„30 Jahre – 30 Köpfe – 30 Tage“: Barbara Kink (l.) und Verena Beaucamp mit dem Plakat zur Aktion anlässlich des 30. Geburtstags des Stadtmuseums.
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„30 Jahre – 30 Köpfe – 30 Tage“: Barbara Kink (l.) und Verena Beaucamp mit dem Plakat zur Aktion anlässlich des 30. Geburtstags des Stadtmuseums.

Dauerausstellungen

Anlässlich des 30. Geburtstags: Stadtmuseum lädt zur Spurensuche

  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Genau hinschauen, heißt es dieser Tage im Museum Fürstenfeldbruck. Anlässlich seines 30. Geburtstags lädt das Haus zu einer Spurensuche in den Dauerausstellungen „Kloster Fürstenfeld“ und „Leben in Bruck um 1900“ ein.

Fürstenfeldbruck – Es geht darum, Köpfe zu finden. Sie stehen stellvertretend für die vielen Gesichter des Museums und die Geschichten hinter den Werken. „30 Jahre – 30 Köpfe – 30 Tage“ heißt die Aktion, die am Samstag, 25. September mit einem Abend der offenen Tür beginnt und bis 25. Oktober läuft.

Bei freiem Eintritt, mit Live-Musik und einer großen Geburtstagstorte feiert das Museum mit seinen Besuchern das Jubiläum und lädt sie gleichzeitig dazu ein, die Ausstellung mit neuen Augen zu betrachten. Bewaffnet mit einem Info-Blatt kann man sich auf die Suche nach den ausgewählten 30 Köpfen machen und wird in den Bildern und Skulpturen auf Details stoßen, die man vielleicht bisher übersehen hat.

Die Köpfe sind derzeit auch auf Plakaten in der ganzen Stadt zu sehen. Darunter ist zum Beispiel der historisch bedeutsamste Kopf – der von Ludwig dem Bayern, Sohn des Klostergründers, großer Förderer Fürstenfelds und bis heute allgegenwärtig in Puch, da er hier am 11. Oktober 1347 unerwartet starb. Der wohl geschäftstüchtigste Kopf gehört Ignaz Leitenberger. Der böhmische Fabrikant kaufte nach der Säkularisation 1803 den gesamten Klosterkomplex, um hier eine Fabrik einzurichten. Die Pläne scheiterten, doch statt pleite zu gehen, verkaufte Leitenberger dem bayerischen Staat das Kloster zurück – für den doppelten Preis.

Der rätselhafteste Kopf sitzt auf einer Eichenholzstatue. Ein ebenmäßig hübsches Gesicht unter einer spätmittelalterlichen Frauenhaube – doch wen stellt es dar? Maria von Brabant, Anna von Schlesien-Glogau oder Mechthild von Habsburg? Alle drei kommen in Frage, denn alle drei waren Ehefrauen Ludwigs des Strengen und wurden zusammen in einer Figurengruppe am Grabmal des Klosterstifters verewigt.

Der ausdrucksvollste Kopf könnte aus einem expressionistischen Gemälde stammen, ist aber viel älter. Das Ölbild eines unbekannten Künstlers entstand um 1800. Es zeigt ein gequältes Gesicht mit weit aufgerissenem Mund und verdrehten Augen – die Darstellung einer Seele im Fegefeuer. Die Haare werden nach oben geweht, der dunkelrote Grundton lässt die Flammenhölle erahnen, die der Künstler vor seinem inneren Auge hatte.

Die jüngsten Köpfe sind in drei besonders gelungenen Kinderporträts des Brucker Malers Carl Robiczek (1837-1918) zu sehen. Während zwei von ihnen im Stil sorgfältig inszenierter Salonmalerei gehalten sind und vermutlich Robiczeks eigene Töchter darstellen, zeigt das dritte ein kleines Mädchen in bäuerlicher Kleidung. os

Mehr als 70 Sonderausstellungen in 30 Jahren

Nur aus einer einzigen Abteilung bestand das Museum Fürstenfeldbruck, als es 1991 eröffnet wurde – gewidmet dem Kloster Fürstenfeld, in dessen ehemaligem Ökonomietrakt es nach einer bewegten Vorgeschichte seine dauerhafte Heimat fand. 1995 kam der zweite Teilabschnitt hinzu: „Leben im Bruck um 1900“, ein lebendiger und anschaulicher Rückblick auf die Stadtgesellschaft der damaligen Zeit mit ihren streng geregelten Pflichten für Männer, Frauen und Kinder.

2002 und 2005 folgte in zwei Abschnitten die dritte Abteilung, die das Museumskonzept um weitere spannende Facetten ergänzt. Die Ausstellungsstücke zum Thema „Kelten, Römer, Bajuwaren“ sind im Dachgeschoss untergebracht. Die Abteilung entstand aus einer Kooperation des Museums mit dem Arbeitskreis Vor- und Frühgeschichte und der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen.

Was das Museum immer wieder neu zu einem Anziehungspunkt macht, sind die mehr als 70 Sonderausstellungen, die seit 1991 gezeigt wurden. Meist werden hier in einem breiten Themenspektrum regionale Aspekte und Akteure in einen größeren Kontext gesetzt. os

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