auch den letzten. Denn aufgrund der Corona-Pandemie ist das gemeinsame Singen nicht drin. Vogelmeier hofft, dass der Chor auch nach seinem Abschied weiter bestehen kann.

Die Corona-Pandemie wirbelte seine arbeit durcheinander

Die Corona-Pandemie veränderte auch sonst seine Arbeit. Denn als Seelsorger gehe man viel übers Gelände, schaue bei Menschen vorbei. Nun war es anders herum. „Aber die Menschen haben den Weg zu uns gefunden.“ Corona selbst war in den Seelsorge-Gesprächen weniger ein Thema. „Es geht um andere persönliche Dinge, aber Corona macht es nicht leichter.“

Der Ethik-Unterricht war zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen, digital wäre auch keine Alternative gewesen, sagt Vogelmeier. „Er lebt doch von der Diskussion und Gruppenarbeit.“ Dass die Offizierschüler ihren Abschluss trotz Homeschooling machen konnten, freut den scheidenden Militärdekan. „Man hat viel Energie in die Planung gesteckt und es gut gelöst.“

Die zwölf Jahre Militärseelsorge will Andreas Vogelmeier nicht missen. „Ich hatte viel Kontakt zu jungen Leuten, die der Kirche gegenüber kritisch sind.“ Die Erfahrungen habe seine Art des Predigens beeinflusst und seinen theologischen Blick sehr geweitet – vor allem die Diskussion über den Glauben. Auch die drei Auslandseinsätze haben den passionierten Motorradfahrer geprägt. Seinen Predigt-Stil will er beibehalten. „Das ist in Zivilgemeinden gut angekommen.“ Einzig den militärischen Wortschatz müsse er wieder ablegen und sich die zivile Sprache aneignen.

In Zukunft leitet er die Stadtkirche in Geretsried

Ende November geht Andreas Vogelmeier ein letztes Mal durch die Schranke am Fliegerhorst. Dann wird er nach Geretsried ziehen. Als Leiter der Stadtkirche hat er mit mehr Mitarbeitern und Ehrenamtlichen zu tun. „Es ist eine tolle Stelle, da kann man nach zwölf Jahren Abwesenheit von der zivilen Seelsorge gut starten.“

Wichtig sei, dass der Übergang gut gelinge. Denn durch den Ausfall vieler Veranstaltungen sei ein Abschied fast unmöglich. Daher nimmt er drei Monate Sabbatzeit – mit Urlaub, einer Kur und Exerzitien. In dieser Zeit bekommt er einen geistlichen Begleiter, denn auch ein Seelsorger braucht jemanden zum Reden. Dabei helfen auch Freunde und eine Priestergruppe.

So will Andreas Vogelmeier bereit sein für die neue Aufgabe. „Ich freue mich darauf, das Kirchenjahr mit der Gemeinde zu erleben“, sagt der 49-Jährige. „Das habe ich vermisst.“

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